Techniker Krankenkasse fordert digitale Behandlung

Arztbesuch nur noch per Telefon und Internet? Ärzte warnen

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Praxisbesuch als Auslaufmodell? Die TK fordert, dass Ärzte in Hessen auch ausschließlich über Internet oder Telefon behandeln dürfen. 

Region Rhein-Main - Seit Juni ist es Ärzten in Baden-Württemberg erlaubt, Patienten im Rahmen von Modellprojekten ausschließlich über das Internet oder Telefon zu behandeln. Jetzt fordert die Techniker Krankenkasse (TK), das Fernbehandlungsverbot auch in Hessen zu lockern. Von Kristina Bräutigam

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Mit dem Arzt telefonieren, mailen oder per Videoschaltung sprechen, statt ihm gegenüberzusitzen. Ginge es nach der Techniker Krankenkasse, ist Telemedizin das Modell der Zukunft. „Wir wünschen uns, dass wir auch in Hessen in Modellversuchen telemedizinische Leistungen ausprobieren können, bei denen auch der Erstkontakt zwischen Patient und Arzt per Telefon oder Internet erfolgt. Gerade für die medizinische Versorgung auf dem Land könnte das eine große Entlastung sein“ , erklärt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen. Unterstützung bekommt sie von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), der erst am Donnerstag seine Forderung unterstrich, die Telemedizin endlich voranzutreiben.

Bisher dürfen Ärzte keine Diagnosen stellen, ohne den Patienten mindestens einmal unmittelbar, also durch direkten Kontakt, behandelt zu haben. Das steht in der Berufsordnung für Ärzte. Die TK hält dieses Fernbehandlungsverbot für nicht zeitgemäß und fordert eine Lockerung nach dem Vorbild Baden-Württembergs, wo seit Juni sogar der Erstkontakt zwischen Arzt und Patient digital erfolgen darf. 

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Dafür müsste die Landesärztekammer Hessen ihre Berufsordnung ändern. Doch die sagt „Nein“. „Bei ausschließlich über Kommunikationsnetze stattfindenden Behandlungen besteht die Gefahr, dass entscheidende Fakten nicht thematisiert werden“, erklärt Sprecherin Caroline McKenney. Die Telemedizin sollte daher nur als Ergänzung zur persönlichen Untersuchung zum Einsatz kommen. „Diagnose und Therapie müssen immer an das Gespräch, die Untersuchung und den persönlichen Kontakt geknüpft sein“, betont McKenney. Es gehe nicht darum, die Weiterentwicklung telemedizinischer Möglichkeiten zu bremsen. „Jedoch stehen der Schutz der behandelnden Ärzte und der Patienten an erster Stelle.“

Diagnose per Videosprechstunde

Dr. Barbara Voß sieht das anders. „Das Fernbehandlungsverbot blockiert leider viele Entwicklungen im Gesundheitswesen.“ Selbstverständlich gebe es Situationen, in denen es unabdingbar ist, dass der Patient eine Arztpraxis aufsucht. „Doch es gibt auch Fälle, in denen das nicht nötig wäre, und der Arzt auch nur per Video-Sprechstunde konsultiert werden könnte“. Im Zweifelsfall würde der Arzt den Patienten stets auffordern, in die Praxis zu kommen. „Aber grundsätzlich sollte es möglich sein, dass Ärzte auch per Videosprechstunde eine Diagnose stellen und Medikamente verordnen“, sagt Voß. 

Dass dies auch ohne Lockerung des Fernbehandlungsverbots möglich ist, zeigt das Beispiel Dr. Ed: Über die britische Online-Praxis lassen sich tausende Deutsche Arzneimittel verordnen – vom Mittel gegen Erektionsstörungen, der Pille danach bis zum Blutdrucksenker.

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