Verschwendungswut in Frankfurt?

Neckermann-Gebäude zur Hälfte belegt: Das Land zahlt volle Miete

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Platz zum Fahrradfahren und Seilspringen bietet das Neckermann-Gebäude den Flüchtlings-Kindern auf der Hanauer Landstraße.

Frankfurt – Die Flüchtlingswelle ebbt ab: Nur 830 Asylbewerber leben im Frankfurter Neckermann-Gebäude, obwohl es Platz für 2000 gibt. Miete und Nebenkosten zahlt das Land bis 2018 voll – trotz kaum genutzter Kapazitäten. Von Janine Drusche

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Durch ein Treppenhaus und lange Gänge führt der Weg die Asylbewerber im Neckermann-Gebäude auf der Hanauer Landstraße in ihre Zimmer. Zwischen den grauen Fluren liegen viele Aufenthaltsräume: Kinder sitzen in Klassen- und Spielzimmern, in Interneträumen üben Frauen und Männer Deutsch. Auf Isomatten wird in Sporträumen geturnt und Schwangere finden sich in wohliger Atmosphäre im eigens für sie hergerichteten Saal zusammen. Draußen wird ein ehemaliger Parkplatz zum Kinderspielplatz mit Sitzecke umgebaut. Über zu wenig Platz können sich die Bewohner der Ersthilfe-Unterkunft nicht beschweren: „Trotz der Größe können Menschen hier dank des Raumes ihre Individualität wahren“, sagt Stefan Grüttner, Hessischer Minister für Soziales und Integration. „Drei Stockwerke sind angemietet, auf denen derzeit 270 Kinder, 209 Frauen, 342 Männer und neun unbegleitete Jugendliche wohnen“, sagt Hiwa Rostami, Einrichtungsleiter der Erstaufnahmeeinrichtung. Kapazität gibt es für 2000 Menschen.

„Da nach Hessen aber täglich nur noch 50 Flüchtlinge kommen, gibt es im Gegensatz zu vergangenem Jahr, als 1000 bis 1200 Asylbewerber pro Tag kamen, im Moment hohe Überkapazitäten“, sagt Grüttner.

Der Vertrag läuft bis 2018

Man sei so flexibel, auf die noch ausstehenden Flüchtlinge zu reagieren. Wenn immer weniger Menschen kommen, bleibt der vom Land bezahlte Raum erstmal ungenutzt: „Der Standort ist für drei Jahre vom Land angemietet, der Vertrag geht bis Ende 2018“, sagt Ralph-Nicolas Pietzonka, Sprecher des Hessischen Ministeriums für Finanzen. Wie viel Miete für das derzeit nicht einmal zur Hälfte genutzte Areal im Neckermann-Gebäude bezahlt wird, möchte Pietzonka nicht sagen. Das seien vertragliche Interna.

Um bei so viel ungenutztem Wohnraum kein Geld und keine Kapazitäten zu verschwenden, habe das Finanzministerium ein Standortorganisations-Konzept aufgestellt: „Ziel ist es, mit den niedrigen Belegungszahlen im Neckermann-Gebäude den Platz ohne zu viel Leerstand zu nutzen“, sagt Grüttner.

Andere Unterkünfte werden geschlossen

23 andere hessische Flüchtlingsunterkünfte werden geschlossen: Kriterien dafür waren unter anderem Mietvertrags-Laufzeiten, Kapazitäten oder der Zustand des bewohnten Gebäudes. 18 weitere Standorte, beispielsweise in Offenbach und Hanau, bleiben mit 20.000 Plätzen erhalten. Eine passive Reserve von 20 Unterkünften bleibt laut Grüttner bestehen: Die könnten im Falle vieler Ankömmlinge wieder eingesetzt werden. Zur Zeit aber trägt das Land die Kosten für viele ungenutzte Flächen „auf Grundlage eines Mietpreises pro Quadratmeter, nicht pro Person und Tag“, sagt Markus Büttner vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration.

Fotos: So leben Frankfurts Flüchtlinge im Neckermann-Gebäude

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