Anschläge in Paris

Wie Griezmanns Schwester den Terror im Bataclan überlebte

+
Antoines Griezmanns Schwester war im Bataclan, als die Terroristen kamen.

Paris - Als der Terror über Paris hereinbrach, bangte auch Frankreichs Superstar Antoine Griezmann um das Leben eines geliebten Menschen. Seine Schwester Maude befand sich im Bataclan, als das Terrorkommando angriff. Nun erzählte sie, wie sie dem Tod entkam.

Es ist ein denkwürdiges Spiel, das am Donnerstagabend in Marseille stattfindet. Denkwürdig deshalb, weil beim letzten Aufeinandertreffen zwischen Frankreich und Deutschland der Terror über Paris hereinbrach. Als sich beim Freundschaftsspiel dieser beiden Teams vor dem Stade de France Selbstmordattentäter in die Luft sprengten. Als Terroristen in der Innenstadt wahllos auf Restaurant-Besucher feuerten. Als Terroristen im Konzertsaal Bataclan ein Blutbad anrichteten. An diesem verhängnisvollen 13. November 2015 starben in Paris 130 Menschen, Hunderte wurden verletzt. Unter ihnen war auch die Schwester von Frankreichs Fußballstar Antoine Griezmann. Maude Griezmann wollte im Pariser Konzertsaal die Eagles of Death Metal hören, als alleine dort 89 Menschen den Tod fanden.

Mit derNew York Times sprach Maude Griezmann nun über die Stunden in Todesangst. "Zunächst dachten wir, es sei ein Scherz", erzählt die junge Frau über den Moment, als die ersten Schüsse fielen. "Wir dachten, es sei Teil des Konzerts. Doch dann hörten wir die Schreie." Griezmann und ihr Freund Simon Degoul wurden von der in Panik geratenen Menschenmasse in die vordere rechte Ecke des Raumes gedrängt. Das Paar warf sich auf den Boden, um dem Kugelhagel auszuweichen, eine Frau, die ebenfalls Schutz suchte, legte sich zwischen die beiden. 

Mit der Wange berührte die Schwester des Star-Kickers den harten Boden des Bataclans. Sie zwang sich, sich nicht umzusehen. "Wenn Du dich bewegtest, wurdest Du erschossen", erzählt Griezmann. "Eine Person neben mir bewegte sich, und sie erschossen sie. Sie erschossen sie und ich hörte, wie sie auf dem Boden landete."

An die Frau, die zwischen Griezmann und ihrem Freund lag, kann sich die 28-Jährige kaum erinnern. Nur daran: Sie hielt deren Hand. Griezmanns Freund, der auf der anderen Seite der Fremden lag, hielt die andere Hand der Frau. Während die Terroristen weiter erbarmungslos töteten, hielten die drei still - nur über ihre Hände gaben sie sich Zeichen, dass sie noch am Leben waren. Griezmann drückte die Hand der Fremden, die drückte die Hand von Simon Degoul, und der gab das Lebenszeichen zurück. 90 Minuten lang. "Es war die einzige Möglichkeit um dem anderen zu zeigen, dass wir noch am Leben waren."

An vieles aus dieser Nacht erinnert sich die junge Frau nicht mehr. Woran sie sich erinnert? Dass sie mehr Angst verspürte, als es längere Feuerpausen gab. Und dass sie ihre Doc Martens von ihren Füßen kickte, damit sie schneller rennen konnte. Und an den Moment, als die Polizei den Konzertsaal stürmte, sie zur Tür sprintete und mit ihrem Freund knapp 200 Meter weg vom Ort des Schreckens rannte. "Meine Klamotten waren voller Blut", schildert sie die entscheidenden Momente. Dann schnappte sie sich das Handy ihres Partners, rief ihre Mutter an und schrie: "Ich bin draußen! Ich bin draußen!" Zuvor hatte bereits Antoine Griezmann via Twitter verkündet, dass seine Schwester ebenfalls im Bataclan sei. Später twitterte er: "Gott sei Dank konnte meine Schwester aus dem Bataclan entkommen. Meine Gebete gehen an die Opfer und ihre Familien."

Zur Therapie ging Maude Griezmann bislang nicht. "Die Familie und das Leben sind meine Therapie", sagt sie. Nur ein mal habe sie mit ihrem Bruder über die Geschehnisse dieser schrecklichen Nacht gesprochen.

Am Donnerstag treffen Deutschland und Frankreich nun wieder aufeinander. Zwar nicht in Paris, aber in Marseille. Doch der Sieger dieses Halbfinals wird beim Finale im Stade de France  in Saint-Denis spielen. Dort, wo die Anschläge ihren Anfang fanden, wo zehntausende Zuschauer, die Spieler, die Trainer die Explosionen hörten, als sich die Selbstmordattentäter in die Luft sprengten. "Es ist ein wichtiges Spiel für Antoine", sagt Maude Griezmann. Doch nicht nur für ihn. "Für die Mannschaft, für die Fans."

Was rund um die EM 2016 passiert, lesen Sie im Live-Ticker vom Donnerstag.

Kommentare