Mitgliederschwund auch in der Region spürbar

Parteibücher als Ladenhüter: SPD und CDU haben zu kämpfen

+
Erreichen die Parteien die Bürger nicht mehr? Klar ist: Auch in der Region gehen die Mitgliederzahlen zurück. Die Szene stammt aus dem Kommunalwahlkampf 2016 in Frankfurt.

Region Rhein-Main – Parteimitglied werden? Nein, danke! Die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung nimmt zu. Die Mitgliederzahlen der beiden großen Volksparteien CDU und SPD sinken immer weiter. Auch in der Region macht das der Politik zu schaffen. Von Oliver Haas

Die SPD hat im vergangenen Jahr bundesweit den größten Mitgliederschwund zu verzeichnen. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl um 3,7 Prozent auf 442.814 zurück. Und die CDU kommt mit einem Minus von 2,9 Prozent auf jetzt 444.400 Mitglieder. Auch bei den CDU- und SPD-Vorständen in der Region spürt man den Trend.

So wie etwa bei der SPD im Kreis Offenbach. Laut Geschäftsführer Michael Möck betrug die Zahl vor sechs Jahren noch 2008 Mitglieder. Seitdem schrumpfen die Mitgliederzahlen. Ende 2015 waren es nur noch 1748.

Bei der CDU im Kreis Offenbach hatten 2008 noch 2984 Mitglieder das „schwarze Parteibuch“. Aktuell sind es nur noch 2500. Judith Ehresmann von der CDU Offenbach gibt zu. „Es wird immer schwerer, die Zahl der Sterbefälle in der Mitgliedschaft durch Neueintritte zu egalisieren. Dies liegt naturgemäß am Altersdurchschnitt der großen Volksparteien.“

Elke Barth, Vorsitzende der SPD in Bad Homburg, berichtet von derzeit 254 Mitgliedern, was einem Minus von zehn Prozent innerhalb von fünf Jahren entspreche. „Ein großer Teil davon sind Todesfälle und zwei waren Wegzüge. An der SPD Bad Homburg geht die demografische Entwicklung somit leider nicht spurlos vorbei“, so Barth weiter. Erfreulicherweise könne sie feststellen, dass das Interesse der unter 30-Jährigen in letzter Zeit wieder zunehme und hoffe, dass sich der Trend fortsetze. Mitgliederwerbung funktioniere ihrer Ansicht nach am besten in Zeiten von Wahlkämpfen.

Auch die kleinen Ortsverbände leiden

Auch die kleinen Ortsverbände leiden, wie etwa die Bad Sodener SPD. Fraktionsvorsitzender und Co-Parteivorsitzender Jan Willemsen: „Wir haben aktuell knapp 70 Mitglieder. Vor fünf Jahren waren es noch über 80. Wir konnten uns in diesem Zeitraum über fünf neue Eintritte freuen, denen allerdings deutlich mehr Abgänge insbesondere durch Wegzüge und Sterbefälle gegenüber standen.“ Um den Negativtrend umzukehren, wolle man mehr Frauen in verantwortliche Positionen bringen. Bereits durch die Doppelspitze im Parteivorstand komme dies zum Ausdruck, so Willemsen. Außerdem arbeite auch die SPD Bad Soden an einem Programm, dass mehr junge Menschen anziehen soll.

Eine Ausnahme hingegen stellt die Stadt Offenbach dar. Dort kann die SPD seit fünf Jahren eine stabile Mitgliederzahl von 550 Genossen vermelden. Parteivorsitzender Felix Schwenke: „Neben den üblichen Abgängen aus Wegzügen und Sterbefällen haben wir kontinuierliche Eintritte insbesondere der Jusos. Die Eintritte übersteigen in den vergangenen Jahren immer die Austritte und können auch die Wegzüge und Sterbefälle in der Regel ausgleichen.“

Die CDU Frankfurt zählt derzeit 2886 Mitglieder und habe „netto in fünf Jahren 14 Mitglieder verloren“ so Kreis-Geschäftsführer Michael Stöter. Damit meint er, dass aufgrund von Todesfällen es zu einer niedrigeren Mitgliederzahl gekommen sei. „Diejenigen, die uns freiwillig verlassen haben, konnten durch Neueintritte ausgeglichen werden.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar zum Thema: „Ausreden, nichts als Ausreden"

Keine Neuigkeiten und Gewinnspiele mehr verpassen? Dann einfach EXTRA TIPP-Fan auf Facebook werden!

Kommentare