Kuh Heidelbeere ist 13 Jahre alt

Milchrekord in Roßdorf: Kuh hat bereits 120.000 Liter gegeben

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Landwirt Michael Dörr (links) und Azubi Martin Gräf mit dem Kühen Heidelbeere (rechts) und Kordula.

Roßdorf - Heidelbeere wird die Krise der deutschen Milchbauern auch nicht lösen. Trotzdem macht die Kuh auf dem Karlshof bei Roßdorf ihrem Landwirt Michael Dörr rekordverdächtig Freude: 120.000 Liter hat die 13-jährige Holstein-Schwarzbunte bereits gegeben. Von Jens Dörr

Nur 175 der momentan 150.000 hessischen Kühe hätten Landwirt Michael Dörr zufolge in ihrem Leben bereits die 100.000-Liter-Marke überschritten. Auf dem Karlshof sei Heidelbeere die vierte Kuh, die diesen bemerkenswerten Wert erreicht habe. „Bei einem normalen Milchpreis von 40 Cent pro Liter braucht man, soll sich das Tier rechnen, eine Kuh, die in ihrem Leben 25.000 Liter gibt“, erläutert der Inhaber eines Familienbetriebs, der in Lennart Reimann und Martin Gräf zudem zwei junge Menschen ausbildet. „Im Durchschnitt werden die Kühe aber nur fünf Jahre alt“, fügt er hinzu.

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Da ist die mehr als 800 Kilogramm schwere Dame vom Karlshof schon lange drüber hinaus. Acht Kälber hat sie bereits zur Welt gebracht, an 300 Tagen pro Jahr gibt sie Milch, säuft dafür aber auch 180 Liter Wasser täglich und frisst mehr als einen Zentner. Vor Heidelbeeres Maul komme ein Mix aus selbstproduzierter Gras- und Maissilage, aus Weizen, Gerste, Zuckerrüben, Heu und Stroh, verrät Dörr. Viehsalz, Mineralfutter sowie Raps- und Sojaschrot kaufe er zu. Antibiotika werde nur im Krankheitsfall eingesetzt, stellt der Landwirt heraus, beispielsweise bei einer Euterentzündung. 

Stressfreies Leben garantiert große Milchmengen

Stichwort Euter: Der wurde durch Zucht gegenüber früher sogar eher verkleinert, was die Verletzungsgefahr reduziert habe. Weil die Beine der Kühe heute länger sind und der Euter damit weiter vom Boden entfernt sei, habe sich auch die Melk-Hygiene verbessert. Insgesamt seien die Milchkühe heute rund 20 Zentimeter größer und 200 Kilogramm schwerer als noch vor 20 Jahren, sagt Dörr. All das habe zu extremen Leistungen wie jener von Heidelbeere geführt, erklärt der Landwirt.

Besonders wichtig aber sei für die Tiere ein stressfreies Leben. Nur gesunde Kühe würden alt und erzielten derart große Milchmengen. „Tierkomfort lohnt sich“, betont Dörr. Um jedoch gleich zu relativieren: „Normalerweise“. Denn bei einem Literpreis für Milch, bei dem selbst mancher Abfüller von Mineralwasser sein Geschäftsmodell in Zweifel ziehen dürfte, ist die Welt der Milchvieh-Wirtschaft aktuell trotz Super-Kühen wie Heidelbeere alles andere als in Ordnung.

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