Mutter nach Geburt für Wochen im Krankenhaus

Schwerbehinderter Papa aus Hattersheim in Not

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Wissen nicht, wie sie ohne Mama Silke oder eine Haushaltshilfe klarkommen sollen: Der schwerbehinderte Alfred Stegmann mit Sohn Sebastian und dem neugeborenen Töchterchen Mira. 

Hattersheim - Die Geburt eines Babys ist für Familien das pure Glück. Doch Familie Stegmann erlebt einen wahren Albtraum: Weil Mutter Silke in der Klinik liegt, ist der schwerbehinderte Vater Alfred mit der kleinen Mira und Sohn Sebastian auf sich allein gestellt. Er fühlt sich von der Krankenkasse hingehalten. Von Janine Drusche

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Noch vor ein paar Wochen sind Silke und Alfred Stegmann glücklich: Sie erwarten ein Baby. Die Schwangerschaft der 46-Jährigen verläuft reibungslos und am 9. August wird die kleine Mira per Kaiserschnitt im Höchster Krankenhaus auf die Welt geholt. Die Familie ist euphorisch, doch zwei Tage später beginnt der Albtraum: „Meine Frau hatte starke Schmerzen. Die Ärzte haben einen Keim festgestellt“, sagt Ehemann Alfred Stegmann. Dann sei die Kaiserschnitt-Narbe aufgeplatzt: „Da kam bestimmt ein Liter Eiter aus ihrem Bauch“, erinnert sich der 50-Jährige.

Seine Frau quält sich durch mehrere Operationen, muss schließlich wochenlang im Krankenhaus bleiben. Der zu 100 Prozent schwerbehinderte Papa ist mit seinem neunjährigen Sohn Sebastian und Säugling Mira allein: „Ich habe starkes Asthma, ein Herzproblem und Osteoporose und muss mich nicht allein um meine neugeborene Kleine, meinen Sohn und den Haushalt kümmern.“ Alfred Stegmann ist mit den Nerven am Ende. Er weiß nicht, wie er die Situation allein stemmen soll. „Ich brauche dringend eine Haushaltshilfe, die uns unterstützt!“, sagt der Familienvater und kämpft mit den Tränen.

„Das müsste die Krankenkasse doch wissen“

Bei der Familienversicherung, der Techniker Krankenkasse (TK), hat Alfred Stegmann bereits versucht, Hilfe in Form einer Haushaltshilfe zu holen. „Aber das dauert alles viel zu lange, ich brauche doch sofort Hilfe. Die TK konnte mir den Antrag aus Datenschutzgründen nicht mal per E-Mail zusenden. Es ist doch nur ein Antrag!“, ärgert sich Stegmann. Allein bis dieser im Briefkasten gelandet ist, seien drei Tage vergangen. „Zeit, die ich mit meinen Kindern stemmen musste“, sagt der Frührentner aufgebracht. Außerdem habe er seine Behinderung deshalb erneut nachweisen müssen: „Das müsste meine Krankenkasse doch wirklich wissen!“

Alfred Stegmann ist fassungslos: „Wenn der Antrag – dessen Bearbeitung ja wieder Zeit kostet – wirklich durchgeht, habe ich aber noch lange keine Haushaltshilfe.“ Denn nicht die Krankenkasse, sondern Alfred Stegmann selbst muss die Haushaltshilfe finden. Bisher hat er sich umsonst die Finger wund gewählt. „Ich habe 30 Hebammen und zehn Organisationen angefragt, doch keiner hat eine Haushaltshilfe für mich frei“, klagt er. Der Verein Drehpunkt aus Hofheim schicke nun drei Stunden die Woche eine Unterstützung, das Jugendamt eine Notfallhebamme, die ab und zu vorbeischaut. Doch Stegmanns Probleme sind damit nicht gelöst. Sein Bedarf ist akut: „Der Verwaltungsweg dauert einfach zu lange. Jetzt sofort brauchen wir Hilfe!“

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Christine Lübbers-Lake, TK-Sprecherin, verweist dennoch auf die nötigen Formalia: „Uns als Krankenkasse ist daran gelegen – sofern alle Voraussetzungen erfüllt sind – unsere Versicherten schnellstmöglich zu unterstützen.“ Um das zu beschleunigen, solle persönlicher Kontakt über die Servicehotline aufgenommen werden.“ Für Alfred Stegmann heißt es jetzt trotzdem: Warten bis der Antrag durch ist und sich eine Haushaltshilfe findet. Solange muss er irgendwie weiter durchhalten.

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