Kommentar

Verteidigung der westliche Werte: Was meinen wir damit?

Derzeit endet fast jeder Beitrag zur Türkei oder Russland damit, dass es um die Verteidigung der westlichen Werte geht. Doch was sind die westlichen Werte? Ein Kommentar von Axel Grysczyk

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Sind es christliche Werte wie die Feindesliebe aus der Bergpredigt („Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“) Oder sind es die Grund- und Menschenrechte? Oder meint westliche Werte das demokratische Staatswesen?

Wahrscheinlich nichts davon. Es geht in der Tagespolitik nicht um Werte, sondern vielmehr um den westlichen Lebensstil. Dieser zeichnet sich durch den uneingeschränkten Konsum aus. Das ist derzeit ein hohes, wenn nicht sogar das höchste Gut.

Christliche Überzeugungen sind in der westlichen Welt gerade im Niedergang. Grund- und Menschenrechte werden auch in Europa eingeschränkt, siehe beispielsweise in Ungarn. Und auch die Demokratie hat derzeit eine Schwächephase. Autokraten sind auf dem Vormarsch: Putin in Russland, Erdogan in der Türkei oder möglicherweise Trump in den USA. Als der Sozialismus zusammen brach, war es eine fast natürliche Konsequenz, dass sich neue Demokratien formten. Wenn in jüngster Vergangenheit Staatsapparate zusammen brechen, wie in Nordafrika oder im Nahen Osten, bildet sich alles Mögliche, nur keine Demokratien.

Wenn wir also von westlichen Werten sprechen, ist es eine Worthülse. Wir wollen eine schöne und vor allem sichere Glitzerwelt. Doch wir sind nicht mehr bereit, für die eigentlichen Werte, die eine solche Welt braucht, einzustehen. Der erste Schritt wäre, genau zu sagen, was wir eigentlich wollen und nicht schwammige Worthülsen zu benutzen.

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