Zwei-Meter-Fische fressen sogar Enten

Invasion der Welse: Riesenfische tummeln sich im Main 

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Unheimlicher Riese: Der Main ist mittlerweile randvoll mit Welsen.

Region Rhein-Main - Unter der dunklen Oberfläche wimmelt es mittlerweile von den hässlichen Burschen mit dem Megamaul. Experten gehen von über 50 Großtieren aus – pro hundert Meter Flusslänge. Darunter auch einige zweieinhalb Meter lange Riesenexemplare. Von Christian Reinartz

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Der Wels hat den Main mittlerweile zurückerobert! Soviel steht fest, wenn es nach Winfried Klein geht, Referent vom Verband hessischer Fischer. Der Mann kennt die Fische mit dem Riesenmaul nur zu gut, hat schon zahlreiche Abhandlungen über das Verhalten der Tiere und ihre Populationsentwicklung verfasst.

Er sagt: „Ganz früher war das ein einheimischer Fisch.“ Dann sei die Wasserqualität immer schlechter geworden und der Wels lokal ausgestorben. „Doch seit einigen Jahren sind die Tiere zurück“, sagt Klein. „Und zwar stärker und widerstandsfähiger.“ Zudem seien die Tiere sehr fortpflanzungsfreudig und hätten im Lauf der Jahre eine immer größere Population aufgebaut. „Jetzt scheint sie auf dem Höhepunkt angekommen zu sein“, sagt Klein.

50 Welse pro 100 Meter Fluss

Quasi unter jedem überhängenden Baum am Mainufer liegt demnach so ein Riesenvieh, gut ein Meter lang. „Ich schätze die Zahl der Welse in dieser Größe auf mindestens 50 pro 100 Meter Flusslänge.“ Hochgerechnet auf den Flusslauf in Frankfurt und Offenbach wären das weit über 1000 Tiere. Wenn dann aber mal ein Riesenexemplar gefangen wird, sprechen immer alle von Einzelfällen. „Aber das ist Quatsch“, sagt Klein. „Es gibt nicht wenige dieser Riesenburschen.“

Bestätigt wird das von Daniel Göz. Er ist Geograph und stellvertretender Vorsitzender der Frankfurter Fischer- und Schifferzunft. „Welse mit zweieinhalb Metern Körperlänge sind kein Anglerlatein, sondern absolute Realität!“

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Bei der Entwicklung der Welspopulation gibt er sich allerdings etwas zurückhaltender als Winfried Klein. „Ich führe immer wieder Fischzählungen durch. Dabei stelle ich zwar eine stabile und starke Welspopulation fest. Von einer Explosion kann man allerdings nicht sprechen.“ Allerdings stellt er klar: „Ich mache auch nur Momentaufnahmen vom Uferbereich.“ Was sich in der Mainmitte oder an der anderen Uferseite tummele, könne er zwar vermuten, aber nicht mit Sicherheit sagen.

„Die fressen alles, was ihnen in den Weg kommt"

Für Winfried Klein ist das nicht verwunderlich. „Die Tiere ziehen sich sobald sie gefressen haben, in tieferes Gewässer zurück und verdauen dort mehrere Tage lang regungslos ihre Beute.“ Zu der gehören nämlich nicht nur Fische, sondern auch Säugetiere, weiß Klein: „Bisamratten und Enten stehen oft auf der Speisekarte der großen Welse. Die fressen alles, was ihnen in den Weg kommt. Groß genug ist das Maul ja.“

Dennoch will er die Tiere nicht als Fressmaschinen abgestempelt wissen. Klein stellt klar: „Welse sind extrem gute Futterverwerter. Wenn man man die gemachte Beute auf den Tag rechnet kommen sie mit einer minimalen Menge Futter aus.“

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