Tierschützerin fühlt sich schikaniert

Ärger mit Amt: Wildtierarche Rodgau droht das Aus

+
Petra Kipper, Vorsitzende des Vereins Wildtierarche Rodgau, fühlt sich vom Veterinäramt des Kreises Offenbach schikaniert.

Rodgau - Seit 30 Jahren kümmert sich Petra Kipper in ihrer Auffangstation ehrenamtlich um exotische und heimische Wildtiere in Not. Doch jetzt droht der Wildtierarche das Aus: Das Veterinäramt des Kreises Offenbach verbietet Petra Kipper die Haltung. Von Kristina Bräutigam

Lesen Sie dazu auch:

Dreieicher Behörden-Zoff um Ziegenbock Paulchen

In der Wildtierarche müssen Igel draußen bleiben

In der Wildtierarche ist es still. Viele Terrarien und Volieren sind verwaist, auch die Außengehege stehen leer, nur Stinktier „Blume“ tollt fröhlich in seiner Box. „Alles, was ich aufgebaut habe, wird zerstört“, sagt Petra Kipper. Seit 30 Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich für den Tierschutz, gründet 2010 den Verein Wildtierarche Rodgau. In der gleichnamigen Auffangstation päppelt sie in Not geratene Wildtiere und Exoten auf – vom Rehkitz über Eichhörnchen, Schlangen bis zur Vogelspinne. 

Allein im vergangenen Jahr hat die Wildtierarche knapp 700 Tiere versorgt. Nicht nur für Privatleute ist die Pflegestation oft die einzige Anlaufstelle. Auch Feuerwehren, Polizei und Tierkliniken weit über die Grenzen des Rhein-Main-Gebiets hinaus bringen hilflose Tiere nach Rodgau-Dudenhofen. Sieben Tage die Woche, 24 Stunden pro Tag. 

Im Oktober droht die Schließung

Doch jetzt droht der Auffangstation das Aus. Das Veterinäramt des Kreises Offenbach will die Halteerlaubnis für heimische und exotische Wildtiere nicht verlängern. Schon seit 31. Juli darf Petra Kipper keine Tiere mehr aufnehmen, nur noch bis Oktober duldet die Behörde die Wildtierarche, danach ist Schluss. „Hier wird nicht nur eine Einrichtung, die zum Wohle der Tiere arbeitet, geschlossen, wir sind auch eine anerkannte Bildungsstätte, bieten Bundesfreiwilligendienst an“, sagt die 52-Jährige. Weil sie mit Vorträgen über Tier- und Artenschutz ihren Lebensunterhalt finanziert, darf sie einige exotische Wildtiere für Schauzwecke behalten. Andere darf sie nicht mehr aufnehmen. „Das ist doch absolut widersprüchlich“, sagt Petra Kipper. 

Fotos: Wildtierarche Rodgau droht Schließung

Seit elf Jahren streitet sie sich mit dem Veterinäramt. Die Behörde wirft der Tierschützerin mangelnde Sachkunde vor, außerdem verfüge die Wildtierarche über keine geeigneten Räumlichkeiten. Stimmt nicht, sagt Petra Kipper und zeigt auf die Ordner voller Sachkunde-Zertifikate und Genehmigungen. Das Problem: Die gesetzliche Grundlage für die Halteerlaubnis bezieht sich nur auf Haus- und Heimtiere. Für heimische Wildtiere und Auffangstationen gibt es keine klaren Regelungen. „Deshalb können die Behörden willkürlich entscheiden“, sagt Kipper. So hatte das Amt unter anderem bemängelt, die Tiere seien in zu kleinen Gehegen untergebracht. Für die Tierschützerin pure Paragrafenreiterei. „Die Bestimmungen gelten nicht für Wildtierauffangstationen, weil wir die Tiere nicht dauerhaft halten. Bei mir stehen die Leute nachts auf der Matte. Da geht es nicht um Zentimeter sondern um das Überleben der Tiere“. 

Rodgaus Bügermeister entsetzt

Kopfschütteln auch bei der Stadt Rodgau. „Frau Kipper war für uns, die Feuerwehr und die Ordnungsbehörde immer eine leistungsfähige und fachlich kompetente Ansprechpartnerin. Die bürokratische Vorgehensweise können wir nicht nachvollziehen“, erklärt Bürgermeister Jürgen Hoffmann. Sollte es bei der Entscheidung bleiben, gebe es für die Stadt keine Unterbringungsmöglichkeit für heimische und exotische Wildtiere. Die Frage, wo Bürger, Feuerwehr und Polizei in Not geratene Wildtiere künftig hinbringen sollen, müsse das Veterinäramt beantworten. 

Doch die Behörde bleibt hart. „Über die Jahre hat es zahlreiche Versuche gegeben, mit Petra Kipper zu einer praktikablen einvernehmlichen Lösung zu kommen“, erklärt Ursula Luh, Sprecherin des Kreises Offenbach. So sollte unter anderem ein unabhängiger externer Sachverständiger die Räumlichkeiten begutachten, einen für März vereinbarten Termin habe Petra Kipper aber abgesagt. Eine erneute Erlaubnis zum Halten von Tieren in einem Tierheim oder in einer ähnlichen Einrichtung wurde deshalb abgelehnt. 

„Werden kriminalisiert"

Petra Kipper kann das nicht fassen. „Man wirft uns vor, nicht im Sinne des Tierschutzes zu arbeiten. Wir werden kriminalisiert“, sagt die Rodgauerin, die auch von anderen Einrichtungen weiß, denen die Behörden das Leben schwer machen. Wie es ab Oktober weitergeht, weiß sie noch nicht. Eines steht aber fest: Sollte die Wildtierarche dicht gemacht werden, werden viele Tiere in Not sterben.

Wer die Wildtierarche Rodgau retten will, kann sich an der Crowd-Funding-Kampagne beteiligen und Geld spenden. Infos unter Wildtierarche Rodgau muss erhalten bleiben!

Das könnte Sie auch interessieren: Hanau: Noch immer kein Taubenhaus in der City

Fotos: So süß sind die Tierbabys der Region

Keine Neuigkeiten und Gewinnspiele mehr verpassen? Dann einfach EXTRA TIPP-Fan auf Facebook werden!

Kommentare