DFB-Kapitän ungeschickt gegen Frankreich

Schweinsteiger: Tragischer Held mit traurigem Rekord

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Bastian Schweinsteiger (r.) hat jetzt 18 EM-Spiele auf dem Buckel.

Marseille - Gegen Frankreich wird Bastian Schweinsteiger zum tragischen Helden, sein Handspiel schockt das deutsche Team. Dennoch stellt er einen neuen Rekord auf.

Die Rolle des tragischen Helden hatte Bastian Schweinsteiger nicht verdient. Doch als die Nachspielzeit der ersten Hälfte ein paar Sekunden alt war, spielten die überragenden 45 Minuten zuvor auf einmal keine Rolle mehr für den zurückgekehrten Kapitän. Nach einem Kopfball von Patrice Evra sprang Schweinsteiger der Ball an die Hand, Schiedsrichter Nicola Rizzoli (Italien) zeigte auf den Punkt. Antoine Griezmann verwandelte den Strafstoß sicher (45.+2).

Unglücklicher hätte es für den Spielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im EM-Viertelfinale gegen Gastgeber Frankreich nicht laufen können. Schließlich war Schweinsteiger zuvor der beste Mann auf dem Platz, er war sofort wieder der Chef. Als der 31-Jährige zum ersten Mal bei der EURO von Beginn auflief, stand endlich wieder ein echter Kapitän auf dem Platz.

Schweinsteiger zog die Bälle magisch an, er war die Ruhe selbst. Von Nervosität keine Spur. "Schweini" organisierte die Defensive und war der Initiator der Offensive. Von wegen Auslaufmodell! Die ganze Mannschaft orientierte sich an ihrem Kapitän, der in die Zweikämpfe ging, als wäre er nie verletzt gewesen. Eine Halbzeit lang war er der Dreh- und Angelpunkt im deutschen Spiel, in der 26. Minute hätte er den Weltmeister mit einem Distanzschuss sogar fast in Führung gebracht.

Bundestrainer Joachim Löw schien schon am Vorabend gewusst zu haben, was noch alles in seinem Anführer steckt. "Er wird definitiv beginnen. Er hat die Physis und die Kraft, von Anfang an zu spielen. In so einem Hexenkessel ist seine Erfahrung enorm wichtig", hatte Löw am Mittwoch gesagt: "Wenn die Kräfte nicht reichen sollten, haben wir die Möglichkeit zu wechseln."

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Schweinsteiger hatte im Viertelfinale gegen Italien (1:1, 6:5 n.V.) eine Außenbandzerrung im Knie erlitten. Gegen die Azzurri musste der Profi von Manchester United früh (16.) den verletzten Sami Khedira ersetzen, obwohl er selbst nach seinem monatelangen Ausfall (Innenbandanriss) noch nicht bei 100 Prozent war.

Am Mittwochmorgen hatte Schweinsteiger, der gegen Italien im Elfmeterschießen nicht getroffen hatte, bei der letzten Einheit in Evian auf dem Trainingsplatz das Signal gegeben: Ich bin bereit für den Showdown gegen Frankreich! Und das war er dann auch - bis zu jener unglückseligen Nachspielzeit. "Es war Handspiel. Er geht mit dem Arm nach vorne", urteilte der frühere FIFA-Schiedsrichter Urs Meier im ZDF.

Dennoch sorgte Schweinsteiger für einen Rekord: Er bestritt sein 38. Spiel bei einem großen Turnier. Schweinsteiger kommt nunmehr auf 20 Einsätze bei Europameisterschaften und 18 bei Weltmeisterschaften. Damit liegt er vor Miroslav Klose (37 Einsätze) sowie Lothar Matthäus und dem Italiener Paolo Maldini (je 36).

Nach dem Seitenwechsel brauchte Schweinsteiger einige Minuten, um mit dem Rückstand zurechtzukommen. Doch als Jerome Boateng nach einer Stunde verletzt raus musste, lastete noch mehr Verantwortung auf dem früheren Münchner. Und Schweinsteiger wollte dieser Verantwortung mit aller Macht gerecht werden. Er gab weiter den Anführer mit dem großen Kämpferherz. In der 79. Minute wurde der Kapitän dann ausgewechselt, für ihn kam EM-Debütant Leroy Sané.

Die Rekordspieler im Überblick:

20 Spiele: Cristiano Ronaldo (Portugal) 2004-2016

18 Spiele: Bastian Schweinsteiger (Deutschland) 2004-2016

17 Spiele: Gianluigi Buffon (Italien) 2004-2016

16 Spiele: Andrés Iniesta (Spanien) 2008-2016

Cesc Fàbregas (Spanien) 2008-2016

Edwin van der Sar (Niederlande) 1996-2008

Lilian Thuram (Frankreich) 1996-2008

15 Spiele: Sergio Ramos (Spanien) 2008-2016

David Silva (Spanien) 2008-2016

14 Spiele: Petr Cech (Tschechien) 2004-2016

Nuno Gomes (Portugal) 2000-2008

Pepe (Portugal) 2008-2016

Nani (Portugal) 2008-2016

João Moutinho (Portugal) 2008-2016

Zinédine Zidane (Frankreich) 1996-2004

Luis Figo (Portugal) 1996-2004

Karel Poborsky (Tschechien) 1996-2004

Philipp Lahm (Deutschland) 2004-2012

Iker Casillas (Spanien) 2004-2016

13 Spiele: Zlatan Ibrahimovic (Schweden) 2004-2016

Andreas Isaksson (Schweden) 2004-2016

Miroslav Klose (Deutschland) 2004-2012

Mario Gomez (Deutschland) 2008-2016

Alessandro Del Piero (Italien) 1996-2008

Peter Schmeichel (Dänemark) 1988-2000

Thomas Hässler (Deutschland) 1992-2000

Jürgen Klinsmann (Deutschland) 1988-1996

Laurent Blanc (Frankreich) 1992-2000

Didier Deschamps (Frankreich) 1992-2000

Paolo Maldini (Italien) 1988/1996-2000

Dennis Bergkamp (Niederlande) 1992-2000

Phillip Cocu (Niederlande) 1996-2004

Antonio Cassano (Italien) 2004-2012

Rui Costa (Portugal) 1996-2004

Olof Mellberg (Schweden) 2000-2012

Konstantinos Katsouranis 2004-2012

(Griechenland)

Fernando Torres (Spanien) 2004-2012

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