#BILDnotwelcome

Bild-Zeitung vs. FC St. Pauli: Shitstorm und Boykott-Aufrufe

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Der FC St. Pauli engagiert sich auch ohne Bild-Aktion für Flüchtlinge.  

München/Hamburg - Die Bild-Zeitung reagierte scharf auf die Nicht-Teilnahme des FC St. Pauli an der Bundesliga-Aktion für Flüchtlinge. Doch nun muss das Blatt selbst einen wahren Shitstorm über sich ergehen lassen.

Es war eigentlich keine große Sache. Der FC St. Pauli will sich nicht an der "Wir helfen"-Kampagne der Bild, der DFL und des Sponsors Hermes beteiligen - um nicht mit dem Logo der Zeitung auflaufen zu müssen. Der Kiez-Klub teilte das dem Blatt in einem vertraulichen Schreiben mit. Für die Verantwortlichen war es aber ein gefundenes Fressen: Chefredakteur Kai Diekmann warf den Hamburgern via Twitter vor, "kein Herz für Flüchtlinge" zu haben. Der Bildblog schrieb dazu: "Wer nicht für Bild werben will, muss gegen Flüchtlinge sein."

Die Antwort  folgte prompt. Und zwar nicht nur die des Zweitligisten, der "seit vielen Wochen auf verschiedenen Ebenen zu einem Thema, das seit Monaten alle emotional bewegt, aktiv" sei, wie der kaufmännische Geschäftsleiter Andreas Rettig erklärte. 

Auch Union nimmt nicht an Aktion für Flüchtlinge teil

Sogar HSV-Fans unterstützen den FC St. Pauli 

In den sozialen Medien erntete das Blatt massiv Kritik. Die Bild löste mit dieser Aktionen einen immensen Shitstorm aus. "#BILDnotwelcome" schaffte es direkt in die Top Ten der Twitter-Trends. Die Kommentare reichen von "Ich meine, ich fahre ja regelmäßig ins Erdgeschoss. Manche sinken allerdings regelmäßig noch tiefer als ich" über "Dass Kai Diekmann so viele Beleidigungen gegen St. Pauli sendet, beweist ja nur, dass man dort alles richtig gemacht hat" bis hin zu "Herzlichen Glückwunsch zum Eigentor des Jahres". Sogar Fans des Stadt-Rivalen Hamburger SV stellen sich hinter der Reaktion des FC St. Pauli. Auch von den Blogrebellen gab es eine verbale Ohrfeige: "Den FC St. Pauli mit dem Label #refugeesnotwelcome zu belegen, weil er nicht mit der Bild gemeinsame Sache machen will, ist auf dem Niveau eines Achtjährigen. Aber gut, dass Reife eher hinderlich sein dürfte, wenn man bei diesem Organ arbeitet, ist sowieso klar."

Die IG Unsere Kurve, ein vereinsübergreifender Zusammenschluss der organisierten Fußballfans in Deutschland, hat derweil dazu aufgerufen, es den Hamburgern nachzumachen: "Der FC St. Pauli hat richtig reagiert, die Rückmeldungen der Fans bestätigen diesen Schritt. Die erbärmliche Antwort des Bild-Chefredakteurs auf den Boykott der Kiezkicker lässt deshalb nur einen Schluss zu: Alle anderen 35 Proficlubs sind aufgerufen, sich dem Weg von St. Pauli anzuschließen und der Bild-Zeitung keine Plattform zu bieten, die ihr nicht zusteht“, fordert IG-Sprecher Robert Pohl. Diekmanns Reaktion setze der Sache die Krone auf und verdeutlicht, wie die Verantwortlichen des Boulevard-Blatts ticken.

Update: Nach dem FC St. Pauli und Union Berlin werden auch der SC Freiburg, der VfL Bochum und der 1. FC Nürnberg am Wochenende nicht an der geplanten „Wir helfen“-Aktion für Flüchtlinge teilnehmen. „Für uns ist klar, dass es vor allem das glaubwürdige Engagement vieler lokaler Initiativen ist, das Flüchtlingen jetzt in enger Absprache mit örtlichen Behörden und überregionalen Hilfswerken ganz konkret hilft. Wir haben uns entschieden, morgen ohne den veränderten Ärmel-Aufnäher „Wir helfen“ gegen die Bielefelder Arminia auf den Platz zu gehen“, teilten die Freiburger am Donnerstagabend auf ihrer Internetseite mit.

mg

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