Champions-League-Reform wird zum Streitthema

+
Für Karl-Heinz Rummenigge ist die Champions-League-Reform eine "Evolution". Foto: Salvatore Di Nolfi

Für Karl-Heinz Rummenigge ist die Champions-League-Reform eine "Evolution". Mit dieser Meinung stößt der Bayern-Boss bei vielen Clubs nicht gerade auf Verständnis. Die Sorge vor einer Zwei-Klassen-Gesellschaft ist groß.

Kopenhagen (dpa) - Kritik aus der Bundesliga, Verärgerung bei der Profiligen-Vereinigung und ein heißes Wahlkampf-Thema im Kampf um den UEFA-Chefposten: Die umstrittene Champions-League-Reform entwickelt sich europaweit immer mehr zum Reizthema.

Nach der Einigung zwischen der European Club Association (ECA) mit der Exekutive der Europäischen Fußball-Union über die Geldverteilung und die Startplätze in den internationalen Club-Wettbewerben wächst die Sorge vor einer Zwei-Klassen-Gesellschaft.

"Die Schere geht immer weiter auseinander", monierte Fritz Keller als Präsident des SC Freiburg im Fachmagazin "Kicker" und fügte hinzu: "Da sollen die Großen doch ihre eigene Liga gründen." Der Fußball lebe doch davon, dass man bei Anpfiff des Spiels das Ergebnis noch nicht kenne. Ähnlich sieht es Hertha-Manager Michael Preetz: "Die großen Clubs werden ganz sicher weiter enteilen. Das ist keine Frage." In dieser Diskussion hinterfragt der Mainzer Präsident Harald Strutz auch die Rolle von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge kritisch. "Besteht die Bundesliga nur noch aus Rummenigge?"

Rummenigge hatte als ECA-Chef die Rahmenbedingungen für die UEFA-Clubwettbewerbe ab der Saison 2018/19 ausgehandelt. Die vier Topligen erhalten dabei zukünftig vier feste Startplätze für die Königsklasse. Auch bei der Geldverteilung profitieren die großen Clubs noch mehr als zuvor. Weit über 100 Millionen Euro können dann die Global Player wie der FC Bayern, Real Madrid oder der FC Barcelona zukünftig pro Saison generieren, was einer Verdoppelung der jetzigen Einnahmen gleichkommt. "Eine Evolution, keine Revolution", nannte Rummenigge das neue Konstrukt.

Das wird bei der Vereinigung der europäischen Profiligen freilich anders wahrgenommen. Die EPFL fühlt sich übergangen und spricht von einem "schädlichen Einfluss auf die heimischen Wettbewerbe", hieß es in einer Mitteilung. Die Reform werde zu einer exponentiellen Vergrößerung der finanziellen und sportlichen Kluft zwischen den größten Clubs und allen anderen führen, meint die EPFL und droht mit Konsequenzen. Die UEFA habe eine Absichtserklärung zwischen den beiden Organisationen gebrochen. Die EPFL drohte nun im Gegenzug, bei den Spielansetzungen der nationalen Ligen womöglich nicht mehr Rücksicht auf die Ansetzungen der internationalen Wettbewerbe nehmen zu wollen.

Bei den Verhandlungen war der ECA zugute gekommen, dass sie die UEFA nach der Sperre von Präsident Michel Platini und dem Wechsel des bisherigen Generalsekretärs Gianni Infantino an die FIFA-Spitze im Machtvakuum befindet. Dazu kam das Drohgebärde mit der Gründung einer privaten Superliga. Kein Wunder, dass das Thema auch vor der Wahl des neuen UEFA-Präsidenten am 14. September in Athen hohe Wellen schlug.

Schließlich war der Niederländer Michael van Praag, der mit dem Slowenen Aleksander Ceferin um den Chefposten konkurriert, als Mitglied der UEFA-Exekutive involviert. Ceferin lancierte entsprechend Attacken gegen seinen Gegenspieler. "Es ist ganz klar nicht zugunsten von kleinen und mittelgroßen Verbänden. Aber das Ding ist, dass kein Mitgliedsverband und kein Verein aus einem mittelgroßen oder kleinen Verband etwas davon weiß. Wenn ich richtig informiert bin, wussten selbst Mitglieder des Exekutivkomitees nichts davon. Es gab eine Arbeitsgruppe aus drei Leuten vom Exekutivkomitee und drei Leuten von Vereinsverbänden und dann wurde eine Entscheidung getroffen", sagte der 48-Jährige auf einer Pressekonferenz in Kopenhagen.

Das Exekutivkomitee habe die einstimmige Entscheidung getroffen. Man müsse die Verantwortlichen fragen. "Warum haben sie es gemacht? Hatten sie eine Wahl? Gab es Druck?", ergänzte Ceferin in der französischen Sportzeitung L'Equipe. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass er die Reform kaum rückgängig machen könne, wenn er gewählt werde. "Ich spiele jetzt nicht den Populisten und rufe: 'Das ist Mist, wir werden es ändern. Das Format ist immer noch besser als eine private Superliga, was ein Krieg gegen die UEFA bedeutet hätte."

Van Praag, der bei der UEFA-Wahl als klarer Außenseiter gilt, wies die Vorwürfe am Donnerstag zurück: "Es gab einen Rahmen, einen Startpunkt für Verhandlungen, den ich an die UEFA-Administration weitergegeben habe", sagte er bei einer Pressekonferenz in Kopenhagen. Ceferin sollte ihm lieber dankbar sein, anstatt ihn zu kritisieren, weil er eine europäische Superliga abgewendet habe. "Es gab eine wirkliche Bedrohung", sagte van Praag. "Und ich bin stolz auf mich, dass ich zweimal nach München gefahren bin, um mit Karl-Heinz Rummenigge zu reden, um sicherzugehen, dass das nicht passiert. Ich komme aus einem Land mit mittelgroßen und kleinen Vereine und ich werde sie nie im Stich lassen", sagte van Praag.

Die Champions-League-Reform rückt nun auch die Verteilung der Erlöse aus dem neuen TV-Vertrag der Deutschen Fußball Liga ab der Saison 2017/18 in den Blickpunkt. "Wir stehen auch da vor Herausforderungen, auch als Solidargemeinschaft in der Liga", sagte Preetz. Nicht wenige Verantwortliche fordern auch mit Blick auf die Zweite Liga eine solidarische Verteilung und verweisen auf die amerikanischen Profiligen.

Mitteilung der EPFL

Kommentare