Bronze statt Gold: Tölzer "wahnsinnig stolz"

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Andreas Tölzer stieß einen wilden Siegesschrei aus.

London - Judoka Andreas Tölzer kann über Bronze jubeln und aus vollem Herzen lachen, obwohl sein großer Traum nicht in Erfüllung gegangen ist. Am Ende scheitert er an Passivität.

Update vom 1. August 2016: Alles, was Sie zu Judo bei Olympia 2016 in Rio wissen müssen, erfahren Sie hier.

Andreas Tölzer stieß einen wilden Siegesschrei aus. Dann ging der 145-Kilo-Koloss vor seinem Trainer in die Knie und wickelte sich in eine Deutschland-Fahne, die viel zu klein für seinen mächtigen Körper war. Der Judoka konnte über Bronze jubeln und aus vollem Herzen lachen, obwohl sein großer Traum nicht in Erfüllung gegangen war: Tölzer hatte es mit Teddy Riner aufnehmen wollen, seinem ewigen Rivalen, diesem schier unbezwingbaren Giganten aus Frankreich. Stattdessen landete er im Kampf um Platz drei.

Gold, Silber, Bronze - die deutschen Medaillengewinner bei Olympia 2012

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„Ich bin wahnsinnig stolz auf diese Medaille, fühle mich als Sieger. Riner nehme ich mir dann eben später vor“, sagte Tölzer, nachdem er es im dritten Anlauf auf das olympische Podium geschafft hatte. Olympiasieger wurde Riner, ein Star in seiner Heimat, der zuletzt mit seinen 203 Zentimetern Lebensgröße dort Beilage einer Sportzeitung war.

Zum Traumfinale kam es nicht, weil Tölzer (Mönchengladbach) im Halbfinale bestraft worden war - wegen Passivität. Das Aus für den 32-Jährigen, gegen Alexander Michailin aus Russland, der nicht der Maßstab hätte sein sollen an diesem Nachmittag im Londoner ExCeL. „Der Frust war groß, und das negative Gefühl kriegt man so schnell nicht aus dem Kopf“, berichtete Tölzer. „Nach fünf Minuten habe ich mich dann aber ganz auf Bronze fokussiert.“

Im Kampf um den dritten Platz zwang er Igor Makarow (Weißrussland) mit dem charakteristischen „Tölzer-Umdreher“ in Bodenlage, warf sich mit Schwung auf dessen Brust. Ein Haltegriff, aus dem es auch für Top-Judoka kein Entrinnen gibt. Dies versöhnte Tölzer sichtlich, er umarmte Bundestrainer Detlef Ultsch, der kaum noch zu sehen war, aber leicht verstrubbelt und bester Laune wieder auftauchte.

Rund 25 Minuten vorher hatte es dagegen Anlass zu Tristesse gegeben. 33 Sekunden vor dem Ende der Verlängerung (Golden Score) im Halbfinale gegen den WM-Dritten Michailin drückte der südkoreanische Mattenrichter Jeon Young Chun beiden Kämpfern eine Strafe wegen Passivität auf. Für Tölzer war es die zweite, er kassierte damit eine kleine Wertung gegen sich. Das reichte für den Russen, den bis dahin wertungslosen Kampf zu gewinnen. Tölzer hob fassungslos die Arme.

In der Mixed-Zone atmete sein Rivale Riner kurz durch, war erleichtert. Angstgegner Tölzer, den er fürchtete, war ihm erspart geblieben. Der kämpfte wenig später um Bronze, das er sich immerhin souverän sicherte. Das Minimalziel war erreicht. 2004 war Tölzer in Athen Siebter geworden, vier Jahre später in Peking Neunter. Seine weiteren Ziele: „Ich bin noch nicht Weltmeister...“

Der Deutsche Judo-Bund kann ebenfalls zufrieden sein: Vier Medaillen waren eine äußerst erfreuliche Ausbeute. 2008 hatte Ole Bischof den Olympiasieg geholt, mehr war nicht. Diesmal schafften es Bischof, Kerstin Thiele (beide Silber), Dimitri Peters (Bronze) und Tölzer aufs Treppchen - nur die goldene Krönung fehlte.

Schon unmittelbar vor dem ersten Kampf am Morgen waren sich Superstar Riner und Tölzer begegnet. Sie warteten etwa zwei Meter voneinander entfernt auf ihren Einmarsch und würdigten sich keines Blickes - als sie auf der Matte standen, machten ihre Gegner große Augen.

sid

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