Tropisches Virus tötet Vögel massenhaft

Rätselhaftes Amsel-Sterben besorgt Naturschützer

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Symbolfoto

Region Rhein-Main - Der Naturschutzbund (NABU) ist beunruhigt: Seit kurzem häufen sich die Meldungen über kranke Amseln. Die Tiere wirken apathisch und sterben innerhalb weniger Tage. Schuld ist ein Virus. Um das zu erforschen, bittet der NABU die Bevölkerung um Mithilfe.

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2011 und 2012 hatte das Usutu-Virus in Deutschland erstmals ein Massensterben unter heimischen Vögeln ausgelöst. Mehrere Jahre gab es keine größeren Ausbrüche. Doch jetzt ist das tropische Usutu-Virus zurück. Seit Ende Juli häufen sich beim NABU Meldungen kranker und kurze Zeit später verstorbener Amseln. 

Die verendeten Tiere stammen aus den bereits zuvor betroffenen, wärmeren Regionen Deutschlands. Weitere Verdachtsmeldungen erreichten den NABU aber auch aus bisher nicht betroffenen Regionen. Auch in Frankreich, Belgien und den östlichen Niederlanden wurde das Virus, das für Menschen ungefährlich ist, in diesem Jahr bereits in toten Vögeln nachgewiesen. 

Inzwischen konnten Forscher des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin bestätigen, dass das Usutu-Virus tatsächlich die Todesursache ist. „Todesfälle unter Vögeln treten jeweils während der Mückensaison von Mai bis November auf. Befallene Vögel wirken offensichtlich krank, werden apathisch, flüchten nicht mehr und sterben meist innerhalb weniger Tage“, erklärt NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. 

Auch andere Vögel können am Virus sterben

Fast immer sind es Amseln, bei denen die Krankheit festgestellt wird, weshalb die Usutu-Epidemie auch als Amsel-Sterben bekannt ist. „Allerdings werden auch andere Vogelarten von diesem Virus befallen und können auch daran sterben“, sagt Lachmann. Der Ausbruch des Virus’ stelle eine einmalige Chance dar, die Ausbreitung und Folgen einer neuen Vogelkrankheit zu verfolgen und zu analysieren. „Die wichtigste Datengrundlage dazu bilden Meldungen toter und kranker Amseln aus der Bevölkerung, sowie eingeschickte Proben toter Vögel, die auf das Virus untersucht werden können“, erklärt Lachmann. 

Tote Tiere einschicken

NABU und Tropenmediziner bitten die Bevölkerung deshalb um Mithilfe, erkrankte oder verendete Vögel über ein Online-Formular zu melden oder Proben toter Tiere zur Untersuchung an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg zu senden. Unter www.nabu.de/usutu-melden können Beobachtungen toter Vögel gemeldet werden. Dort findet sich auch eine Anleitung zum Verschicken toter Tiere. red

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