Nachwuchsmangel in der Kirche

Nur Bahnhof: Ausländische Priester sind oft schwer zu verstehen

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Den Kirchen mangelt es an Priestern. Mit ausländischen Pfarrern soll das Problem gelöst werden. 

Region Rhein-Main - Die katholische Kirche quälen Nachwuchssorgen. Immer weniger Männer fühlen sich zum Priester berufen. Das zwingt die Bistümer dazu, auf ausländische Glaubensbrüder zurückzugreifen. Die füllen zwar Kanzeln, bringen aber neue Probleme. Von Dirk Beutel

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Der Trend ist absehbar: Der Kirche gehen die Priester aus. Nicht nur, dass ihr immer mehr Gläubige verloren gehen, nun zeichnet sich auch hinter den Kulissen ein düsteres Bild ab. Vor allem, was die Ausbildung deutscher Priesteramtskandidaten anbelangt. Gemeinden werden zusammen gelegt und Priester aus anderen Teilen der Welt werden interessanter für die hiesigen Bistümer. „Beim Blick auf den Rückgang in der Priesterausbildung muss man mitbedenken, dass auch das Interesse an anderen kirchlichen Berufen zurückgegangen ist. Grundsätzlich hängt der Rückgang mit einer spirituellen Krise zusammen, die sich in unseren Pfarrgemeinden widerspiegelt“, sagt Tobias Blum, Sprecher des Bistums Mainz: „Der Einsatz von Priestern aus dem Ausland kann den Nachwuchsmangel nicht ausgleichen. Viele Beispiele zeigen, dass der Einsatz von ausländischen Priestern eine Bereicherung für die deutschen Gemeinden sein kann“, sagt Blum. 

Sprache und Mentalität sorgen für Probleme

Kann, aber nicht muss. In seiner Studie „Die Situation ausländischer Priester in Deutschland“ von 2011 offenbart Karl Gabriel, Theologe und Soziologe an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni in Münster, Schwierigkeiten und Versäumnisse, die die momentane Strategie der Kirche mit sich bringt: Sprachprobleme, eine andersartige Mentalität und eine andere Ausrichtung des kirchlichen Glaubens. Selten fühlten sich ausländische Priester sogar als Missionare in Deutschland. „Meist handelt es sich um theologische Konservative, die die moderne Lebensweise hier ablehnen. Das erschwert die Zusammenarbeit mit Frauen in der Gemeinde“, sagt Gabriel. Vor allem aber sei die Sprachbarriere ein Problem. „Es kommt nicht selten vor, dass Gemeindemitglieder ihren Priester nicht verstehen“, sagt Gabriel. Seine Studie belege, dass sich ein großer Teil der Gemeinde abwende, wenn die Gläubigen ihren Priester nicht verstehen, etwa in der Predigt, der Seelsorge oder beim Sprechen der Sakramente. 

„Die Älteren tun sich mit dem Sprachproblem am schwersten“, sagt Gabriel. Ein weiteres Motiv für Kirchenaustritte also. Gabriel: „Doch trotzdem geht die Kirche diese Probleme nicht an und bereitet die Gemeinden besser auf einen ausländische Priester vor. Es müsste etwa eine Sprachförderung her.“ Gabriel kommt zu dem Schluss: „Es gibt gute Gründe, das Priesteramt zu öffnen, zum Beispiel für Frauen und Verheiratete. Die Situation des Nachwuchsmangels muss man ernst nehmen. Denn ausländische Priester sorgen für mehr Probleme, als dass sie welche lösen.“

Hilary Ubah ist Priester aus Nigeria und zurzeit Aufbaustudent an der philosophisch-theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Seit zwei Jahren lebt er in Deutschland: „Ich fühle mich hier akzeptiert. Aber ich verstehe, dass offenbar nicht jede deutsche Gemeinde mit einem ausländischen Priester zurecht kommt. Wenigstens nicht gleichermaßen“, sagt Ubah.

Bilder aus dem Leben von Papst Franziskus

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