Diese Streifen lösten Proteste aus

Vorsicht: Filmkollektiv Frankfurt zeigt Skandalfilme

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Szene aus dem Film „Baby Doll“ von Elia Kazan aus dem Jahr 1957. Der Streifen eröffnet die Reihe „Skandalfime – gestern bis heute“. 

Frankfurt - Skandalfilme gibt es, seit es Kino gibt. Das Filmkollektiv Frankfurt zeigt ab dem 16. Juli einige der umstrittensten Streifen der Kinogeschichte im Originalformat. Die Themen reichen von Gewalt bis Faschismus. Von Kristina Bräutigam

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Es gibt keinen Sex, nicht mal eine nackte Brust. Trotzdem sorgt „Baby Doll“ von Elia Kazan 1957 für einen der größten Skandale der amerikanischen Filmgeschichte: Kinobetreiber erhalten Bombendrohungen, Pfarrer rufen zum Boykott des Films auf, Zeitungen verurteilen die „fleischlichen Anzüglichkeiten“.

Fast 60 Jahre später holt das Filmkollektiv Frankfurt die Schmonzette zurück auf die große Leinwand. „Skandalfilme – gestern und heute“, heißt die neue Veranstaltungsreihe des Vereins, der sich seit 2013 für Filme jenseits des Mainstream einsetzt. Vom 16. Juli bis zum 27. August zeigen Felix Fischl, Gary Vanisian, Svetlana Svyatskaya und Louise Burkart 16 ausgewählte Streifen im Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim, im Filmforum Höchst und Open Air auf der Terrasse des Yachtklubs.

Alte und neue Filme

In jeder Epoche habe es Filme gegeben, die für Skandale und Proteste gesorgt haben, erzählt Kinokenner Felix Fischl. „Sei es, weil die Filmemacher mittels Thema oder Ästhetik bewusst Grenzen überschreiten wollten, sie ihrer jeweiligen Zeit weit voraus waren oder schlichtweg missverstanden wurden.“ Gezeigt werden Streifen der älteren und neueren Filmgeschichte, darunter „Anders als die anderen“ von 1919, der sich für die gleichgeschlechtliche Liebe einsetzt, als Homosexualität noch unter Strafe stand; „The Green Berets“ von John Wayne aus dem Jahr 1968, der den Vietnamkrieg feiert, während die USA schon längst von der Weltöffentlichkeit an den Pranger gestellt wurden. Oder der französische Film „Salafiste“ aus 2016, der Hassmonologe und Predigten mit Aufnahmen von Steinigungen und Amputationen, Auspeitschungen und Massenerschießungen mischt.

Trauer um Bud Spencer

Damit der Zuschauer versteht, warum die Filme für einen Eklat sorgten, geben die Vereinsmitglieder vor jeder Vorführung eine Einführung in den zeitgenössischen Kontext seiner Entstehung. Gezeigt werden fast alle Filme im analogen Originalformat und Originalsprache mit Untertiteln. An die seltenen Kopien zu kommen war echte Schwerstarbeit: Fast alle stammen aus Archiven in den USA, Schweden, England, Deutschland und Frankreich, die Rechteklärung dauerte oft viele Telefonate.

Felix Fischl ist sicher, dass sich die Arbeit gelohnt hat: „Viele Filme sind echte Raritäten. Das Angucken lohnt sich, auch weil sie zur Diskussion darüber anregen, ob Kino noch immer in der Lage ist, gesellschaftliche Werte ins Wanken zu bringen“.

Alle Infos zur Veranstaltungsreihe gibt es auf der Homepage des Vereins unterwww.filmkollektiv-frankfurt.de.

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