"Warum nicht?"

Shaqiri glaubt an ein Schweizer EM-Wunder

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Hopp Schwiiz! Xherdan Shaqiri, Profi bei Stoke City, ist mit seinem Abschied vom FC Bayern (2015) aus dem deutschen Blickfeld geraten. 

Lens/Evian - Ex-Bayer Xherdan Shaqiri glaubt, dass mal wieder ein Außenseiter reif für ein EM-Wunder ist – etwa die Schweiz.

Dieser Satz ist ihm aus der Bayern-Zeit geblieben. Er klingt so schön schroff, es ist die Tonlage, in der man in der Münchner Leistungs- und Ellbogengesellschaft über Mitspieler spricht, wenn sie gut gewesen sind: „Dazu sind sie da“ – oder so ähnlich.

„Ja, dafür haben wir ihn“, sagte Xherdan Shaqiri über Yann Sommer, den Torhüter der Schweizer, nachdem diese am Samstag mit einem 1:0 gegen Albanien in die EM gestartet waren. In der 88. Minute hatte Sommer, der Mönchengladbacher, mal wieder die Hände ausgefahren und den Schuss weggeklatscht, der das 1:1 bedeutet hätte – und einen Fehlstart. Die Schweizer sind eine halbe Bundesliga-Mannschaft, und der Hamburger Johan Djourou stellte fest: „Da kannst du Erfahrung haben, wie du willst. Wenn ein Turnier losgeht, ist es einfach was Besonderes.“ Und da braucht man dann einen, der kühl bleibt – wie Sommer.

EM 2016: Shaqiri wechselt vom FCB nach England

Shaqiri, der Mann mit dem FC-Bayern-Satz, ist aus der Wahrnehmung seiner ehemaligen Fans in den vergangenen eineinhalb Jahren verschwunden. Unter Pep Guardiola erfuhr er weniger Wertschätzung als unter Jupp Heynckes. Im Winter 2014/15 war man dann der Meinung, Shaqiri entwickle sich nicht so weiter wie gewünscht, und dafür seien dann die über den Bruder vorgetragenen Forderungen bezüglich einer Vertragsverlängerung zu exquisit.

Man verlieh ihn ein halbes Jahr an Inter Mailand, das ihn anschließend kaufte, aber weiter veräußerte an Stoke City in England. Ein steinalter Klub (gegründet 1863), aber keiner, der was gewinnt. Andererseits waren die „Potters“, wie sie genannt werden, diese Saison als Neunter nicht weit von Jürgen Klopps FC Liverpool entfernt. „Und jetzt werden noch viele Spieler nach England kommen“, sagt Shaqiri mit dem Die-Liga-die-am-besten-zahlt-Lachen.

Er hat das Märchen, dass Leicester City englischer Meister wurde, aus der Nähe mitbekommen – und er schließt nicht aus, dass diese Europameisterschaft einen Champion bekommen könnte, mit dem man nicht rechnet. „Dänemark und Griechenland haben es vorgemacht“, verweist Xherdan Shaqiri auf die historischen Beispiele von 1992 und 2004. Er sagt: „Viele Teams, die hier sind, können die EM gewinnen.“ Und die Schweizer rechnen sich selbst dazu. Wenn sie heute (18 Uhr) Rumänien schlagen, dann sind sie im Achtelfinale. „Danach spielen wir gegen Frankreich um Platz eins der Gruppe“, kündigt Granit Xhaka an.

Xhaka als zweite wichtige Stütze für die Schweiz

Xhaka steht für den größten Erfolg, den der Schweizer Fußball hat erzielen können. 2009 wurde die eidgenössische U 17-Weltmeister. Neben Xhaka haben es Ricardo Rodriguez, der Wolfsburger Verteidiger mit der gebückten Haltung und der Pferdeschwanzfrisur, und Haris Seferovic von Eintracht Frankfurt ins jetzige A-Nationalteam geschafft. Seferovic quälte am Samstag aber seinen Trainer Vladimir Petkovic und die Kollegen mit seinem Verballern von Chancen in Serie. „Die Tore hat er sich sicher für die nächsten Spiele gespart“, sagt Granit Xhaka.

Auch er wird den Shaqiri-Weg gehen – aber eine Dimension größer. Er wechselt von Gladbach zu Arsenal. Ablöse: 45 Millionen Euro. „Die Zahl belastet mich nicht“, versichert er, „ich bin keine 20 mehr“. Erst 18 ist Breel Empolo, das nächste Schweizer Supertalent. Schwarze Perle des FC Basel – und natürlich ebenfalls heiß gehandelt für einen Transfer nach England. Schon gehen oder noch daheim bleiben? „Muss jeder selbst wissen“, sagt Shaqiri, „ob er dann genügend Spielpraxis bekommt.“ Er selbst hat sie, 27 von möglichen 38 Malen stand er in der Startelf von Stoke. Schon was anderes als in München. „Shaq“ spielt, er ist einfach zufrieden.

Alle Informationen zur EM und dem Spiel Schweiz gegen Rumänien gibt im News-Blog.

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