Helfen ist Bürgerpflicht

Expertin gibt Tipps: So geht Zivilcourage richtig

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Wer Personen in Bedrängnis hilft, muss aufpassen, dass er nicht selbst zum Opfer wird.

Region Rhein-Main - Ob Beleidigungen in der U-Bahn oder handfeste Attacken auf ein wehrloses Opfer: Es ist wichtig und Bürgerpflicht, in diesen Fällen Zivilcourage zu zeigen. Damit der Helfer nicht plötzlich selbst zum Opfer wird, muss einiges beachtet werden. Von Oliver Haas

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Die U-Bahn ist fast leer. Nur zwei Halbstarke beleidigen ihr eingeschüchtertes Opfer. Wer jetzt als Zuschauer bereits ein mulmiges Gefühl in der Magengegend verpürt, der sollte Zivilcourage zeigen. Dem Opfer helfen und einschreiten, damit es nicht eskaliert und es nicht bei Beleidigungen bleibt. Der Präventionsrat der Stadt Frankfurt bietet regelmäßig Seminare an, in denen man den Umgang mit gefährlichen Situationen im öffentlichen Raum lernt. Und vor allem lernt, wie man Zivilcourage richtig einsetzt. „Zivilcourage ist nach wie vor ein großes Thema. Menschen möchten helfen und in gefährlichen Situationen aktiv werden, möchten aber auch wissen, wie sie sich selbst schützen können“, so Dagmar Buchwald von der Stadt Frankfurt.

Nötige Distanz wahren

Menschen würden unterschiedliche Situationen im öffentlichen Raum natürlich unterschiedlich wahrnehmen. „Sie entscheiden individuell für sich, welche Situation gefährlich ist. In erster Linie signalisiert uns unser Bauchgefühl eine ungünstige oder gefährliche Situation.“ Einschreiten solle man immer. Aber: Wichtig sei, dass dies stets aus einer nötigen Distanz geschieht. Einer der größen Fehler sei es, den Täter direkt anzusprechen und aufzufordern, aufzuhören.

„Der Täter muss sein Gesicht wahren können. Er darf nicht das Gefühl bekommen, dass er bloßgestellt wird.“ Schließlich bringe es nichts, wenn er vom ursprünglichen Opfer ablasse, man dann aber selbst zum Opfer werde. Wichtig sei immer, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. Stattdessen sollte der Helfer sich ausschließlich auf das Opfer fokussieren, es ansprechen. Auch Lügen ist erlaubt: „Man kann einfach einen Namen erfinden und das Opfer damit ansprechen und so tun, als sei man verabredet.“

Wenn noch anderen Personen in der Nähe sind, ist es hilfreich, diese im Vorfeld über das eigene Vorhaben zu informieren. Falls die Situation zwischen Täter und Opfer bereits zu eskalieren droht, sollte gleich die Polizei angerufen werden. „Auf alle Fälle sollte man dem Täter in drei bis vier Metern Abstand sagen, dass die Polizei verständigt und unterwegs ist – selbst wenn dies im konkreten Fall in Wirklichkeit noch nicht so ist.“

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