Er macht Stadtführung für homosexuelle Flüchtlinge

Bäppi la Belle: „Erst letztens haben sie wieder einen schwulen Syrer geköpft“

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Thomas Bäppler-Wolf alias Bäppi zeigt Flüchtlingen die Frankfurter Innenstadt.

Frankfurt - Er ist Ulknudel, Frankfurter Stadtverordneter und homosexuell: Thomas Bäppler-Wolf alias Bäppi La Belle will Gleichgesinnte zusammenbringen. Bei einer Führung durch Frankfurt zeigt er schwulen Flüchtlingen die Stadt und gibt ihnen die Möglichkeit, die Szene kennenzulernen. Von Janine Drusche

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Für wen ist die Führung Rainbow Refugees (Regenbogen-Flüchtlinge) speziell gedacht?

Die jungen Männer, die an der Führung „Rainbow Refugees“ teilnehmen, würden im Iran zum Beispiel gehängt werden. Nicht nur wegen der Situation vor Ort, sondern auch, weil sie schwul sind. Sie kommen aus den Ländern, wo es gerade kracht, aus den Hotspots des Kriegs, wie Syrien, Irak oder dem Sudan. Dort werden sie doppelt verfolgt und sind noch mehr gefährdet in ihren Heimatländern als andere – heterosexuelle – Flüchtlinge. Erst letztens haben sie wieder einen Syrer wegen seiner sexuellen Orientierung geköpft. Den Männern hier will ich die Möglichkeit zur Integration in Frankfurt geben.

Wo geht es bei der Altstadt-Führung überall hin, was ist geplant?

Ich zeige ihnen den Kaisersaal und den Römer. Wir laufen an ein paar Museen und der Staufenmauer vorbei und über die Zeil. Bei der Führung ziehe ich auch Vergleiche zu dem Islam und der Kultur früher und heute. In den Ländern, wo der muslimische Glaube herrscht, war ja einiges an Fortschritt viel früher da als in unserer westlichen Gesellschaft.

Früher waren islamische Länder fortschrittlicher als Deutschland und heute werden dort Homosexuelle verfolgt...

Ja, die Flüchtlinge aus diesen Ländern kommen hier in eine Welt, die sie so nicht kennen: In ihrer Heimat müssen sie sich verstecken, sonst werden sie hingerichtet. Hier waren jetzt einige beim Christopher Street Day. Zuhause dürfen sie sich nicht zeigen und hier kommen sie zu einer Parade, die von mir als Lisbet Windsor angeführt wird. Das ist schon ein Kulturschock!

Wird es bei der Führung auch einen Abstecher zum Dom geben?

Ja, das werde ich anbieten. Viele der Teilnehmer sind ja Moslems, aber wer möchte, bekommt natürlich die Möglichkeit. Es kann ja jeder da rein und der Dom ist schließlich auch ein Stück Kultur.

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Glauben Sie, viele Teilnehmer werden auch hinein gehen?

Einige der Teilnehmer sind ja auch Christen, aber die meisten der Jungs wollen sich ja unbedingt integrieren. Letztens sagte einer zu mir: „Ich bin zwar Moslem, aber ich bin jetzt hier, also trinke ich auch Apfelwein!“

Und was ist das langfristige Ziel der Zusammenführung?

Es geht darum, den jungen Männern, die es gleich doppelt schwer haben, weil sie politisch verfolgt werden und wegen ihrer geschlechtlichen Einstellung fliehen mussten, so schnell wie möglich ein Zuhause in Frankfurt zu geben. Und das in einem Umfeld, in dem sie sich auch an Gleichgesinnte wenden können. Denn in einem guten Umfeld, kann man besser in der Stadt ankommen, Menschen kennenlernen und sich heimisch fühlen. Auch lernt sich so die Sprache leichter. Bei der Führung sind zum Beispiel auch ein paar Dolmetscher dabei, weil noch nicht alle die deutsche Sprache verstehen.

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Wie geht es dann weiter mit der Eingliederung der Männer?

Jetzt sind sie erstmal hier. Es ist wichtig, dass wir uns um sie kümmern: Sie wahrnehmen, sie beschäftigen und ihnen das Gefühl geben, hier willkommen zu sein. Ich habe da verschiedene Projekte geplant, auch zusammen mit dem Verein „Rainbow Refugees“, und werde den einen oder anderen jungen Mann in meinem Theater miteinbeziehen. Diese Menschen hatten schon genug Ärger. Dann bekommen sie noch den Eindruck vermittelt, wir wollen sie nicht hier haben. Aber ich möchte ihnen zeigen, dass wir auch nett sein können. Wir sollten diese Menschen, die ihre Familien verloren haben, nicht in diesem – für sie fremden – Land allein lassen: Denn sie haben ja niemanden hier.

Sehen Sie diese Hilfestellung als Aufgabe von Bäppi La Belle oder Ihnen als Stadtverordneter an?

Als meine Aufgabe als Thomas Bäppler-Wolf. Und als Stadtverordneter für Kultur ist es auch mein Ziel, dass sich die Leute in Frankfurt wohlfühlen.

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