Gesetze und Verbote

Sex, Partys und Nager: Was auf dem Balkon alles nicht erlaubt ist

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Darf man auf dem Balkon wirklich machen, was man will? Experten klären auf.

Region Rhein-Main – Wer kein Geld, keine Zeit oder beides nicht für den Urlaub hat, zieht sich gerne auf den Balkon zurück. Aber darf ich dort machen, was ich will? Der EXTRA TIPP klärt auf: Das ist erlaubt im Lande Balkonien. Von Oliver Haas

Tagsüber lacht jetzt öfter die Sonne, die Nächte werden auch immer wärmer und der Balkon wird zum liebsten Raum der Wohnung. Doch was ist gestattet im Staate Balkonien? „Grundsätzlich kann jeder seinen Balkon so verschönern, wie er möchte und kann machen, was er will“, so Eva-Maria Winckelmann vom Hessischen Landesverband des Deutschen Mieterbundes. Allerdings mit den Einschränkungen, dass zum einem die Rechte der anderen Mieter und zum anderen die Rechte des Hauseigentümers nicht beeinträchtigt werden.

Gestaltung:

Beim Anbringen eines Sichtschutzes oder etwa bei der Umrandung des Balkongitters oder der -mauer ist es wichtig, dass die Fassade nicht verunstaltet wird. Somit darf der Vermieter festlegen, welche Farbe und welcher Stil eine Verkleidung haben soll. Man darf seinen Balkon also nicht einfach in seiner Lieblingsfarbe streichen.

„Aber auf dem Balkon direkt kann man es sich so gestalten, wie man möchte.“Allerdings würde ein Verstoß vorliegen, wenn der Mieter den Balkon extrem vermüllen lässt und dies auch von außen sichtbar ist.

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Blumen:

Die Blumen für ihren Balkon können sich Mieter ebenso frei aussuchen. Allerdings gibt es Pflanzen, die durchaus vom Vermieter verboten werden könnten: Rankender Wein oder Efeu zum Beispiel sind nicht ohne weiteres zulässig. Gerold Happ vom Eigentümerverband Haus und Grund erklärt wieso: „Die Pflanzen können die Fassade oder die Wand beschädigen”, Hängepflanzen seien kein Problem, solange sie sicher angebracht sind und nicht die Sicht des Nachbarn behindern. Und wer Pflanzen an der Balkonbrüstung angebracht hat, der darf damit natürlich keinen Dreck auf dem Balkon darunter produzieren. Zudem kann der Vermieter ohnehin verlangen, dass Blumenkübel nur auf der Innenseite befestigt werden. „Und natürlich muss der Mieter immer dafür sorgen, dass die Blumen alle sicher befestigt sind“, so Winckelmann.

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Party und Musik:

Selbst die schönste Balkonparty muss ab 22 Uhr leiser weiter gefeiert werden. Dann gilt nämlich die allgemeine Ruhezeit und der Geräuschpegel muss sich dann auf Zimmerlautstärke beschränken. Gleiches gilt für die Zeiten, die in den Mietverträgen als Mittagsruhe beschrieben sind (meistens zwischen 13 und 15 Uhr). Wer doch zu laut ist, riskiert eine Anzeige wegen Ruhestörung. „Am besten man redet vorher mit seinen Nachbarn, dass es vielleicht etwas lauter werden könnte. Und wer alleine ist und Kopfhörer benutzt, der ist auf der ganz sicheren Seite“, so Winckelmann.

Grillen:

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Solange im Mietvertrag das Grillen auf dem Balkon nicht ausdrücklich verboten ist, darf nach Herzenslust selbst mit einem Holzkohlegrill gebruzzelt werden. „Wenn allerdings Rauchschwaden in die Wohnung des Nachbarn ziehen, dann könnte dies trotzdem zum Problem werden.“ Ebenso müssten es Mit-Mieter nicht hinnehmen, wenn jemand tagtäglich auf seinem Balkon grillt, so dass sie ständig erheblichen Geruchsbelästigungen ausgesetzt sind.

Tiere

Kleintiere wie etwa Meerschweinchen und auch Vögel dürfen Mieter auf ihrem Balkon halten. Natürlich immer vorausgesetzt, dass der Tierschutz eingehalten wird. Und darüber hinaus dürfen sich Nachbarn durch dauerhafte Gerüche oder Laute nicht gestört fühlen. „Ein Papagei, der ständig plappert, kann natürlich auf Dauer sehr nervig sein“, sagt Winckelmann. Streithema ist auch immer wieder das Katzennetz. Ein Mieter darf nach einem neuen Urteil nicht ohne Zustimmung des Vermieters ein Katzennetz am Balkon befestigen.

FKK und Sex

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Fans der Freikörperkultur können sich freuen und auch auf dem Balkon blank ziehen. Laut Gerichtsurteil dürfen sich FKK-Fans auf ihrem Balkon nahtlos bräunen. Dabei sei es irrelevant, ob derjenige von einem bestimmen Standort gesehen wird oder nicht. „Natürlich darf man es auch nicht übertreiben, wenn man sich textilfrei bräunt“, so Winckelmann. Wenn der Balkon von allen Seiten einsehbar ist, dann sollte man schon Rücksicht auf das Schamgefühl der Nachbarn nehmen. Beim Thema Sex auf dem Balkon ist die Sachlage eindeutig. Das müssen sich Nachbarn nicht gefallen lassen und können klagen wegen Störung des Hausfriedens oder wegen Ruhestörung.

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