Deutscher Schiri im Einsatz

Brych: Eine Fehlentscheidung beim Briten-Battle

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Machte nur einen Fehler beim "Battle of Britain": Schiedsrichter Felix Brych.

Lens - Nur einen Fehler macht der deutsche Schiedsrichter Brych beim EM-Duell zwischen England und Wales. Kostet der ihn weitere Partien? Eine Arbeits-Analyse:

Im „Battle of Britain“ behielt Schiedsrichter Felix Brych nur einmal nicht den Überblick. Der verwehrte - eigentlich eindeutige - Handelfmeter für England in der 32. Minute beim 2:1 (0:1) gegen Wales könnte dem Deutschen im weiteren Spielverlauf aber noch zum Verhängnis werden. Vor zwei Jahren bei der WM 2014 in Brasilien musste der heute 40-Jährige bereits nach der Vorrunde nach Hause fahren, nachdem er Russland beim 0:1 gegen Belgien bei einer kniffligen Entscheidung den Elfmeterpfiff verwehrt hatte.

Beim Ausgleich der Engländer durch Jamie Vardy (56.) behielt Brychs Gespann dagegen den Durchblick. Der Torschütze vom englischen Meister Leicester City stand nur vermeintlich klar im Abseits - der Ball war ihm vom walisischen Kapitän Ashley Williams vor die Füße geköpft worden. Linienrichter Stefan Lupp erkannte alles richtig.

Dagegen hatte Torrichter Bastian Dankert seinen Chef Brych nach einer guten halben Stunde im Stich gelassen. Der Waliser Ben Davies spielte den Ball nach einem Zweikampf mit Englands Harry Kane im eigenen Strafraum deutlich mit der Hand. Brych aber war sich seiner Sache sicher oder ließ sich ein Zweifeln zumindest nicht anmerken. Der Münchner schüttelte sofort mit dem Kopf, obwohl ihm eigentlich die Sicht versperrt war und er sich auf Dankert verlassen musste.

Erstaunlicherweise gab es in diesem Moment wenig Proteste der Engländer, auch zur Halbzeit beim Verlassen des Platzes nicht. „Er ist einer der besten Referees in Europa, soweit ich weiß. Er hat schon die besten Mannschaften der Welt gepfiffen“, hatte Englands Nationalcoach Trainer Roy Hodgson am Mittwoch gesagt.

Mit seiner sehr souveränen und unaufgeregten Leitung hatte sich Brych auch im Spiel offensichtlich früh den Respekt der Spieler erworben. Seine gesamte Gestik strahlte Ruhe und Gelassenheit aus.

Wenn es sein musste, wurde der Jurist im Auftreten entschiedener. So lief Brych auch schon mal im Sprint in die Konfliktzonen und schreckte nicht vor deutlichen Ansprachen an die Superstars Wayne Rooney (England) und Gareth Bale (Wales) zurück. Niemand lamentierte, kaum jemand reklamierte. Mit seiner natürlichen Autorität hatte Brych das Spiel bis auf die Fehlentscheidung in der ersten Hälfte im Griff. Er kam in dem brenzligen Duell auch mit nur einer Gelben Karte aus.

Spannend für den Deutschen dürfte nun sein, wie der Schiedsrichter-Chef der Europäischen Fußball-Union, Pierluigi Collina, reagiert. Der Italiener hatte Brych mit der kniffligen Aufgabe betraut, das brenzlige Duell der beiden britischen Kontrahenten zu leiten. Zuvor hatte Brych am ersten Spieltag noch aussetzen müssen. Vor allem Wales' Superstar Bale von Real Madrid, Torschütze zum 1:0 (42.), hatte die Stimmung in den Tagen zuvor noch mit provokanten Aussagen weiter angeheizt. Nach den Fan-Randalen von Marseille am vergangenen Samstag stand die Partie ohnehin schon unter besonderer Beobachtung. Das Spiel blieb aber weitestgehend fair. Dies war auch ein Verdienst von Brych und seinem Team.

Ein chronologischer Arbeitsnachweis des 40 Jahre alten Juristen:

1. Minute: Brych pfeift an. In seinem rosa Trikot und den gleichfarbigen Stutzen fällt er zunächst optisch auf.

4.: Brych muss zum ersten Mal bei einer Rangelei zwischen Dele Alli (England) und Aaron Ramsey (Wales) an der Seitenlinie eingreifen. Mit deutlichen Worten löst er das kleine "Rudel" einer handvoll Spieler schnell auf.

28.: Brych fällt auf eine Schwalbe des Engländers Danny Rose herein. Aus dem Freistoß wäre fast der Führungstreffer durch Gary Cahill entstanden.

32.: Umstrittene Szene. Ben Davies (Wales) springt der Ball nach einem Kopfballduell mit Harry Kane (England) an der Torraumgrenze an die Hand. Schwierige Entscheidung, Brych lässt weiterlaufen und liegt damit richtig. Kritik aus den englischen Reihen dürfte ihm aber dennoch sicher sein.

42.: Tor für Wales durch Gareth Bale per Freistoß. Der Freistoßpfiff von Brych war korrekt. Der englische Kapitän Wayne Rooney hatte Hal Robson-Kanu gefoult.

46.: Brych pfeift die zweite Hälfte an. Im ersten Durchgang ist er ohne Gelbe Karte ausgekommen.

56.: Ausgleich für England durch den eingewechselten Jamie Vardy. Und wieder stehen Brych und seine Assistenten im Mittelpunkt. Vardy stand bei seinem Tor eigentlich klar im Abseits, doch der Ball kam per Kopf vom Waliser Ashley Williams zu Vardy. Richtig entschieden von Brych, auch wenn sich Bale beschwert.

60.: Ein Schuss von Adam Lallana (England) wird vom heranstürzenden Davies (Wales) mit der Hand kurz vor der Strafraumgrenze geblockt. Brych gibt Ecke, fragwürdige Entscheidung.

73.: Der eingwechselte Waliser Jonathan Williams hätte für seine Schwalbe im Strafraum eigentlich die Gelbe Karte verdient gehabt. Immerhin fiel Brych nicht darauf rein.

90.+2: Daniel Sturridge trifft für England. Brych ließ zuvor die unübersichtliche Szene im Strafraum zurecht laufen.

90.+4.: Brych pfeift ab. Im zweiten Durchgang verteilte er eine Gelbe Karte an Davies (Wales).

sid/dpa

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