Viele Offenbacher lieben alten Blumen-Elsässer-Laden

Trauer in Offenbach: Pavillon wird abgerissen

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Das Ende ist besiegelt: Sobald alle Formalitäten geregelt sind, wird der gläserne Pavillon an der Waldstraße abgerissen.

Offenbach - Für viele Offenbacher ist er ein echtes Schmuckstück: Der leerstehende Pavillon von Blumen-Elsässer in der Waldstraße. Viele hofften, die Stadt würde das 50er Jahre-Gebäude erhalten. Jetzt steht fest: Das Kleinod wird abgerissen. Von Kristina Bräutigam

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Schon im Mai 2015, als die Meldung vom Abriss des Pavillons die Runde machte, waren viele Offenbacher entsetzt: „Mein Lieblingsgebäude in der Stadt. Ein Trauerspiel“, schrieb ein User auf der Facebook-Seite „Like Offenbach“. „Das ist wirklich eins der allerschönsten Gebäude in Offenbach. Ich will einfach nicht einsehen, weshalb so etwas abgerissen wird“, lautete ein anderer Kommentar. 

Doch alles Hoffen war umsonst: Seit Montag sind die Abbrucharbeiten auf dem Grundstück in vollem Gange, der Pavillon, der mit seinen abgerundeten Ecken, dem Flachdach und seiner leicht schrägen Fassade eines der letzten Überbleibsel der Nachkriegsmoderne in der Stadt darstellt, wird dem Erdboden gleichgemacht. Wie der EXTRA TIPP aus dem Rathaus erfährt, fehlt nur noch eine Dokumentation mit Fotos des Pavillons. Diese sollen später dem Stadtarchiv zur Verfügung gestellt werden. „Sobald diese Unterlagen vorliegen, gibt es eine Abbruchgenehmigung“, erklärt Sprecher Fabian El Cheikh. 

Angeblich werden Mehrfamilienhäuser gebaut

Wie es anschließend mit dem Grundstück, das direkt neben der marokkanischen Moschee El-Fath liegt, weitergeht, ist unklar. Im Mai 2015 hatte Ali Simsek, Geschäftsführer der Fedek GmbH, angekündigt, auf dem Grundstück drei Mehrfamilienhäuser samt Tiefgaragen errichten zu wollen. Doch Simsek hat das Grundstück mittlerweile weiterverkauft. Aktueller Besitzer ist Metehan Sen, Geschäftsführer der Senatro GmbH mit Sitz in Frankfurt. Unter der angegebenen Telefonnummer ist jedoch niemand zu erreichen, auch eine Email-Adresse gibt es nicht.

Auch von der Stadt Offenbach gibt es keine Informationen: „Einzelheiten zu dem Bauvorhaben können wir aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht nennen“, erklärt Sprecherin Kerstin Holzheimer. Nur so viel: Für das Grundstück habe es in der Vergangenheit einen Bauantrag gegeben, der positiv beschieden wurde, eine Baugenehmigung liege vor. 

Pavillon steht nicht unter Denkmalschutz

Bleibt die Frage, die sich viele Offenbacher stellen: Warum hat die städtische Denkmalschutzbehörde nicht versucht, den 50er Jahre-Bau unter Schutz zu stellen? „Bei der ursprünglichen Erstellung der Denkmaltopographie der Stadt Offenbach wurde der Pavillon nicht aufgenommen“, erklärt die Sprecherin. 

Fotos: Pavillon aus den 50er Jahren wird abgerissen

Eine Entscheidung, die man im Rathaus offenbar bereut: „Aus heutiger Sicht – mit viel zeitlichem Abstand zur Erbauungszeit der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts – käme man gegebenenfalls zu einer anderen Bewertung“, erklärt Holzheimer. Erst mit dem Baugenehmigungsverfahren sei das Grundstück wieder in den Fokus gerückt. 

Nach gängiger Handhabung des Landesamtes für Denkmalpflege werde ein Grundstück allerdings nicht mehr nachträglich unter Schutz gestellt – insbesondere nicht nach Erteilung der Baugenehmigung. „Gleichwohl hat es Anstrengungen gegeben, das Gebäude in eine Neuplanung zu integrieren“, betont die Sprecherin. Aufgrund des Bauzustands und der ungünstigen Lage habe man sich aber dagegen entschieden.

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