Experte aus Offenbach gibt Tipps für die Pilzsuche

Pilzberater Dietmar Krüger: So sammelt man richtig

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Pilzberater Dietmar Krügers Lieblingspilz ist die Krause Glucke. 

Region Rhein-Main - Ob Hexenröhrling, Milchbrätling oder Eichhase: Dietmar Krüger kennt sie alle. Der Offenbacher ist Pilzsachverständiger und vermittelt sein Wissen in der mobilen Pilzschule Hessen. Von Kristina Bräutigam

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Mit einem Körbchen und Pilzmesser stapft Dietmar Krüger durchs Unterholz des Frankfurter Stadtwalds. „Ist ein bisschen wie die Wüste Gobi“, sagt der 47-Jährige, während seine Hand über das trockene Moos streicht. Das Sommerwetter der vergangenen Wochen erfreut halb Deutschland. Für Pilzsammler ist es ein Graus. Regen braucht es, dann sprießen die Pilze. „Wie viele es gibt, entscheidet das Wetter der letzten zwei bis drei Wochen“, sagt Dietmar Krüger. Dass Pilze nur im Herbst wachsen, sei allerdings ein Irrglaube: „Pilze haben das ganze Jahr Saison, selbst im Winter. Man muss nur wissen, wonach man sucht“, erklärt er. 

Sein Ziel an diesem Nachmittag: Die Krause Glucke. Der Parasit wächst im Wurzelbereich von Kiefern, sieht aus wie ein gelber Schwamm und ist Dietmar Krügers Lieblingspilz. „Dieses nussige Aroma, köstlich“, schwärmt er. An diesem Tag wandert nur eine Krause Glucke in seinen Korb, stattdessen findet er eine Menge Kartoffelbovisten, einen behangenen Faserling, Austernpilze. 

An einem gefällten Buchenstamm am Wegesrand entdeckt der Experte einen Schwefelporling. Der flache, orange-gelbliche Pilz, von den Amerikanern auch „Chicken of the Wood“ (dt. Huhn des Waldes) genannt, ist paniert oder in Butter gebraten eine echte Köstlichkeit. Ein paar Meter weiter sprießen Birkenporlinge an einer toten Birke. Wegen seiner antibiotischen Wirkung wird der Pilz als Hausmittel geschätzt, kleingeschnitten und mit heißem Wasser überbrüht hilft er beispielsweise gegen Blähungen und Menstruationsbeschwerden. 

Wie man die Pilze zweifelsfrei bestimmt, bringt Dietmar Krüger Interessierten in seinen Kursen bei. Das A und O: Der richtige Umgang mit dem Fachbuch. Hat der Pilz Lamellen oder ist er ein Röhrling? Ist der Stiel auffasernd? Welche Farbe haben die Sporen und wie ist der Geruch? Ohne einen Kurs besucht zu haben und nur mit Buch und App sollte niemand sammeln, warnt der der Pilzsachverständige. Zu groß ist die Gefahr, schmackhafte Speisepilze mit giftigen Artgenossen zu verwechseln. Mit Glück bleibt es dann bei Magenkrämpfen, Durchfall und Erbrechen, im schlimmsten Fall droht ein Multi-Organversagen.

Fotos: Mit Pilzberater Dietmar Krüger unterwegs im Wald

Landet ein Pilzsammler im Krankenhaus, klingelt bei Dietmar Krüger das Telefon. Viele Giftnotrufzentralen in Deutschland haben seine Nummer. Dann setzt sich der Offenbacher auch mal nachts ins Auto, bestimmt anhand von Resten die Pilzart und hilft so, die richtige Behandlung einzuleiten. Erst vor ein paar Wochen hatte es einen Frankfurter erwischt. Der junge Mann hatte einen giftigen Satansröhrling mit einem Steinpilz verwechselt. „Wenn ich mir nicht absolut sicher bin, Finger weg. Und bloß nicht auf selbsternannte Fachleute hören“, mahnt der Pilzsachverständige. Besonders Zuwanderer seien oft unvorsichtig. „Sie haben keine Ahnung von unseren heimischen Pilzen und probieren einfach“. 

Wissen vermitteln, Begeisterung wecken

Dietmar Krüger will nicht nur biologisches Wissen vermitteln. Er will Begeisterung wecken. „Die Welt der Pilze ist wahnsinnig faszinierend und kaum zu begreifen“, sagt der Experte, der hauptberuflich bei einer Versicherung arbeitet. Das, was am Ende im Körbchen landet, sei nur ein kleiner Teil. Der eigentliche Pilz steckt im Untergrund: Das Myzel, ein riesiges Fadengeflecht, das den gesamten Boden durchzieht. „Ein Pilz ist wie eine Autobahn, auf der die Nährstoffe von Baum zu Baum geschickt werden. Das ist irre“, sagt Dietmar Krüger. Infos und Termine unter www.derpilzberater.de

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