Keiner fühlt sich verantwortlich

Pfui: Wohnung vergammelt in Götzenhainer Seniorenanlage

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Dreieich – Es mieft, Ungeziefer krabbelt im Hausflur: Seit Weihnachten steht ein Appartement in der städtischen Seniorenwohnanlage in Dreieich-Götzenhain leer. Trotz mehrfacher Beschwerden der genervten Nachbarn tut sich nichts. Bis sich der EXTRA TIPP einschaltet. Von Oliver Haas

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Dicke Luft in der Seniorenwohnanlage „Am Lachengraben“ in Dreieicher Stadtteil Götzenhain. Sylvia Nebel und Margarete Berner sind mächtig stinkig auf ihren Vermieter, die Stadt Dreieich. Der Grund: Die Ex-Nachbarin musste aus gesundheitlichen Gründen ins Pflegeheim, seit Weihnachten 2015 ist die Erdgeschoss-Wohnung verwaist und gammelt vor sich hin.

Steht man auf dem Rasen vor der unbewohnten Bleibe, steigt sofort ein beißender Geruch in die Nase. „Richtig schlimm ist es bei heißen Temperaturen. Dann kann ich mich kaum auf meiner Terrasse aufhalten“, sagt die 72-Jährige Nebel. Nachbarin Berner von der rechten Seite pflichtet bei: „Es ist ekelhaft, welcher Geruch aus dem gekippten Fenster der Wohnung kommt.“ Das alles verwundert nicht: Ein Blick durchs Fenster zeigt eine völlig verdreckte, mit Unrat vermüllte Behausung. Auf dem Boden sind Essensreste zu erkennen. 

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Berner glaubt auch Fäkalien gesehen zu haben. Im Hausflur kämpft die 78-Jährige täglich gegen Ungeziefer. „Ich muss jeden Morgen mit einem Insektenvernichtungsspray das Viehzeug besprühen, das unter der Wohnungstür hindurchkrabbelt. Schon drei Flaschen habe ich verbraucht.“ Zusätzlich hat sie Zeitungen in den unteren Türspalt gestopft. Wohl keine große Hürde für die Tiere aus der Gammelwohnung: Mit dem Besen müsse sie täglich bis zu 20 Insekten wegfegen. „Und gegen den Gestank im Flur versprühe ich ab und zu billiges Parfum“, erzählt Berner. Und was macht der Vermieter, die Stadt Dreieich, gegen die Zustände in der Seniorenwohnanlage?

Keiner fühlt sich verantwortlich

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Offenbar nicht viel. Rentnerin Nebel entnervt: „Ich habe schon zigmal angerufen und alles erklärt. Immer wurde ich abgewimmelt mit der Aussage, dass das ja seine Zeit brauche. Da ist ja auch logisch. Aber doch nicht sieben Monate!“ Sogar Bürgermeister Dieter Zimmer persönlich habe sie angeschrieben. Doch statt das Problem zu lösen, habe man ihr nur mitgeteilt, dass es Sache des Rechtspflegers der Ex-Bewohnerin sei, die Wohnung zu räumen. „Und der Rechtspfleger schiebt die Schuld wieder auf die Stadt. Das geht seitdem die ganze Zeit über hin und her“, meint Nebel.

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Doch auf Anfrage vom EXTRA TIPP scheint die Sache nun in Gang zu kommen. Stadt-Pressesprecherin Sabrina Kristen zum Fall. „Das Mietverhältnis wurde zum 30. Juni 2016 gekündigt. In der kommenden Woche wird es ein Treffen zwischen dem zuständigen Sachbearbeiter und der Mieterin geben, um den Zeitpunkt der endgültigen Räumung zu klären.“ Von Ungeziefer und Müll will die Stadt allerdings nichts wissen. „Es ist korrekt, dass die Wohnung noch nicht komplett leer geräumt wurde, jedoch ist der Stadtverwaltung nicht bekannt, dass Müll und Ungeziefer vorhanden sein soll.“

Darüber kann Margarete Berner nur den Kopf schütteln: „Wir haben als Mieter Pflichten, zahlen ordentlich unsere Miete und die Umlagen. Aber wir haben auch Rechte.“ Eigentlich fühle sie sich seit 23 Jahren pudelwohl in der Wohnanlage. „Aber wenn ich derzeit Besuch bekomme, dann fragen mich die Leute, ob ich bei Asozialen wohne, wenn sie an der Nachbarwohnung vorbeilaufen.“

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