Helga Dieter vom Verein „Courage gegen Rassismus“ mit einer Erklärung

Deshalb sagen viele weiterhin „Negerkuss“

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Region Rhein-Main – Der Manager einer Reisefirma wurde gefeuert. Er hatte bei einer dunkelhäutigen Kantinen-Mitarbeiterin einen „Negerkuss“ bestellt. Nachdem der EXTRA TIPP einen Artikel dazuauf Facebook veröffentlicht, kochen die Emotionen über. Von Oliver Haas

Ein Gericht in Frankfurt hatte entschieden, dass die fristlose Kündigung eines Managers bei Thomas Cook ohne vorherige Abmahnung unverhältnismäßig und damit nicht rechtens war. Der langjährige Mitarbeiter hatte in der Kantine einen „Negerkuss“ bei einer aus Kamerun stammenden Frau bestellt. Diese Meldung veröffentlichte die Online-Redaktion dieser Zeitung in dieser Woche via Facebook. Daraufhin hagelte es Kommentare, die alle den gleichen Tenor hatten: „Ich lass mir das Wort Negerkuss nicht verbieten!“

Nicht eindeutig, ob „Negerkuss“ generell rassistisch ist

Auch Helga Dieter vom Frankfurter Verein „Courage gegen Rassismus“ hat die Einträge gelesen. Folgende Kommentare stoßen ihr dabei besonders auf. So schreibt ein User: „Wenn die das nicht abhaben kann, soll Sie doch zurück in den Urwald gehen!“ Das klinge ziemlich rassistisch, auch wenn der Schreiber betonte, dass „das nichts mit Rassismus zu tun hat“, so Dieter. Weiter sagt die Frankfurterin über die Einträge: „Die meisten Kommentare meinen aber naiv: ,Das hieß doch immer so und soll weiter so heißen wie auch die Zigeunersoße und der Apfelwein.´ Sie wenden sich gegen den vermeintlichen Druck der ‚political correctness’ ohne Bezug auf die Umstände des vorliegenden Falles.

Ob der Begriff „Negerkuss“ generell rassistisch sei, vermag Dieter nicht eindeutig zu sagen: „Jein. Der Ausdruck ,Neger oder in negativer Steigerung ,Nigger´ bezeichnet für die weißen ,Herrenmenschen´´ seit Jahrhunderten eine minderwertige Rasse von ,Untermenschen´, ohne Manieren, mit geringem Verstand, emotional entweder dumm-treu oder brutal-gewalttätig. Mit der Bezeichnung Neger ist dieses menschenverachtende Bild verbunden, trotz Sklavenbefreiung und Martin-Luther-King. Das sollte inzwischen jeder und jede wissen.“

Viele verbinden damit Erinnerungen an die Kindheit

Sie selbst weiß allerdings auch: „Viele verbinden mit der schaumigen Süßigkeit angenehme Gefühle und Erinnerungen an die Kindheit. Sie verwenden den Ausdruck durchaus mit positiven Assoziationen und wollen sich ihre naive heile Welt nicht mies machen lassen.“ Statt einen rassistischen Ausdruck hochzuhalten, würde sich jedoch auch niemand einen Zacken aus der Krone brechen, künftig „Schokokuss“ zu sagen, auch wenn im Gedächtnis der „Negerkuss“ tief eingeprägt sei.

„Die Frage ist doch: Verteidige ich alte Fehler und Vorurteile oder bin ich für die Zukunft lernfähig. Und das nicht nur in der abstrakten Geschichtsbetrachtung, sondern auch im respektvollen Umgang mit den schwarzen Nachbarn oder Kollegen?“, so Helga Dieter. Zum vorliegenden Fall sagt sie: „Ein Manager bestellt einen ,Negerkuss´´ bei einer schwarzen Frau, die er zuvor schon häufig provoziert hatte. Dieser Mann wusste, was er tat. Das war kein bisschen naiv, sondern Rassismus und Sexismus in armseliger Potenz!“

Die Anmache am Arbeitsplatz sei für Dieter ein öffentliches Thema, von dem eine Mehrheit der Frauen schon betroffen waren. Im vorliegenden Fall sei sie bewusst gepaart mit übelstem Rassismus gewesen. „Das ist in der Tat rufschädigend für ein Reiseunternehmen.“

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