Sind Tierheime in Rhein-Main bei der Abgabe zu streng?

Trotz voller Tierheime: Diese Vorgaben gibt's für Herrchen

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Kätzchen in Not: Ob sie im Tierheim wirklich glücklicher sind, als in einem Zuhause, das die Anforderungen der Tierheime nicht zu hundert Prozent erfüllt? 

Region Rhein-Main - Tierheime sind überfüllt. Trotzdem ist es schwierig, von dort ein Tier zu bekommen. Warum Kaninchenzimmer und Katzenschutznetze Vorschrift sind und welche anderen Hürden angehende Halter nehmen müssen, hat der EXTRA TIPP herausgefunden. Von Katrin Greschner

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Udo Becker ist einsam. Der Rentner möchte eine Katze adoptieren. In einem Frankfurter Tierheim entdeckt er „Socke“. Er verliebt sich in den flauschigen Spielgefährten. Doch zur Adoption kommt es nicht: Das Tierheim stellt hohe Anforderungen, „Socke“ bekommt einen anderen Besitzer.

Udo Becker ist stinksauer. So wie ihm geht es vielen angehenden Tierhaltern in Rhein-Main. Egal ob Katzen, Meerschweinchen oder Kaninchen: Im Tierheim in Frankfurt-Fechenheim werden sie paarweise oder in Gruppen vermittelt. Auch Vögel: „Das sind gesellige Tiere. Papageien werden gerne alleine gehalten, weil sie dann reden. Die Menschen finden es toll, doch in Wahrheit ist es eine Verzweiflungstat“, sagt Tierheimleiterin Sabine Urbainsky.

Voraussetzungen für Katzenhalter

Soll eine Katze adoptiert werden, muss zwischen Wohnungs- und Freigängerkatze unterschieden werden. Bei Wohnungskatzen achten die Tierpfleger in Offenbach auf die Wohnfläche. Die Regel: Mindestens 60 Quadratmeter bei jüngeren Katzen. „Bei alten Tieren reichen auch 50“, sagt Tierpflegerin Cora Bonnet. Balkon-Öffnungen müssen komplett mit einem Katzenschutznetz gesichert sein. Udo Beckers Netz war 1,40 Meter hoch, laut Tierheim nicht genug. 

Bei Freigängerkatzen ist die Umgebung entscheidend. Diese wird auf Internet-Karten nach potenziellen Gefahren, wie stark befahrenen Straßen, abgesucht.  Dies wurde einer Familie aus Dietzenbach zum Verhängnis, der ein Kätzchen verwehrt blieb. Die Begründung: In 400 Metern Luftlinie zum Haus liegt eine Ortsdurchgangsstraße. In diesem Fall bekomme die Familie grundsätzlich keine Katze vermittelt, wurde ihnen gesagt. Dass sie ein eingezäuntes Grundstück von über 800 Quadratmetern in Waldnähe, quasi ein Katzenparadies, besitzt, zählt nicht.

Strenge Regeln auch für Kleintiere

Auch bei Kleintieren gibt es Regeln: Wer sich einen Käfig zulegt und ein Kaninchen aus dem Tierheim mit nach Hause nehmen will, hat schlechte Chancen. In Frankfurt werden diese Kleintiere nur an Familien mit großen Gehegen vermittelt. „Noch besser sind eigene Zimmer für die Tiere“, sagt Tierheimleiterin Sabine Urbainsky. Die sogenannten Kaninchenzimmer seien keine Seltenheit mehr. Trotzdem seien dazu nicht alle Bewerber bereit. „Leute, die bei uns kein Kaninchen bekommen, gehen zur nächsten Tierhandlung und kaufen sich dort eins, das dann im Käfig leben muss“, sagt Urbainsky. Nicht nur für Hunde- und Katzen-, sondern auch für die Kleintierhaltung benötigt Herrchen nach Tierheimansicht viel Platz. Auch den Pflegern im Hanauer Tierheim wären eigene Räume oder große Gehege für die Tiere lieber. Sie sind aber bereit, Abstriche zu machen. Ein Käfig sei in Ordnung, solange er groß genug ist.

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In allen drei Tierheimen werden Kontrollbesuche gemacht. „Oft flunkern die Leute, was die Behausung der Tiere angeht, dann können wir sie wieder zurückholen“, sagt Marion Dragomann, Tierpflegerin in Hanau. Ein halbes Jahr lang ist das möglich. Erst danach kann ein sogenannter Eigentumsübertrag erfolgen, bei dem das Tier komplett in den Besitz des Herrchens übergeht. 

Tier kann jederzeit weggenommen werden

Dieser Übertrag ist in Offenbach unmöglich. Jedes Tier bleibt lebenslang im Besitz der Tierheims – und kann den Besitzern jederzeit weggenommen werden. Dies sei laut Mitarbeitern aber erst einmal vorgekommen. Auch im Schutzvertrag geregelt: Herrchen darf sein Tier ohne vorherige Abklärung mit dem Tierheim nicht verkaufen oder weitergeben. Zusätzlich ist der Besitzer verpflichtet, eine Vermehrung seines Tieres zu verhindern. Und dies, obwohl die Tiere nur paarweise oder in Gruppen abgegeben werden.

Alle Tierpfleger sind aber überzeugt: Alles geschieht zum Wohl des Tieres. Cora Bonnet: „Sie sind unsere Schützlinge, die man vor den Menschen schützen muss.“

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