Laut einer Studie ist Offenbach frauenunfreundlichste Stadt Hessens

Der EXTRA TIPP hakt nach: Leben Frauen schlecht in Offenbach?

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Ergeht es Frauen in Offenbach wirklich so schlecht?

Offenbach - Offenbach ist Hessens frauenunfreundlichste Stadt. Das belegt zumindest eine aktuelle Studie des Magazins Focus. Stimmt das? Der EXTRA TIPP hat nachgehakt. Von Kristina Bräutigam

Offenbach ist die frauenunfreundlichste Stadt in Hessen. Das belegt eine aktuelle Studie des Magazins Focus, die 77 große deutsche Städte unter die Lupe genommen hat. Zu den Kriterien gehören Jobchancen und Arbeitslosigkeit, Kriminalität sowie Freizeitangebote. Das Ergebnis für Offenbach: Platz 52 in der Gesamtwertung, in Hessen schlechtester Platz hinter Kassel (Platz 11, frauenfreundlichste Stadt in Hessen), Frankfurt (30) und Darmstadt (32). Der EXTRA TIPP wollte wissen: Stimmen die Gründe für das schlechte Abschneiden?

1. Arbeitslosigkeit

 In Offenbach ist die Arbeitslosigkeit von Frauen laut Studie im Zeitraum zwischen 2010 und 2015 um 17,1 Prozent gestiegen. Die aktuellen Zahlen sind besser: „Im April 2011 hatten wir 3211 arbeitslos gemeldete Frauen, im April 2016 sind es 3601, also 12,14 Prozent mehr“, sagt Regina Umbach-Rosenow, Sprecherin der Agentur für Arbeit Offenbach. Frauen waren stärker als Männer von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. „Entscheidend ist, dass auf der kommunalpolitischen Ebene und bei den Unternehmen die Unterstützung noch größer wird, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und somit die eigenständige Existenzsicherung von Frauen zu verbessern“, sagt Frauenbeauftragte Karin Dörr.

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2. Gleichstellung im Beruf 

Laut der Studie sind Offenbacher Frauen im Beruf, beim Gehalt und in der Ausbildung benachteiligt. „Bei der Betrachtung des Arbeitsmarktes lässt sich eine Benachteiligung von Frauen ablesen“, sagt Stadtsprecherin Kerstin Holzheimer. Diese müsse allerdings in Relation zur Sozialstruktur in Offenbach gesehen werden. „Dazu zählen Faktoren wie hoher Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund, geringere Qualifikation von Frauen aufgrund von Rollenzuweisungen oder die geschlechtsrollentypische Berufswahl.“ Von 38.125 Personen unter 65 Jahren, die einen Minijob haben, sind zwei Drittel Frauen. 

„Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für Frauen in Offenbach ein immenses Problem, das viele Frauen pragmatisch durch einen Minijob lösen, obwohl sie einen sozialversicherungspflichtigen Teilzeitarbeitsplatz suchen“, sagt Dörr. Aus der „Minijobfalle“ kommen sie oft nicht mehr heraus. Das Risiko, im Alter an Armut zu leiden, steigt.

3. Kriminalität

Laut Focus-Studie landet Offenbach in Sachen Kriminalität gegenüber Frauen sogar deutschlandweit auf Platz 67. Ist die Stadt ein gefährliches Pflaster für Frauen? „Offenbach ist nicht gefährlicher als andere Städte“, sagt Michael Malkmus, Sprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen. Insgesamt seien 2014 800 Frauen und 900 Männer Opfer von Straftaten geworden, 2015 waren es 675 Frauen und 770 Männer. Im selben Jahr gab es 18 angezeigte Fälle von Vergewaltigung und Nötigung.

4. Freizeit

Laut Focus-Studie gibt es in Offenbach vergleichsweise wenige Shops für Frauen, Buchhandlungen, Yoga-Lehrer und Einkaufsziele pro Quadratkilometer. Birgitt Möbus vom City Management der Stadt Offenbach widerspricht. „Bisher habe ich noch nicht gehört, dass es für Frauen zu wenig Angebote in der Stadt gibt.“ Allein in der Innenstadt gebe es 500 Shops und Gastronomiebetriebe. „Dafür, dass die Innenstadt kleiner als ein Quadratkilometer groß ist, ist das doch eine ganze Menge“, meint die Citymanagerin. 

Fünf Buchhandlungen gibt es im Stadtgebiet, sieben Yoga-Schulen und über 20 Fitness-Studios. Auch das Netzwerk „Frauen für Offenbach“, das seit zehn Jahren für einen besseren Ruf der Stadt kämpft, ist mit dem Studienergebnis nicht einverstanden. „Offenbach ist nicht frauenfeindlich. Im Gegenteil. Hier wird für Frauen viel getan. Egal ob für jüngere, ältere oder ausländische“, sagt Sonja-Ilonka Wagner. Ob vergleichsweise günstige Lebenshaltungskosten oder bunte Kulturlandschaft: „Mir als Frau macht es Spaß, in Offenbach zu leben“, sagt sie.

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