Stadt findet angeblichen keinen Standort

Hanau: Noch immer kein Taubenhaus in der City

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Gipseier gegen die Plage: Tierschützerin Helma Göbel im Taubenhaus am Hanauer Hafen. 

Hanau - Mit Ballons in den Bäumen versucht die Stadt Hanau seit Kurzem, das Taubenproblem in der Innenstadt in den Griff zu bekommen. Für Tierschützerin Helma Göbel ein Witz. Sie fordert ein Taubenhaus in der City. Doch laut Stadt findet sich kein Standort. Von Kristina Bräutigam

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Das neueste Mittel im Kampf gegen die Hanauer Stadttauben sind rot-gelbe Ballons. Seit Anfang des Monats hängen sie in den Bäumen der Fußgängerzone Rosenstraße. Keine Tauben, keine vollgekoteten Sitzbänke mehr, hofft die Stadt Hanau, deren Mitarbeiter hier zuletzt täglich sauber machen mussten. Helma Göbel vom Tierschutzverein Hanau und Umgebung kann über die Ballons nur müde lächeln. „Die Tauben werden verscheucht und suchen sich einfach einen neuen Platz. Das ist keine nachhaltige Lösung.“

Mindestens 2000 Stadttauben leben in Hanau, schätzt die Tierschützerin. Und es werden immer mehr. Helfen könnte ein Taubenhaus in der Innenstadt: Durch regelmäßige Fütterung werden die Tauben an den Standort gewöhnt, gehen nicht mehr in den Innenstädten auf Futtersuche, der Kot bleibt im Taubenhaus.

Schon 2008 wurde Taubenhaus gefordert

Doch die Stadt Hanau kommt nicht in die Gänge. Schon 2008 war das Projekt an einem fehlenden Standort gescheitert, auch acht Jahre später ist der nicht gefunden. „Derzeit gibt es kein innerstädtisches Grundstück oder Gebäude, das für ein Taubenhaus infrage kommt. Wir haben auch Privatleute angefragt. Aber ein Taubenhaus auf dem Grundstück möchte leider niemand“, erklärt Joachim Haas-Feldmann, Sprecher der Stadt Hanau. Es gebe die Überlegung einen Standort festzulegen. Doch konkrete Gebäude oder Grundstücke seien nicht in Sicht.

Helma Göbel fühlt sich hingehalten. Schließlich beweise das Taubenhaus am Hanauer Hafen, das im Oktober 2012 eingeweiht wurde, den Erfolg des Konzepts. „Wir haben hier ungefähr 170 Tauben, die zum Brüten kommen“, sagt Helma Göbel, die das Projekt gemeinsam mit vier Ehrenamtlichen betreut, die Tauben füttert und den Kot wegputzt. Bevor das Haus aufgestellt wurde, hätten sich die Tauben völlig unkontrolliert im Hafen vermehrt. Seit die Tierschützer einen Teil der Taubeneier gegen Gipseier austauschen, konnten sie die Zahl deutlich reduzieren. „Nur mit einem Taubenhaus haben wir die Chance, die Plage überhaupt zu kontrollieren“, sagt die 52-Jährige.

„Ratten der Lüfte" haben keine Lobby

Warum alle Bemühungen seit Jahren ins Leere laufen, Helma Göbel hat eine einfache Erklärung: Tauben, die „Ratten der Lüfte“, haben keine Lobby. „Wenn es um Kinder oder niedliche Hunde geht, sind alle dabei. Aber für Tauben setzt sich niemand ein. Im Gegenteil, sie werden gehasst, verjagt, getötet.“ Auch in der Hanauer Innenstadt habe sie schon oft erlebt, dass kranke und geschwächte Tauben angepinkelt oder ihnen der Hals umgedreht wird. Ohnehin seien viele Tiere krank und verkrüppelt. „Beim Züchter werden Tauben zehn Jahre alt, eine Stadttaube wird selten älter als drei Jahre“, sagt Helma Göbel. 

Stadt und Geschäftsleute sollten sich endlich für die Einrichtung des Taubenhauses einsetzen, statt viel Geld für Gebäudereinigung und Taubenabwehrsysteme, wie das neue Elektroschoksystem im Hanauer Hauptbahnhof, auszugeben. „Wenn im Rathaus kein Umdenken stattfindet, bekommen wir die Plage hier nie in den Griff“, sagt die Tierschützerin.

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