Stiftung Citoyen verleiht Preis für Bürgersinn

Tolle Vorbilder: So sehen echte Umwelthelden aus

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Große Schecks und noch größere Freude: Die feierliche Preisverleihung der Citoyenne 2016.

Frankfurt - Wie kann jeder Einzelne den großen Umweltproblemen begegnen? Wo werden nachhaltige Alternativen zu schädlichen Lebensweisen entwickelt? Mit welchen Ideen tragen Bürger dazu bei, die Welt zu retten? Die Stiftung Citoyen auf diese Fragen Antworten gesucht und ausgezeichnet. Von Axel Grysczyk

Frei nach dem Motto „Global denken – lokal handeln“ engagieren sich im Rhein-Main-Gebiet viele Menschen in Initiativen, Schulen, Vereinen, als Künstler oder als Einzelpersonen für den verantwortungsvollen und achtsamen Umgang mit Umwelt und Natur. Deutlich wurde dies bei der Verleihung der Citoyenne 2016, dem Preis für Bürgersinn der Stiftung Citoyen. 45 Bewerber hatten sich an der Ausschreibung beteiligt, die 2016 unter dem Motto „Bist du noch zu retten – Ein Preis für Umwelthelden“ steht. Das Preisgeld wurde gespendet von der Ippen-Stiftung und der Bethmann Bank. 

„Mit unserem Stiftungspreis wollen wir“, so unterstrich Beate Gottschall, Vorsitzende der Stiftung Citoyen, „Menschen auszeichnen und fördern, die sich tatkräftig und verantwortungsvoll für unsere Umwelt einsetzen, denn unsere Erde braucht Akteure, die sich leidenschaftlich für sie stark machen.“ Bei der feierlichen Verleihungsgala vor rund 140 Gästen betonte Jutta Ebeling, ehemalige Frankfurter Bürgermeisterin und Patin der Citoyenne 2016: „Früh haben wir uns in Frankfurt der Aufgabe gestellt, Ökologie und Ökonomie zu versöhnen. Aber ohne das Engagement der Bürger kann dies nicht gelingen. Ich freue mich deshalb sehr über den Preis Citoyenne 2016 für lokale Initiativen, die in diesem Bereich aktiv sind.“ 

Fotos: Die Preisverleihung der Citoyenne 2016

Die prämierten Projekte zeigen in hervorragender Weise, wie initiativ und innovativ die Bürger des Rhein-Main-Gebietes sind. Sie erhalten mit dem Preisgeld finanzielle Unterstützung für ihre künftige Arbeit. Mit dem ersten Preis (dotiert mit 5.000 Euro) wurde Alfred Westenberger für sein Projekt zum Schutz und der Erhaltung der Schmetterlinge in den Reifenberger Wiesen im Hochtaunuskreis ausgezeichnet. Als begeisterter Entomologe (Insektenkundler) beobachtet er seit 40 Jahren Schmetterlinge in den Reifenberger Wiesen und entdeckte eine außergewöhnliche Artenvielfalt, darunter auch einige vom Aussterben bedrohte Schmetterlingsarten. 

Um dieses einzigartige Wiesenareal von zirka 5,5 Hektar auf Dauer zu schützen, tat er sich mit der gemeinnützigen Umweltorganisation „Naturefund Wiesbaden“ zusammen, und startete das bis dato einzige „Landkauf-Projekt“ in der Region, indem er mit zahlreichen Grundstückseigentümern verhandelte, durch Schmetterlingsführungen die Öffentlichkeit aufmerksam machte und Spenden für den Landkauf sammelte. Inzwischen hat er 259 Paten gewinnen können, die den Ankauf von mehr als 12.000 Quadratmeter Wiesenfläche sichern. Sein Ziel ist es, im Laufe der nächsten Jahre auf diese Weise insgesamt 20.000 Quadratmeter Magerwiesenareal zu erhalten. 

Zweiter Preis für Projekt zu Streuobstwiesen

Der zweite Preis (dotiert mit 3.000 Euro) ging an das Projekt „Streuobstwiese im Eschersheimer Feld“ der IGS Eschersheim, Gesamtschule mit Grundschule der Stadt Frankfurt am Main. Seit 20 Jahren bewirtschaften Schüler, Lehrer und Eltern in Kooperation mit verschiedenen Umweltinitiativen, dem Ortsbeirat, lokalen Betrieben und engagierten Bürgern des Stadtteils in vielfältigen Schulprojekten die Streuobstwiese im Eschersheimer Feld. Diese umfassen vor allem die jährlich wiederkehrenden Arbeiten, wie Baumschnitt, Pflanzaktionen mit Patenbäumen der jeweiligen neuen fünften Klassen, Obsternte, Obstverwertung und Wiesenmahd. Es haben sich daraus inzwischen weitere umweltpädagogische Projekte entwickelt wie die Bienen-AG und verschiedene Vogelschutzprojekte. 

Auch Pflanzen wollen adoptiert werden

Mit dem dritten Preis (dotiert mit 1.500 Euro) wurden Haike Rausch und Torsten Grosch ausgezeichnet, die als Künstlerduo 431art das interdisziplinäre Kunstprojekt „botanoadopt“ initiiert haben und (Zimmer-)Pflanzen über das Internet oder in lokalen Adoptionsbüros zur Adoption anbieten. „Wir behandeln Pflanzen wie Persönlichkeiten und stellen sie mit einem Namen und einer individuellen Biografie vor“, erklären die Künstler. Zur anonymen Abgabe von Pflanzen haben sie die „Pflanzenklappe“ erfunden. Mit diesem originellen und witzigen Projekt, das an der Schnittstelle von Kunst, nachhaltigem Handeln, utopischem Gesellschaftsentwurf und Tauschökonomie angesiedelt ist, setzen die Künstler das weltweite Artensterben in Bezug zu unserem Umgang mit pflanzlichem Leben im eigenen lokalen Umfeld. 

Sieben weitere Aktionen gewürdigt

Die weiteren sieben Finalisten wurden mit einer Anerkennungsurkunde und einer von den Künstlern der Gruppe finger handgefertigten Vase aus Bienenwachs ausgezeichnet:

  • Schulacker Wehrheim – Verein für Umwelt- und Sozialerziehung e.V., Wehrheim 
  • Umweltlernen in Frankfurt e. V. 
  • Gudrun Feser-Pfeifer, Biotop „Rote Erde“ in Mühlheim am Main 
  • Aktion-Rehkitz e.V., Rodgau
  • Klimabeauftragte der Heinrich-Böll-Schule, Integrierte Gesamtschule in Nieder-Roden 
  • Wildbienenprojekt der Ernst-Reuter-Schule II, Integrierte Gesamtschule Frankfurt
  • Agenda-Büro Groß-Umstadt

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