Abzocker forderte 13.000 Euro

Dieser Offenbacher Opa ist der Schrecken aller Trickbetrüger

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13.000 Euro fordert der Betrüger am Telefon. Doch Karl-Heinz Peter aus Offenbach bemerkt den Schwindel und informiert die Polizei.

Offenbach - Täglich werden alte Menschen im Rhein-Main-Gebiet Opfer von Trickbetrügern. Auch Karl-Heinz Peter aus Offenbach bekommt einen Anruf und soll 13.000 Euro übergeben. Doch der Rentner riecht den Braten. Von Kristina Bräutigam

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Es ist gegen 12 Uhr am Donnerstag, als das Telefon im Flur klingelt. Karl-Heinz Peter aus Offenbach nimmt ab. „Kennst du mich nicht“, fragt die Stimme am anderen Ende der Leitung. „Ich bin’s, dein Enkel.“ Der 87-Jährige stutzt kurz. „Marcel?“, fragt er, obwohl ihm die Stimme fremd vorkommt. „Genau, dein Enkel Marcel“, sagt der Anrufer. 

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Doch der Marcel am Telefon will nicht fragen, wie es seinem Opa geht. Er will 13.000 Euro. Für eine Eigentumswohnung. Und zwar so schnell wie möglich. „Da habe ich gewusst, das ist nicht mein Enkel. Das macht der nicht“, erzählt Karl-Heinz Peter. Er beendet das Gespräch, ruft bei seinem Sohn an. Und tatsächlich: Enkel Marcel hat weder angerufen, noch braucht er Geld. Stattdessen hatte es ein Betrüger auf den Rentner abgesehen. „Man liest das ja ständig in der Zeitung. Da haben sie den Falschen erwischt“, sagt der Rentner.

Der Offenbacher ist kein Einzelfall. „In Hessen haben wir täglich einen Enkeltrick auf dem Tisch“, sagt Kriminalhauptkommissar Kai Dahlke vom Polizeipräsidium Südosthessen. Die Masche der Täter ist immer gleich: Sie geben sich am Telefon als Verwandte oder Bekannte aus, verwickeln ihr Opfer geschickt in ein Gespräch („Rate mal, wer dran ist“) und bitten dann um Geld – mal für einen Immobilien- oder Autokauf, mal wegen einer dringenden Notlage. „Den Senioren wird glaubwürdig suggeriert, es handele sich tatsächlich um einen Familienangehörigen. Die Opfer werden eingelullt“, weiß Kai Dahlke. 

Tipps: So fallen sie nicht auf den Enkeltrick rein!

Leider oft mit Erfolg: „Es gibt Senioren, die Beträge in fünf- oder sechsstelliger Höhe zahlen. Diese Menschen werden oftmals um ihre gesamte Existenz gebracht.“ Die Chance, die Trickbetrüger zu fassen, ist gering. Fast immer handelt es sich um Banden, die aus dem Ausland agieren und professionell organisiert sind. Zwar gelingt es in einigen Fällen, den Abholer während der Geldübergabe festzunehmen. Die Drahtzieher sind jedoch schwer zu ermitteln, sagt Dahlke.

Viele Opfer schämen sich

2015 gab es in Hessen 490 Enkeltrick-Betrugsfälle. Doch die Dunkelziffer ist hoch. Auch weil viele Opfer aus Scham oft nicht zur Polizei gehen. „Die gesamten Ersparnisse einem Betrüger gegeben zu haben, da sprechen viele nicht einmal mit den eigenen Kindern drüber“, sagt der Kommissar. 

Umso wichtiger sei es, rechtzeitig mit Eltern und Großeltern zu sprechen. Über den Enkeltrick, aber auch den Zettel- und Glas Wasser-Trick. „Das haben sie mit mir auch schon versucht. Da stand erst eine Frau vor der Haustür und plötzlich war sie bei mir im Flur. Nur einen Schluck Wasser wollte sie. Die habe ich sofort rausgeworfen“, erzählt Karl-Heinz Peter. Jetzt will er nur noch eins: Andere Senioren warnen. „Schlimm genug, dass es Menschen gibt, die alten Menschen so etwas antun. Aber denen muss man das Handwerk legen.“

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