36-Jähriger hatte Anschlag auf Radrennen geplant

Zweieinhalb Jahre Haft für Bombenbauer aus Oberursel

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Bombenbauer Halil D. (links) muss zweieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Frankfurt - Der Bombenbauer Halil D. aus dem Frankfurter Vorort Oberursel muss wegen verbotenen Waffen- und Sprengstoffbesitzes zweieinhalb Jahren hinter Gitter.

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Nach 29 Verhandlungstagen sah das Landgericht Frankfurt am Montag im Urteil aber keine hinreichend konkreten" Anhaltspunkte dafür, dass der 36-Jährige „mit geistiger Nähe“ zur IS-Terrormiliz am 1. Mai vergangenen Jahres einen Anschlag auf das Radrennen „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ plante. Im Keller des Angeklagten war vor dem Rennen, das dann abgesagt wurde, außer verschiedenen Waffen eine funktionsfähige Rohrbombe gefunden worden. Der 36-Jährige hatte außerdem vier Wochen vor dem Rennen drei Liter der für den Sprengstoffbau geeigneten Chemikalie Wasserstoffperoxid unter falschen Personalien in einem Baumarkt gekauft - nach eigenen Angaben wollte er Schimmel in seiner Wohnung bekämpfen. Im Urteil wurde dies als Urkundenfälschung gewertet.

Staatsanwaltschaft forderte zwei Jahre und drei Monate

Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre und neun Monate in ihrem Antrag verlangt. Sie hatte den Vorwurf einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat bereits fallengelassen. Die Verteidiger hatten 14 Monate auf Bewährung gefordert.

Die Staatsschutzkammer wies in der einstündigen Urteilsbegründung darauf hin, dass Halil D. in seinem Keller keine Vorbereitungen für einen Bombenbau mit der erworbenen Chemikalie getroffen habe. Bei der im Keller in einer Bananenkiste gefundenen Rohrbombe hielt es das Gericht für wahrscheinlich, dass der Angeklagte das mit fast 250 Nägeln versehene Konstrukt bereits vor 20 Jahren in seiner Jugendzeit in Kassel gebaut habe. Dies hatte der 36-Jährige angegeben - Zeugen hatten dies bestätigt und ihn als „Bombennarr“ beschrieben.

Absage des Rennens sei richtig gewesen

Die Kammer ging davon aus, dass Halil D. sich im Jahr 2013 immer weiter radikalisierte. Dies bezeugten die bei ihm gefundenen islamistischen Schriften und die Dutzenden von Videos, die Exekutionen des IS zeigten. Wegen hoher Fluchtgefahr lehnte das Gericht außerdem eine vorzeitige Entlassung des Angeklagten aus der Haft auf Bewährung ab. Einiges habe im Verfahren nicht aufgeklärt werden können, räumte Kammervorsitzende Clementine Englert ein. Wegen der Gefährdungslage sei es jedoch richtig gewesen, damals das Radrennen abzusagen.

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