Werner Friedrich weiß nicht wohin

Stadt Dieburg verkauft Gebäude: Rentner verliert Zuhause

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Rentner Werner Friedrich vor dem Haus, in dem er seit 30 Jahren lebt. In die Fenster und an die Tür hat er Pamphlete gehängt, umdie Nachbarn über seine Situation zu informieren.

Dieburg – „Ich kann nachts nicht mehr schlafen, weil ich nicht weiß, wo ich hin soll“, sagt Werner Friedrich aus Dieburg. Die Stadt hat vor drei Jahren das Haus verkauft, in dem er lebt. Nun muss er nach drei Jahrzehnten sein Nest verlassen. Von Janine Drusche

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„Ich kann nachts nicht mehr schlafen, weil ich nicht weiß, wo ich hin soll“, sagt Werner Friedrich aus Dieburg. Die Stadt hat vor drei Jahren das Haus verkauft, in dem er lebt. Nun muss er nach drei Jahrzehnten sein Nest verlassen. Dieburg – Werner Friedrich hat fast sein halbes Leben in einem kleinen Häuschen in der Klosterstraße in Dieburg verbracht. Seine Kinder hat er hier aufgezogen, es hängen viele Erinnerungen an seinem Zuhause. Doch vor drei Jahren hat die Stadt Dieburg das Haus verkauft. 

„Die haben mir damals versprochen, dass ich drin bleiben kann, dass sich nur der Vermieter ändert“, versichert Friedrich. Doch die neue Eigentümerin des Hauses klagte auf Eigenbedarf – und gewinnt. Eigentlich hätte der Rentner bis Ende August aus dem Haus ausziehen müssen, doch der 67-Jährige findet keine passende Wohnung. „Es gibt nur Schrott auf dem Wohnungsmarkt. Feuchte, umgebaute Kneipen, oder es ist nicht bezahlbar für mich“, sagt Friedrich, der eine Rente von gut 1000 Euro hat. 

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„Ich brauche nicht viel, zwei Zimmer reichen.“ Was die Suche nicht einfacher macht: Dem Dieburger ist es wichtig, Couch und Wohnzimmerschrank unterzubringen. „Aber sie passen bei den angebotenen Wohnungen im Umkreis nicht hinein. Ich kann die Möbel doch nicht wegschmeißen, sie sind ja keine vier Jahre alt“, ärgert er sich. Die Stadt habe ihn belogen, behauptet Werner Friedrich, während er auf seiner Couch mit den Familienbildern im Hintergrund sitzt und mit den Tränen kämpft. „Ich hatte zwar neun Monate Zeit, eine Wohnung zu finden, aber es gab einfach nichts Passendes“, beteuert er.

„Zusammen mit dem Haus verkauft"

Werner Thomas, Bürgermeister der Stadt Dieburg, kann die Aufregung des Rentners nicht verstehen: „Wir haben das Haus verkauft, den Mieter darüber informiert und ihm ein Jahr Kündigungsschutz eingeräumt“, sagt er. Dass Friedrich in dem Haus definitiv wohnen bleiben könne, habe man nie versprochen, stellt er klar. „Wir haben Herrn Friedrich auch Alternativen angeboten, aber die hat er sich nicht einmal angeschaut“, sagt der Rathauschef. Zuletzt vor drei Wochen habe die Stadt dem Rentner eine Sozialwohnung angeboten. „Obwohl er keinen Anspruch hat“, sagt Thomas: „Damit er nicht in Nöte kommt, denn ich kenne den schlechten Markt.“

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Doch Friedrich lehnt trotzdem ab. „Ich möchte sozialschwachen Menschen nicht die Wohnung wegnehmen“, rechtfertigt er sich. „Außerdem war die Wohnung unterm Dach im dritten Stock. Ich gehe auf die 70 zu! Es muss doch möglich sein, in der Umgebung eine Wohnung zu finden.“ Dazu kommt: Friedrich hat in Dieburg sein Leben verbracht, möchte nicht wegziehen. „Das Schönste war, als hier 1981 meine Tochter zur Welt kam. Es war zwar eng bei uns, aber wir haben uns immer wohlgefühlt“, sagt der 68-Jährige. Das Schlimmste sei, jetzt gehen zu müssen.

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