Vandalismus und veraltete Technik

Voll nervig: Rolltreppen in Rhein-Main stehen zu oft still

Gesperrt. Eine defekte Rolltreppe in Frankfurt. Oft stehen die Metalltreppen aber einfach nur ohne erkennbaren Grund still. Foto: rz

Frankfurt – Wer die Öffentlichen in Rhein-Main benutzt, trifft fast täglich auf Rolltreppen, die stillstehen. Viele Fahrgäste sind deshalb genervt. Dass es aber ein Problem gibt, wollen weder Bahn noch Frankfurter Verkehrsgesellschaft eingestehen. Von Christian Reinartz

Das Protokoll der Stillstands-Story beginnt in Offenbach und endet nach einem Umweg über den Zoo an der Hauptwache. Eigentlich keine lange Strecke. Dennoch stehen in den S- und U-Bahnhöfen sieben Rolltreppen still. Eine davon ist sogar völlig außer Betrieb.

Passanten sind alle genervt

„Das erlebe ich ständig“, sagt Helena Dobrinski. Sie fährt täglich mit den Öffentlichen nach Frankfurt, kennt die Schwächen der Bahnhöfe genau. „Gefühlt vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht über eine stillstehende Rolltreppe stapfen muss“, sagt die junge Mutter. „Wenn ich mein Kind dabei habe, ist das noch viel ärgerlicher.“ Auch Peter H. schüttelt nur noch den Kopf. Der 52-Jährige ist schwerbehindert und auf einen Rollator angewiesen. Seinen vollen Namen will er nicht nennen. „Am Ende krieg ich noch Ärger. Ich fahr ja als Behinderter kostenlos.“

Als der EXTRA TIPP ihn in Offenbach trifft, steht er gerade völlig hilflos vor dem Aufzug im Tiefbahnhof am Marktplatz. H. drückt auf den Knopf, nichts rührt sich. Die Rolltreppe steht still. Die Treppe schafft er nicht. Der Mann gibt entnervt auf. „Jetzt kann ich eine Station weiterfahren und dann irgendwie den Bus nehmen“, sagt Peter H.

Die Bahn kennt das Problem

Für die Rolltreppen verantwortlich sind unterschiedliche Unternehmen. Deutsche Bahn und die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) betreiben beide eigene Rolltreppen. Die Bahn 159 in ganz Rhein-Main, die VGF 269 in Frankfurt.

Bei der Bahn kennt man das Problem. Ein Sprecher gibt zu: „Ja, es gibt immer wieder Störungen.“ Aber über 90 Prozent der Stillstände würden durch Vandalismus ausgelöst. „Nur ganz selten streikt die Technik“, versichert er. Und er gesteht ein: „Wir haben gerade in Frankfurt besondere Schwerpunkte, an denen Rolltreppen immer wieder nicht funktionieren.“ Wo diese Schwerpunkte sind , will er aber um keinen Preis verraten. „Wir wollen keinen Stadtteil diskriminieren.“

Ganz anders hört sich das bei der Verkehrsgesellschaft an. Sprecherin Juliane Herzog beteuert: „Die Verfügbarkeit der Fahrtreppen bei der VGF liegt bei 97,5 Prozent.“ Als der EXTRA TIPP vorrechnet, dass allein die Zahl der auf einer Strecke vorgefunden Rolltreppen das statistische Tagespensum überschreitet, hat Herzog folgende Erklärung parat: „Die 97,5 Prozent sind als Durchschnittswert zu sehen. Es kann sein, dass an anderen Tagen alle Treppen funktionieren.“ Auch von Schwerpunkten, wie sie die Bahn zugibt, will die VGF nichts wissen.

Fahrgastverbands Pro Bahn kritisiert Verkehrsgesellschaft

Beim Rhein-Main-Verkehrsverbund erklärt man sich dieses Nichtwissen hinter vorgehaltener Hand so: „In Frankfurt steht ja bald ein politischer Wechsel an. Da kann jetzt keiner so ein negatives Thema gebrauchen.“

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Ähnlich kritisch sieht es auch Thomas Schwemmer, Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn für den Großraum Frankfurt und Rhein-Main. Er stellt klar: „Die Rolltreppen in Rhein-Main sind viel zu häufig defekt. Das liegt daran, dass viele Treppen ein gewisses Alter haben und Ersatzteile oft nur schwierig zu bekommen sind.“ Die Äußerung der VGF müsse man deshalb hinterfragen. „Es ist natürlich bequemer zu behaupten, nichts von Schwerpunkten zu wissen, als zugeben zu müssen, dass es an bestimmten Stellen ein Problem gibt.“

Welche Folgen nicht richtig funktionierende Rolltreppen im schlimmsten Fall haben können, zeigte im vergangenen Jahr ein Familiendrama in China. 

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