Maximaler Erfolg

Arndt im Kamikaze-Stil auf den WM-Thron

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Von links: Alexander Roediger (hinten), Maximilian Arndt, Marko Hübenbecker und Martin Putze

St. Moritz - Der Oberhofer Maximilian Arndt hat das Duell mit dem routinierten Russen Alexander Subkow gewonnen und den ersten Bob-Weltmeistertitel seiner Karriere eingefahren.

Mit einer schüchternen Verbeugung nahm der neue Bob-König Maximilian Arndt die Gratulation von Fürst Albert II. von Monaco entgegen, und auch beim Jubel mit den Teamkollegen hielt sich der Oberhofer eher höflich zurück. Im letzten WM-Rennen von St. Moritz hatte sich Arndt noch von einer ganz anderen Seite gezeigt: Im Kamikaze-Stil hatte der erst 25-Jährige in der Königsdisziplin Vierer den Bob-Thron erobert.

„Jetzt der beste Pilot der Welt zu sein, das ist wirklich schön. Der Vierer ist ja so etwas wie die Formel 1 des Wintersports, deswegen bin ich sehr stolz“, sagte Arndt nach dem größten Erfolg seiner Karriere im Mekka des Bobsports. Fürst Albert, als Bobfahrer fünfmal bei Winterspielen dabei, schwärmte über den neuen Champion: „Er ist sehr talentiert und hat eine gute Truppe.“

Den Grundstein für seinen Sieg legte Arndt mit einem Husarenritt im dritten Lauf, in dem er dem bis dahin führenden Alexander Subkow aus Russland mehr als vier Zehntelsekunden abnahm. Arndt fuhr mit neuen Kufen absolute Kampflinie und rasierte in der berühmten Horse-Shoe-Kurve sogar die Bahnabdeckung. „Ich dachte nur: Augen zu und durch - und dann war es nur noch geil“, sagte Arndt. Sein Anschieber Marko Hübenbecker schrie in Richtung des russischen Teams: „Na, haben wir euch richtig schön an die Wand gefahren?“

Dem am Ende um fast eine halbe Sekunde geschlagenen zweitplatzierten Subkow begegnete Arndt mit einem eisigen Blick. „Mad Max“ gab eine sportliche Antwort auf die Psycho-Spielchen der Russen, die während der Titelkämpfe erfolglos Protest gegen die Kufen der deutschen Schlitten eingelegt hatten. WM-Bronze ging an Titelverteidiger Steven Holcomb (USA).

Arndts Triumph beeindruckte auch den viermaligen Olympiasieger Andre Lange. „Der Max ist ein cooler Hund“, sagte Lange über seinen Oberhofer Kronprinzen: „Er ist ein bisschen wie ich, er bremst und lenkt nicht viel, lässt die Kiste richtig fliegen. Aber er hat sein ganzes Potenzial noch gar nicht ausgeschöpft.“

In der Stunde des Triumphes sprach Arndt auch seinen Anschiebern Hübenbecker, Alexander Rödiger und Martin Putze ein großes Lob aus: „Die Jungs haben am Start einen brutalen Job gemacht. Ich musste es nur noch halbwegs sauber ins Ziel bringen.“

Der Shootingstar des vergangenen Winters erlebte eine Saison mit vielen Höhen und Tiefen. Der Vize-Weltmeister der Vorsaison hatte anfangs Probleme, den Anschluss an die Weltspitze zu halten. In Winterberg passierte ihm sogar eine peinliche Panne: Er und sein Anschieber Rödiger hatten am Start die rote Ampel übersehen und wurden disqualifiziert. Doch Arndt zog sich selbst aus dem Tief, holte erst den EM-Titel in Igls und nun WM-Gold im Mekka des Bobsports.

Begonnen hat Arndt seine Karriere im Rennrodelsport. Im Alter von 16 Jahren wechselte er vom Rodelschlitten in den Bob - genau wie sein großes Idol Andre Lange vor ihm. Doch anders als „Bärchen“ Lange hat Arndt Probleme, auch die Figur eines Bobfahrers zu bekommen. Gegen die vielen Muskelpakete im Eiskanal wirkt der 1,80 m große Athlet fast schmächtig.

Am Start fehlt ihm noch die Power, weshalb es im Zweier-Wettbewerb wie bei seinem zehnten WM-Platz in St. Moritz oft nicht für ganz vorne reicht. Doch Arndt verspricht: „Ich werde im Sommer noch mehr trainieren, um mich an die schnellen Jungs ranzukämpfen. Ich habe den Zweier noch nicht aufgegeben.“

Thomas Florschütz, im kleinen Schlitten WM-Dritter, belegte im Vierer ohne seinen verletzten Top-Anschieber Kevin Kuske den siebten Rang. Ex-Weltmeister Manuel Machata verspielte seine Medaillenchancen mit schwachen Starts und wurde Achter. „Das kotzt mich an“, sagte der Potsdamer. Francesco Friedrich, eine Woche zuvor jüngster Zweierbob-Weltmeister der Geschichte, zahlte mit Rang 13 Lehrgeld.

sid

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