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Positiv denken: So lässt Meditation die Wut verrauchen

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Mönch Gelong Losang Kyabchok zeigt EXTRA TIPP-Volontärin Franziska Jäger, wie im Buddhismus meditiert wird.

Region Rhein-Main - Zur Ruhe kommen, sich nicht über alles aufregen. Für viele sicher ein wünschenswertes Ziel. Meditieren kann dafür ein hilfreiches Mittel sein. Experten darin sind Mönche der Buddhistischen Klosterschule Ganden Tashi Choeling. Von Franziska Jäger

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Irgendwas drückt doch immer aufs Gemüt. Schon Kleinigkeiten – der drängelnde Autofahrer, der stichelnde Kollege, die unpünktliche Verabredung – können die Laune verderben. Wut und Probleme gehören zum Alltag. „Die Fehler und das Feindbild suchen wir immer bei den anderen. Sie sind schuld, wenn es uns schlecht geht“, sagt Gelong Losang Kyabchok. Er ist Mönch und Lehrreferent der Buddhistischen Klosterschule Ganden Tashi Choeling in Brandenburg, die auch in Frankfurt Seminare und angeleitete Meditationen anbietet. Und er sagt: „Die wahre Quelle unserer Probleme ist unser eigenes Denken.“ Der Zusammenhang zwischen dem eigenen Verhalten und der eigenen Erfahrung von Glück und Leid ist Gegenstand der Lehre Buddhas.

Meditation nach buddhistischer Lehre bedeutet nicht, an nichts zu denken, sondern den eigenen Geist mit heilsamen Gedanken vertraut zu machen. „Schlechte Gedanken erreichen uns leichter, weil wir im Alltag vertrauter sind mit Negativität“, sagt Losang Kyabchok. „Mit unseren Problemen gehen wir nach Hause, erzählen dort davon und belasten womöglich noch andere.“ Zuerst geht es darum, zu verstehen, dass man Personen und Umstände, die die Wut ausgelöst haben, nicht immer beeinflussen kann. „Unser Denken aber können wir beeinflussen. Glück ist damit nur im eigenen Bewusstsein zu finden“, sagt der Buddhist. An erster Stelle steht also der bewusste Entschluss, sich von negativen Gedanken und Gefühlen nicht mehr beeinflussen zu lassen. Und genau das lässt sich in der Meditation üben.

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Vor der Meditation helfen Entspannungsübungen dabei, Ablenkungen und Probleme bewusst wahrzunehmen und abzuschütteln. „Erst wenn der Geist konzentriert, neutralisiert ist, kann ich ihm eine neue Richtung geben“, sagt der Mönch. Er empfiehlt, sich auf den Rücken zu legen, die Fläche unter sich wahrzunehmen, sich auf die eigene Atmung zu konzentrieren und den Körper in Gedanken von oben bis unten zu scannen. „Dann kann ich mir die Fragen stellen: Was lenkt mich ab? Warum fühle ich mich nicht wohl?“

Wie der Reiter auf dem Pferd

Bei der an die Analyse anschließende Meditation soll es gelingen, den Geist unter Kontrolle zu bringen, ihn zu zähmen. „Wie ein Reiter, der sein Pferd in die richtige Richtung lenkt“, sagt Losang Kyabchok. Die negativen Gedanken können dabei zurückkehren. Dann ist es wichtig, sich immer wieder auf die heilsamen Gedanken zu konzentrieren. „Stellen Sie sich ein Kind vor, das einen Ball in der Hand hält. Es wird von der Mutter gerufen, ist kurz abgelenkt, lässt den Ball fallen. Es bemerkt, dass der Ball ihm aus der Hand geglitten ist, und nimmt ihn wieder auf.“ 

Was aber sind heilsame Gedanken? „Mitgefühl für die Mitmenschen oder Dankbarkeit für das eigene kostbare Leben“, sagt Losang Kyabchok. Das geht so weit, dass der Meditierende selbst in denjenigen, über die er sich geärgert hat, Güte erkennt. „Erst durch Herausforderungen können wir uns verändern. Ärgernisse geben uns die Möglichkeit dazu.“ Anfängern wird es zu Beginn kaum gelingen, mehr als fünf Minuten in der Meditation und auf dem heilsamen Gedanken zu verharren. Die vorangehende Analyse der belastenden Probleme kann dagegen bis zu 20 Minuten beanspruchen.

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„Zuhause kann ich mir einen Platz einrichten, an dem ich mich von weltlichen Dingen und Verpflichtungen lösen kann“, sagt der Losang Kyabchok. Die Sitzposition ist zweitrangig, sie kann auf dem Boden oder auf einem Stuhl eingenommen werden. Die Hände können, nach oben geöffnet, in den Schoß oder mit den Handflächen nach unten auf die Oberschenkel gelegt werden. „Die Hauptsache ist, dass mir die Position keine Schmerzen bereitet und ich nicht abgelenkt werde.“ 

Die Meditation empfiehlt sich morgens nach dem Aufstehen, wenn der Geist noch unbelastet ist. „Ich kann mir dann bestimmte Dinge vornehmen, zum Beispiel, zu allen freundlich zu sein. Ich kann nicht nur verlangen, ich muss auch geben. Abends kann ich reflektieren, ob mir gelungen ist, was ich mir vorgenommen habe“, sagt der Buddhist. Leichter gelingt eine Meditation mit einer Anleitung der Klosterschule. „Das Meditieren in einer größeren Runde ist zudem kraftvoller.“ Die Lehrer und Seminarleiter der Klosterschule sollen dabei helfen, das höchste Ziel der Meditation anzupeilen: Die heilsamen Gedanken und das Überwinden von Wut mit in den Alltag, in die Meditationspause, zu nehmen.

Das nächste Meditationsseminar findet am 24. September von 15 bis 18 Uhr im Familien-Gesundheits-Zentrum, Günthersburgallee 14, in Frankfurt statt. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Klosterschule.

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