Menschen fühlen sich durch das Spiel zugehörig

Pokémon Go: Professor erklärt, was hinter dem Hype steckt

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Auf Monster-Jagd im Wetterpark Offenbach (von links): Die Freunde Laura Drechsler, Keven Mothes und Marco Strohl.

Region Rhein-Main - Die Region ist im Pokémon-Fieber. Auf dem Frankfurter Römer laufen Besucher zickzack und jagen Monster mit ihrem Handy, auch in Parks sammeln sich die Display-Glotzer. Ein Frankfurter Wissenschaftler erklärt, was hinter dem Wahnsinn steckt. 

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Pokémon Go bringt das Rhein-Main-Gebiet in Bewegung. Im Begeisterungstaumel jagen Pokémon-Spieler die kleinen Monster an den unmöglichsten Stellen: In der Nacht zum vergangenen Sonntag hat die Polizei drei Jugendliche auf dem Dach des Nordwestzentrums in Heddernheim aufgegriffen. Hofheim entwickelt sich zur Pokémon-Hauptstadt. Seltene Figuren werden hier gesichtet, legendäre Schlachten ausgetragen, und laut der Pokémon-Gerüchteküche, gibt es einfach viel mehr kleine Monster als in der Umgebung.

Harry Kakas, Besitzer des Fitness-Parks in Offenbach, weiß, was es bedeutet, wenn Pokémon-Spieler keine Rücksicht mehr nehmen. Kakas: „Plötzlich sind drei 18-Jährige mit ihren Handys einfach wortlos am Empfang vorbei und wollten ins Fitness-Studio rein. Ich habe sie gefragt, was sie vor haben. Sie würden Pokémons jagen, und auf der Palme oben auf unserer Dachterrasse sei eine Pokémon-Station.“ Er habe den Jungs dann schnell klar gemacht, dass sie nicht einfach irgendwo ungefragt reingehen können. „Und außerdem habe ich denen gesagt: Was ist bloß los? In eurem Alter habe ich Frauen gesucht und gejagt und keine Pokémons“, sagt Kakas lachend.

Monster-Jäger tummeln sich im Wetterpark

Doch es gibt auch positive Aspekte. Der Offenbacher Wetterpark profitiert von der virtuellen Monsterjagd, seit Ferienbeginn kommen die Besucher scharenweise. „Es ist unglaublich, was hier seit einer Woche los ist“, sagt Ina Mpantis, Leiterin des Besucherzentrums. Dass sich kaum einer für die Messstationen und metereologischen Geräte interessiert, sei nicht weiter schlimm. „Es ist doch toll, dass junge Menschen die Stadt erkunden und so viel Spaß haben“, sagt Ina Mpantis.

"Pokémon Go": Irre Monsterjagd mit Suchtpotenzial

Professor Claus-Peter H. Ernst, Experte für Mediennutzung an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), hat im vergangenen Jahr in einer empirischen Studie mit 2200 Teilnehmern die Erfolgsfaktoren der Pokémon-Spiele untersucht. Die Studie ist eine der weltweit ersten Studien, die sich wissenschaftlich mit dem Phänomen „Pokémon“ auseinandersetzt. Für den Wissenschaftler steht fest: Für die Älteren ist es ein optisches Feuerwerk, wenn sie sich an die grafisch eher stümperhaften Pokémons aus der Gameboy-Anfangszeit erinnern und das Spiel mit den heutigen Monstern vergleichen, die plötzlich durch die Realität hüpfen. 

Der Realitäts-Aspekt ist es auch, der darüber hinaus viele Spieler begeistert. „Das Spiel ermöglicht den Spielern, sich einen lang gehegten Traum zu erfüllen und zum ersten Mal wirklich auf ihre eigene Pokémon-Reise zu gehen. Das gemeinsame Erleben und Spielen aus dem Internet wird wieder in die Realität transferiert und Menschen mit gleichen Interessen einander näher gebracht.“

Haustiere werden durch Pokémons ersetzt

Der 30-Jährige hat bei seinen Forschungen aus dem vergangenen Jahr weitere Erfolgsfaktoren ausgemacht. „Es geht auch um das Bedürfnis, nicht allein zu sein“, sagt Ernst. Vergleichbar sei das mit Menschen, die sich ein Haustier anschaffen, um sich nicht mehr einsam zu fühlen. Ernst: „Und diese Haustiere werden jetzt einfach durch die Pokémons ersetzt.“ Dies sorgt für eine empfundene Zugehörigkeit. Und natürlich Spaß, wenn Spieler auf der Jagd sind.

Ernst sieht das Pokémon-Spiel nur als Zwischenschritt. „In fünf Jahren wird man sich eine Datenbrille aufsetzen, wenn man Heim kommt. Dann kommt der eigene virtuelle Hund und spielt mit einem. Nach weiteren fünf Jahren wird es eventuell eine eigene virtuelle Familie geben“, erklärt der Wissenschaftler. Der Hype werde seiner Meinung nach weitergehen. In einigen Ländern sei das Spiel noch gar nicht veröffentlicht. red

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