Komiker spricht im Interview über seinen Sprachfehler und das neue Programm

Paul Panzer: „Ich bin ja sozusagen ein bisschen schizophren“

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Paul Panzer weiß, dass die „Invasion der Verrückten“ bereits  begonnen hat.

Mit Telefonstreichen ist Paul Panzer berühmt geworden. Mittlerweile steht der Komiker auf der Bühne und ist mit „Invasion der Verrückten“ am 9. Oktober in der f. a. n. - Arena in Aschaffenburg und am 10. Februar in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Von Janine Drusche

Wer legt Ihnen denn Ihre wunderschönen Blumenhemden vor Ihren Auftritten heraus?

Das ist wie bei jedem verheirateten Mann. Meine Frau Hilde legt mir alles raus: Die Hemden und Hosen, Unterwäsche und auch die Socken. Da gibt’s auch keine große Auswahl. Aber trotzdem hat die Frau einen besseren Geschmack. Und wir glauben an eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Wenn ich mich blumig anziehe, wird auch der Tag blumig.

Hat Hilde auch etwas mit Ihrer Namenswahl „Panzer“ zu tun oder waren Sie vielleicht beim Militär und haben gedient?

Ja, ich habe auch gedient. Aber, dass der Name dazu passt ist reiner Zufall. Man kann sich seinen Namen ja nicht aussuchen.

So wie die körperlichen Gegebenheiten: Haben Sie Ihren Sprachfehler schon immer?

Ich bin ja sozusagen ein bisschen schizophren und teile mir den Körper mit diesem Anderen (Anmerk. d. Red.: Bei dem Anderen handelt es sich um Dieter Tappert, der Paul Panzer erfunden hat). Da wechseln die Geister immer hin und her, und der Andere hat als Kind diesen Sprachfehler gehabt. Er hat ihn sich damals mühsam abtrainiert, aber als er Paul ins Leben gerufen hat, hat er sich ihn wieder angeeignet – in Erinnerung an früher.

Wenn sich der Andere den Sprachfehler mühsam abgewöhnt hat, warum sollte ihn Paul Panzer dann wieder  haben?

Paul Panzer hat im Radio angefangen und konnte dort nur über die Stimme einen Eindruck transportieren. Dieser sollte sein, dass er nicht perfekt ist. Wenn man schon einen komischen Charakter erfindet, dann darf der auch nicht perfekt sein – und auch nicht so ganz normal. Ein bisschen verrückt eben.

Was macht Sie denn so verrückt ?

Ein gesunder Dachschaden: Ich glaube der liegt in den Genen. Und es hilft einem, wenn man solch einen Dachschaden hat: Keinen gefährlichen, so dass man weggesperrt werden muss, sondern die andere Sparte. Einen sympathischen Dachschaden, durch den man neue Blickwinkel erkunden kann und vielleicht mal Dinge ausprobiert, die man eigentlich nicht tun würde.

Dann müssen Zuschauer in Ihrer Show keine Angst vor der „Invasion der Verrückten“ haben?

Nein, der Titel ist extra ein bisschen ironisch gewählt. Eine Invasion kommt ja von außen, dabei ist das einzig Verrückte auf der Welt doch der Mensch. Wir sind alle in irgendeiner Art verrückt, jeder für sich und jeder kennt mindestens einen Verrückten: Den sieht er spätestens, wenn er morgens in den Spiegel schaut.

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Also kommt die Invasion diesmal eigentlich von innen?

Ja, und das ist auch gut so, denn der Mensch ist meiner Meinung nach nur so weit gekommen, wie er jetzt ist, weil er diesen Dachschaden hat. Weil er aus dem Bauch heraus Entscheidungen trifft, nicht immer gerade Wege geht und auch nicht in allem analytisch vorgeht. Der Mensch ist nur so weit, weil er auch unkonventionelle Wege geht.

Zum Beispiel mit einem Sprachfehler zum Radio zu gehen?

Warum nicht? Ich rate jedem mit einem Sprachfehler – eigentlich mit jeder Einschränkung – offensiv umzugehen und zu versuchen, damit so gut wie möglich zu leben. Dabei geht es nicht nur um sichtbare Fehler, sondern auch um Fehler im Verstand. Denn vieles ist gar nicht so schlimm, man muss nur damit umgehen können. Und: Perfektion gehört einfach nicht zum Menschen. Charaktere wie Columbo oder Dr. House sind auch nicht perfekt, aber dafür umso sympathischer. So wie Paul Panzer. Ich bin zwar einfältig, naiv und infantil, aber auf den zweiten Blick erkennt man meine Stärken sehr wohl.

Eine Ihrer Stärken liegt darin „Komiker“ zu sein. Warum lassen Sie sich ungern als „Comedian“ bezeichnen?

Ich finde „Comedian“ klingt so industriell, nach Massenware. Da habe ich ein anderes Bild. Ich bin vom alten Schlag, denn früher gab es vielleicht acht Interpreten, die Lustiges auf die Bühne gebracht haben. Heute gibt es einen ganzen Katalog. Damit mag ich mich nicht identifizieren, lieber mit Komik wie früher, wie Heinz Erhardt sie gemacht hat.

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Davon können sich die Besucher Ihrer Show im kommenden Februar überzeugen. Freuen Sie sich schon auf den Auftritt in Hessen?

Natürlich, die Leute in Rhein-Main lachen gerne, haben gerne Spaß. In eurer Region herrscht genau die richtige Mischung aus Anspruch und der Bereitschaft zu lachen, die man für eine gute Show braucht. Ich freue mich schon sehr auf den Auftritt und wenn ich endlich nach der Sommerpause wieder auf Tour gehe. Darauf warte ich nämlich gerade Finger trommelnd.

Was machen Sie denn dann im Moment, um sich die Zeit zu vertreiben?

Ich suche mir ständig etwas zu Tun. Deshalb bin ich viel in meiner Metallwerkstatt und baue irgendwelche Sachen. Ich bin ja auch Hobbypilot...

Dann verbringen Sie aber wenigstens viel Zeit mit Ihrer Familie?

Naja, die Hilde hat ja Flugangst und die Werkstatt ist ihr zu schmutzig. Auf Tour ist sie ja dann auch nicht dabei, das heißt wir sehen uns gar nicht so viel. Aber vielleicht ist das auch der Grund, warum wir schon so lange zusammen sind. Und die Kinder kriegt man ja in den Sommerferien sowieso nicht zu Gesicht. Die Tochter ist ständig bei ihrem Freund: Und mein Sohn Bolle, der ist glaube ich seit ein paar Tagen schon beim Angeln. Es wird also Zeit, dass ich hier raus komme und auf Tour etwas zu tun habe.

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