Kompliment für kreative Jugendliche?

Sulzbacher sind stolz auf den Diebstahl der Kunst-Fahrräder

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Das Kunst-Fahrrad an der Haltestelle Siedlung an der Sulzbacher Hauptstraße steht noch. 

Sulzbach - In Sulzbach sind zwei Fahrräder gestohlen worden. Doch anstatt dem Diebstahl nachzugehen, sehen Gemeinde, Jugendhaus und Bürgermitwirkung die Tat als Kompliment: Es handelt sich um Schrotträder, die kreative Jugendliche erst kürzlich in Kunst verwandelt haben. Von Janine Drusche

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Es ist ein echtes Mysterium, was sich in den vergangenen Tagen in der Sulzbacher Innenstadt abgespielt hat: Zwei kaputte Fahrräder, die sich wegen extremer Schäden nicht einmal mehr schieben lassen, sind von öffentlichen Plätzen verschwunden. Am Willkommensschild am Ortseingang in der Bahnstraße und am Bannergerüst auf der Grünfläche an der Hauptstraße hatten die Drahtesel noch bis vor kurzem gestanden und das öffentliche Interesse geweckt. Doch weder die Gemeinde noch Einzelpersonen haben das Verschwinden der Räder bei der Polizei angezeigt, denn der Diebstahl der Drahtesel wird in Sulzbach gemeinhin als Kompliment angesehen.

Hintergrund ist eine Fahrrad-Kunstaktion des Jugendhauses und der Bürgermitwirkung „Verträgliche Mobilität“, bei der Jugendliche fahruntaugliche Fund-Fahrräder künstlerisch umgestaltet und in der Stadt ausgestellt haben. Ziel der Aktion ist es, die Sulzbacher zum Radfahren zu motivieren und auf Fahrrad-Parkplätze aufmerksam zu machen.

Verantwortliche vermuten: Räder haben den Dieben gefallen

Nun sind zwei der bunten Drahtesel spurlos verschwunden. Holger Klink, Sprecher der Gemeinde Sulzbach, sieht den Diebstahl als Wertschätzung der kreativen Arbeit der jugendlichen Künstler an: „Obwohl die verschollenen Fahrräder komplett untauglich waren, wurden sie mitgenommen.“ Das beweise, dass die Bevölkerung diese Art von Kunst attraktiv findet. „Wir sehen das Verschwinden der umgestalteten Fahrräder als Kompliment an. Vielleicht stellt jemand ja die beiden fehlenden Fahrräder in seinem Hinterhof auch aus“, sagt Klink.

Und auch im Jugendhaus glaubt man, dass die gestohlenen und zu Kunst gewordenen Fahrräder ausgestellt im Garten eines Sulzbachers stehen: „Es ist die einzige Möglichkeit, die ich mir vorstellen kann, dass die gestalteten Räder jemandem so gut gefallen haben, dass er sie mitgenommen hat. Etwas anderes kann man damit echt nicht mehr anfangen. Sie sind ja klapprig und fahruntüchtig“, sagt Jugendarbeiter Angelo Consalvo.

Originelle Fahrräder sind Trend

Ulla Nösinger leitet das Projekt „Verträgliche Mobilität“ der Bürgermitwirkung: „Wir haben alle Stellen der Müllentsorgung abgeklappert und nach den Fahrrädern gesucht.“ Beim Bau- oder Wertstoffhof sind die kreativen Arbeiten der Kinder auch nicht aufgetaucht.

„Es bleibt ein Geheimnis, wo die Räder abgeblieben sind“, sagt Nösinger: „Das ist schon interessant, aber Kunstwerke werden ja bekanntlich immer wertvoller, je begehrter sie sind. Und das sind sie ja scheinbar, sonst wären sie nicht weg.“ Die Beteiligten an dem Kunst-Projekt von Jugendhaus, Bürgermitwirkung und Gemeinde sind sich also einig: Dieser Diebstahl ist ein Kompliment an die Jugend.

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