Viele Helfer zu alt, weniger Lebensmittel-Spenden

Oase in Obertshausen in Not: Helfer mit Herz und Muckis gesucht

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Lebensmittel für Bedürftige: (von links) Hiltrud Roth, Gründerin des Projekts Oase in Obertshausen, mit Sigurd Wißmann, Heinz Schöne und Paula Heining. 

Obertshausen - Seit 2007 bekommen Bedürftige in der Oase in Obertshausen Lebensmittel. Jetzt braucht das Projekt selbst Hilfe: Viele der Ehrenamtlichen sind über 70 und können nicht mehr schwer schleppen. Und auch die Supermärkte machen es der Oase schwer. Von Kristina Bräutigam

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Eine Kiste nach der anderen wird am Mittwochnachmittag in den Pfarrsaal Herz-Jesu gebracht. Paula Heining trägt den Blumenkohl. Sie ist 70 Jahre alt, Heinz Schöne, der die Paprika sortiert, 80. „Wir machen hier mit, solange wir können“, sagen die beiden Rentner. Sie sind zwei von insgesamt rund 80 Helfern, die das Projekt Oase ehrenamtlich stemmen. Jeden Mittwoch kommen bis zu 80 Bedürftige in den Pfarrsaal, darunter Hartz IV-Empfänger, alleinerziehende Mütter, Rentner und immer mehr Flüchtlinge. 

An Engagement mangelt es nicht, sagt Hiltrud Roth, die das Projekt 2007 ins Leben gerufen hat. „Aber das Durchschnittsalter unserer Helfer liegt bei über 70 Jahren. Sie stoßen körperlich irgendwann an ihre Grenzen.“ Zwar dauert die eigentliche Essensausgabe nur eine Stunde. Hinter den Kulissen aber wird schwer geschuftet: Dienstagabend müssen die örtlichen Supermärkte angefahren und die Kisten mit den Lebensmittelspenden eingesammelt werden, später wird aussortiert und geordnet. Außerdem gibt es 15 Kunden, die aufgrund einer Erkrankung nicht selbst zur Oase kommen können und deshalb einen Korb mit Lebensmitteln nach Hause gebracht bekommen. „Mit fast 80 einen größeren Transporter zu fahren ist das Eine. Aber das Schleppen der schweren Kisten geht irgendwann einfach nicht mehr“, erzählt Hiltrud Orth.

Arbeit kann auch schwierig sein

Nach einem ersten Hilferuf im Juli haben sich immerhin ein paar neue Helfer finden lassen. Aber mit Blick auf die nächsten Jahre reichen die nicht aus. „Wir brauchen Leute mit Herz, die anpacken aber auch einstecken können“, sagt Oase-Helfer Sigurd Wißmann. Der ehemalige Schulleiter ist von Anfang an dabei und weiß, dass die Arbeit auch schwierig sein kann. „Die Menschen, die zu uns kommen, haben es nicht leicht. Ein gewisses soziales Gespür mitzubringen, ist da von Vorteil“, sagt er. Dass die Oase aufgrund fehlender Helfer irgendwann aufgeben muss, sei keine Option: „Hinter jedem unserer Kunden stecken bis zu acht Personen, ganze Familien, die ohne uns nicht über die Runden kommen würden“, sagt Hiltrud Roth.

Supermärkte produzieren weniger Überschuss

Doch noch ein weiteres Problem plagt die Initiatoren: Supermärkte kalkulieren seit ein, zwei Jahren wesentlich genauer, damit so wenig wie möglich übrig bleibt, oder verkaufen Ware kurz vor dem Ablauf der Mindesthaltbarkeit selbst billiger. Weniger Lebensmittel-Überschuss sei eigentlich eine gute Nachricht, sagt Sigurd Wißmann. „Aber für uns bedeutet es weniger Waren, die wir verteilen können“. Besonders Joghurt, Butter, Käse und Fleisch seien immer öfter knapp. „Noch schaffen wir das. Aber angesichts der steigenden Zahl der Bedürftigen, wird es nicht leichter“. Zwar würden gelegentlich Produkte zugekauft. Auf Dauer reichen die Spenden dafür aber nicht aus.

+++ Kontakt +++

Dioe Lebensmittelausgabe an Bedürftige ist jeden Mittwoch von 16 bis 17 Uhr im Pfarrsaal Herz-Jesu, Kirchstraße 2, geöffnet. Im August bleibt die Oase allerdings geschlossen. Nächster Termin ist am 7. September. Wer sich als Helfer bewerben möchte, kann sich melden bei Hiltrud Roth Tel. 06104- 44576.

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