Verwirrter Syrer schlägt Sänger in Obertshausen

Brutaler Bembel-Angriff: Jetzt spricht das Opfer

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Das Bürgerhaus im Obertshausener Stadtteil Hausen. Hier geschah der Bembel-Anschlag.

Obertshausen - Die Sängervereinigung Hausen steht unter Schock: Während der Chorprobe am Dienstagabend rastet ein Zuhörer aus und schlägt Vize-Dirigent Ralph Pittich einen Bembel auf den Kopf. Jetzt spricht das Opfer. Von Kristina Bräutigam

Der Schock sitzt Ralph Pittich noch in den Knochen. „Die Bilder des Überfalls sind noch präsent in meinem Kopf. Aber die körperlichen Verletzungen werden hoffentlich bald genesen sein“, schreibt der 44-Jährige in einer Erklärung. 

Das Unfassbare passiert während der Chorprobe am Dienstagabend. Gegen 19 Uhr treffen sich die Mitglieder der Sängervereinigung Hausen im Kleinkunstsaal des Bürgerhauses, kurzes Plaudern, auf den Tischen stehen Bembel und Apfelwein, die Lieder werden festgelegt. Schon zu diesem Zeitpunkt bemerken die Sänger einen Mann vor dem Fenster, denken sich aber nichts dabei. „Wir kannten ihn vom Sehen, “, erzählt Sänger Willi Picard. Kurz darauf betritt der 33-jährige Syrer das Bürgerhaus über das Restaurant, stellt sich kurz an die Tür und nimmt schließlich auf einem Stuhl im Saal Platz. „Wir dachten eben, er will uns zuhören“, berichtet Picard. 

Täter schlägt ohne Vorwarnung zu

Dann passiert das Unfassbare: Die Sänger singen im Halbkreis das Lied „Entschuldigung“ von Friedrich Silcher, als der Syrer plötzlich von seinem Stuhl aufsteht, einen Bembel greift und Ralph Pittich mit voller Wucht auf den Kopf schlägt. Der Vize-Dirigent und Tenor sackt mit einer blutenden Kopfwunde zusammen, der Attentäter flieht nach einem Gerangel aus dem Saal. Während sich einige Chormitglieder um den verletzten 44-Jährigen kümmern, nehmen andere die Verfolgung des Täters auf. In der Schillerstraße, rund 300 Meter vom Bürgerhaus entfernt, können die alarmierten Polizeibeamten den 33-Jährigen schließlich festnehmen. Er wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. 

Syrer schon in der Vergangenheit auffällig geworden

Wie Erster Stadtrat Hubert Gerhards erklärt, ist der verwirrte Asylbewerber schon in der Vergangenheit auffällig geworden. „Es gab Konflikte in einer Gemeinschaftsunterkunft, er ist ausfallend geworden. Daraufhin wurde der 33-Jährige am 25. Mai in eine psychiatrische Klinik gebracht, allerdings bereits am nächsten Tag wieder entlassen.“ Seit dem 1. Juni war der Syrer in einer an das Bürgerhaus angegliederten Wohnung untergebracht. Auffälligkeiten habe es nicht gegeben, sagt Stadtrat Gerhards. „Umso geschockter sind wir von der Tat.“ Die Stadt habe den Landkreis informiert, den Asylbewerber nach der Entlassung nicht wieder aufnehmen zu wollen. „Wir können uns um solche Fälle nicht kümmern“, sagt der Stadtrat. 

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Ralph Pittichs Kopfplatzwunde wurde im Krankenhaus genäht, seine ausgekugelte Schulter unter Narkose eingerenkt. Dass es ihn getroffen habe, sei Zufall, sagt der Vorsitzende der CDU Schaafheim. „Dieser Angriff hätte jedem von uns passieren können – unabhängig von Alter, Nationalität, Religion und Hautfarbe.“ An den Spekulationen zum Täter wolle er sich nicht beteiligen und auch die Geschehnisse nicht weiter kommentieren. 

Attacke ist Gesprächsthema im Ort 

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Im Ort schlägt die Tat weiter hohe Wellen. Auch auf Facebook fordern einige Obertshausener die Abschiebung des Flüchtlings, viele beklagen die mangelnde psychologische Betreuung von Flüchtlingen, andere haben Angst. Auch Sänger Willi Picard will gar nicht darüber nachdenken, was hätte passieren können. „Nicht auszudenken, wenn der Kinderchor geprobt hätte oder der Täter mit einem Messer ausgerastet wäre." An der Hetze will er sich aber nicht beteiligen. „Der Täter ist ein psychisch kranker Mensch. Es hätte genauso gut ein Deutscher sein können.“ Nächsten Dienstag wird die Probe der Sängervereinigung zwar ausfallen. Allerdings nicht aus Angst, sondern wegen des Spiels der Deutschen Nationalmannschaft. „Die Freude am Singen lassen wir uns nicht nehmen“, betont Willi Picard.

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