Weil die Stadt den Betreiber nicht kennt

Nach Zwangsschließung im April: Offenbacher Puff wieder offen

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Offenbar ist hier in einem Wohnungsbordell am Hinterwaldweg wieder einiges los. Osteuropäisch klingende Nachnamen sind am Briefkasten zu lesen, neben der Klingel klebt ein mit Kuli geschriebenes Schild mit einem Frauenvornamen. Direkt davor parkt ein dicker, neuer BMW mit auswärtigem Kennzeichen.

Offenbach - Ende April hatte die Stadt noch das Bordell am Offenbacher Hinterwaldweg unter dem Einsatz von Polizei und Ordnungsamt geschlossen. Jetzt hat der Wohnungspuff wieder geöffnet.

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Zahlreiche Anwohner hatten sich damals bei der Stadt Offenbach über die frivole Nachbarschaft beschwert. Bei den Betreibern des Wohnungsbordells soll es sich um mehrere Männer aus Rumänien handeln, die „der Polizei wegen diverser schwerer Vergehen“ bekannt sind, sagte ein mit dem Fall vertrauter Ermittler. Die Gruppe stamme aus dem Rotlicht und hätte offenbar geplant, „das Ganze groß aufzuziehen”. Damals für die Stadt Grund genug, um einzugreifen. Doch die Schließung entpuppt sich nach EXTRA TIPP-Informationen jetzt als Luftnummer. 

Denn außer einem Nutzungsverbot für eine „anwesende Person mit Handlangertätigkeit” habe man vor Ort niemanden angetroffen, heißt es. Ein strafrechtliches Vergehen liege bis heute nicht vor, so die Polizei. Selbstverständliche behalte man das Etablissement aber im Auge. Und: Das ganze Verbotsverfahren steht offenbar auf wackeligen Füßen. 

So ist es nicht abzusehen, wann das Wohnungsbordell endgültig geschlossen werden kann. Denn um das zu tun, braucht die Stadt einen Betreiber. Aber der ist offenbar bis heute nicht gefunden. „Wir haben bis jetzt nicht mal einen konkreten Namen”, verrät ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Das Problem: Das Betreiben eines Puffs ansich ist noch keine Straftat. Worauf sich die Stadt stützt, ist das Baurecht. Und das sieht in dem Wohnhaus keine solche Nutzung vor. Heißt im Klartext: Die Stadt kann das Bordell zwar verbieten. Aber nur, wenn der Betreiber in einem fest vorgeschrieben Anhörungsverfahren zu Wort gekommen ist. Bis der gefunden ist, hängt das Verfahren also erstmal in der Schwebe. 

Als der EXTRA TIPP Stadtsprecher Fabian El-Cheikh damit konfrontiert, bestätigt er: „Die mutmaßlichen Betreiber haben während der Anhörungsfrist das Recht, sich zu dem Vorwurf, einen aus baurechtlicher Sicht illegalen Betrieb zu führen, zu äußern. Solange können wir als Stadt nicht weiter tätig werden – wir müssen das Ende der Anhörungsfrist abwarten. Eine vorherige kurzfristige Schließung der Liegenschaft ist aus rechtlicher Sicht zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Damit würde man die Verfahrensrechte der Betroffenen abschneiden. Dies wäre nur zum Zwecke der unmittelbaren Gefahrenabwehr zulässig. Diese Situation ist hier jedoch nicht gegeben.” 

Und genau das scheinen die Frauen und deren Hintermänner ganz genau zu wissen. Sie bieten weiter auf der Rosenhöhe ihre Dienste an. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Denn sollte der Verantwortliche gefunden werden, heißt das noch lange nicht, dass die Stadt damit durchkommt. Sollte es der Betreiber auf ein Verfahren ankommen lassen, rückt eine mögliche Schließung in noch weitere Ferne. Vorerst müssen sich die Nachbarn also mit Freierverkehr abfinden.

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