Boateng oder Bender? Löw hat die Wahl

Danzig - Joachim Löw kann am Samstag (20.45 Uhr/ARD) beim EM-Auftakt der deutschen Nationalmannschaft in Lwiw gegen Portugal aus dem Vollen schöpfen. Auf der rechten Seite könnte es eine Überraschung geben.

Alle 23 Spieler des Kaders stehen für das erste Gruppenspiel zur Verfügung. „Alle sind einsatzfähig. Auch Per Mertesacker konnte Entwarnung geben“, sagte Assistenztrainer Hansi Flick am Freitagmorgen vor dem Abflug der DFB-Auswahl von Danzig in die Ukraine. Mertesacker war am Donnerstag im Training mit Jerome Boateng zusammengeprallt und hatte die Einheit abbrechen müssen. „Es war kurz unklar. Es hat sich dann aber schnell herausgestellt, dass es nichts Dramatisches ist“, sagte Flick.

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Bereits am Donnerstag hatte Löw im Fall des lange Zeit verletzten Bastian Schweinsteiger betont, dass dieser spielen könne. Keine weiteren Auskünfte wollte Flick indes über die Mannschaftsaufstellung geben.

Zehn Plätze sind vergeben - um die Position des rechten Verteidigers macht Bundestrainer Joachim Löw aber vor dem EM-Auftakt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft weiter ein Geheimnis.

Bad Boy Boateng oder Biedermann Bender? Joachim Löw zögert seine Entscheidung, wer im ersten EM-Gruppenspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Samstag in Lwiw (20.45 Uhr/ARD) Portugals Superstar Cristiano Ronaldo an die Kette legen soll, bis zur letzten Sekunde hinaus.

„Die Stunden, die uns noch bleiben, wollen wir intensiv nutzen und zudem noch das Abschlusstraining abwarten“, sagte Löws Assistent Hansi Flick am Freitag vor der Abreise des DFB-Teams aus dem EM-Stammquartier Danzig in die Ukraine. Erst bei der Mannschaftssitzung am Spieltag werde der Bundestrainer verraten, ob Jerome Boateng (23) oder der gleichaltrige Lars Bender auf der rechten Seite der Viererkette spielen wird.

Nachdem die Entscheidung gefallen war, dass Kapitän Philipp Lahm in der Nationalelf weiter auf der linken Seite spielt, wäre dessen Vereinskollege Boateng eigentlich die erste Wahl für die rechte Seite gewesen. Das betonte auch Löw.

Durch seine Eskapaden kurz vor dem Abflug ist Jerome Boateng, der im Vergleich mit seinem wilden Bruder Kevin-Prince eigentlich recht brav daherkommt, aber in Ungnade gefallen. „Jerome ist nun in der Bringschuld. Mir hat nicht gefallen, was am Wochenende passiert ist. Er wird sich in den nächsten Wochen zerreißen müssen“, sagte Löw, der den Verteidiger vor versammelter Mannschaft zurechtstutzte.

Boateng war in die Klatschspalten geraten, weil er in der Nacht vor dem Abflug der DFB-Auswahl mit einem C-Klasse-Model in einem Berliner Hotel turtelte - und dabei abgelichtet wurde. Der Stuttgarter Bundesligaprofi Arthur Boka, der einst auch mit Boatengs Begleitung liiert gewesen ist, wittert eine Verschwörung.

„Ich bin mir sicher, dass Jerome in eine Falle gelockt wurde“, sagt der Ivorer der tz und mutmaßte weiter, dass der Fotograf in das Hotel bestellt worden sei. Seine „Ex“ tue solche Sachen immer wieder mal, „um in den Schlagzeilen zu bleiben“. Angeblich hat Boka Boateng sogar angerufen, um ihn zu trösten.

Ob Boateng den Trost wirklich nötig hat, wird sich am Samstag zeigen, wenn die deutsche Startelf bekannt gegeben wird. Löw ließ zwar keinen Zweifel daran, dass er Boatengs nächtlichen Ausflug missbilligt, zugleich attestierte er dem früheren England-Legionär aber im Training ein „professionelles Verhalten“.

Deshalb dürfte der Gescholtene auch Kandidat Nummer eins für diese Rolle bleiben, auch wenn Löw Lars Bender, Typ idealer Schwiegersohn, über den grünen Klee lobte. Der außerhalb des Spielfeldes brav und zurückhaltend wirkende Leverkusener, der normalerweise im defensiven Mittelfeld zu Hause ist und noch nie als Außenverteidiger gespielt hat, muss möglicherweise als Druckmittel für Boateng herhalten.

Denn Löw erwähnte auch, dass sich Bender auf dieser Position noch zurechtfinden müsse - das weiß auch der Spieler selbst. „Natürlich fühle ich mich im zentralen Mittelfeld beheimatet“, sagte Bender der Main-Post, fügte aber an: „Wenn der Trainer mir ein gutes Gefühl gibt und sagt, das versuchen wir jetzt, dann bin ich der letzte, der dagegen etwas sagt.“

Dennoch ist ein Probe-Durchgang Benders auf rechts ausgerechnet gegen Cristiano Ronaldo eher unwahrscheinlich. „Ich denke schon, dass ich gute Chancen habe, gegen Portugal auf rechts zu spielen“, hatte Boateng nach der EM-Generalprobe gegen Israel (2:0) gesagt. Allzu sicher sollte er sich aber nicht sein.

sid/dpa

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