"Drama dahoam": Schweinsteigers tragischer Abend

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Bastian Schweinsteiger wollte nach seinem verschossenen Elfmeter bestimmt ganz weit weg sein.

München - Er stoppt kurz ab und schießt - Innenpfosten. Bastian Schweinsteiger war die tragische Figur beim „Drama dahoam“ des FC Bayern München im verlorenen Champions-League-Finale.

Als sich diese tragische Nacht ihrem Ende näherte, hatte Bastian Schweinsteiger nicht einmal mehr Augen für seine Sarah. Schweinsteiger, die tragische Figur beim „Drama dahoam“ des FC Bayern München, verließ den Postpalast gegen halb vier Uhr morgens durch den einen, seine Freundin durch den anderen Ausgang. Der Nationalspieler wollte nur noch weg, sich irgendwo eingraben. Nichts mehr sehen, nichts mehr hören, nichts mehr fühlen.

Schweinsteiger. Ausgerechnet Bastian Schweinsteiger. Kein Spieler verkörpert das „Mia san mia“ dieses Klubs besser als der gebürtige Oberbayer, keiner lebt es intensiver. Als er vor eineinhalb Jahren seine Vertragsverlängerung bekannt gegeben hatte, tat er das wie selbstverständlich vor der Südkurve. Schon damals lag das Versprechen in der Luft: Irgendwann schenke ich euch den „Henkelpott“! Am Samstagabend, als Schweinsteiger zu seinem Elfmeter antrat, war die Bühne für diesen Moment bereitet. Der „Fußballgott“ trat vor seine Fans - und wollte sie, sich, den ganzen Klub glücklich machen. Und dann - Innenpfosten.

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Der 28-Jährige zog sich, den Tränen nahe, sofort das Trikot über den Kopf - er ahnte, was kommen sollte. Als Didier Drogba die Bayern anschließend ins Jammertal stürzte, konnte Schweinsteiger nicht mehr an sich halten, die Tränen flossen in Strömen. Er kauerte am Boden, fassungslos schlug er immer wieder die Hände vors Gesicht. Was eben geschehen war - er konnte, er wollte es nicht begreifen. Als Drogba ihn tröstend in den Arm nahm, starrte er ins Nichts. Wie vielen Kollegen fehlten Schweinsteiger die Worte für diese, seine sportliche Tragödie.

Coach Jupp Heynckes sorgte sich vor allem um seinen Chef, der im Halbfinale mit seinem verwandelten Elfmeter noch umjubelter Held gewesen war. „Wenn so ein renommierter Nationalspieler verschießt, muss er es erstmal verkraften. Das wird dauern“, sagte er.

Zumal Schweinsteiger eine weitere Chance verstreichen ließ, in die Geschichtsbücher des Vereins als einer seiner Legenden einzugehen. Vor der Partie hatten er und Kapitän Philipp Lahm noch von der „historischen Dimension“ dieses Spiels gesprochen. Davon, dass sie erst mit diesem Cup zur „Goldenen Generation“ werden könnten. Diese Möglichkeit besteht nun in dieser Saison nur noch bei der Europameisterschaft.

Im Trainingslager der Nationalmannschaft in Tourettes/Südfrankreich werden Schweinsteiger und seine sieben Bayern-Kollegen am Freitag von Joachim Löw erwartet. Der Bundestrainer ist insbesondere bei Schweinsteiger als Seelsorger gefragt. „Wir haben keinen Zaubertrank, aber wir werden die Jungs wieder aufbauen. Mit uns können sie ja noch einen Titel gewinnen“, sagte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff am Sonntag.

Lahm aber wollte vom DFB und der EM erstmal nichts wissen. „Daran denke ich noch keine Sekunde, dafür habe ich keinen Kopf“, sagte er.

Diese Worte hätten von Schweinsteiger sein können.

sid

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