Obertshausener will mit seiner Geschichte andere warnen

Der Horror im eigenen Heim: Mit den Einbrechern kam die Angst

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Das Lächeln fällt schwer: Benjamin Güldenpfennig zeigt die Stelle am Balkon, an der die Einbrecher die Leiter anlegten. 

Obertshausen – Die Zahl der Wohnungseinbrüche steigt seit Jahren, auch in Rhein-Main schlagen die Diebe täglich zu. Schlimmer als der finanzielle Schaden ist für die Opfer das Gefühl, im eigenen Zuhause nicht mehr sicher zu sein. Benjamin Güldenpfennig hat den Alptraum erlebt. Von Kristina Bräutigam

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Die Einbrecher kamen am 2. August. Vermutlich zwischen zwei Uhr und 6.46 Uhr legten sie eine Leiter an den Balkon und gelangten durch die geöffnete Balkontür in die Wohnung von Benjamin Güldenpfennig und Andrea Walgenbach. Die Täter klauen einen Rucksack mit Fotoausrüstung im Wert von 1500 Euro. Der Diebstahl ärgert Benjamin Güldenpfennig. Schlimmer ist allerdings das Gefühl, mit den Einbrechern allein in der Wohnung gewesen zu sein. Denn während die Täter die Räume durchsuchen, liegt der 32-Jährige im Schlafzimmer, bei geöffneter Tür. 

„Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn ich aufgewacht wäre“, sagt Benjamin Güldenpfennig. Freundin Andrea, die sich in der Nacht in einem Zeltlager befindet, läuft bei dem Gedanken auch heute noch ein kalter Schauer über den Rücken. „Wenn die ein Messer dabei hatten oder eine Pistole. Es hätte so viel passieren können.“

So schützen Sie sich vor Einbrechern

Dass jemand in die Wohnung eingedrungen ist, bemerkt Benjamin Güldenpfennig erst am nächsten Morgen. Die Vermieterin, die im Erdgeschoss wohnt, wundert sich über umgestellte Stühle und die Leiter am Haus. „Die haben sie vom Nachbarn genommen“, sagt der Obertshausener, der später von den Nachbarn informiert wird, dass in der Straße schon mehrmals eingebrochen wurde. Er glaubt, dass Profis am Werk waren: Schließlich seien die Täter trotz hell leuchtender Insektenlampe im ersten Stock eingestiegen. „Möglicherweise fühlten sie sich plötzlich gestört. Sonst hätten sie sicher nicht das Bargeld auf dem Wohnzimmertisch übersehen“, sagt der 32-Jährige. Fast zwei Wochen sind seitdem vergangen, doch für das junge Paar ist nichts mehr wie vorher. 

Schlafstörungen und Unwohlsein

„Hier waren fremde Menschen, in unserem Zuhause. Das ist ekelhaft“, sagt Andrea Walgenbach mit Tränen in den Augen. Auch Freund Benjamin fühlt sich unwohl, schläft schlecht. „Wenn ich abends im Wohnzimmer sitze, mache ich die Rollläden runter. Ich gucke in jede Ecke, es ist einfach ein komisches Gefühl.“

So wie dem Paar geht es vielen Einbruchsopfern, sagt Alfred Huber, Leiter der Außenstelle Weißer Lesen Sie auch: Einbrüche Domäne weniger großer Banden Ring für Frankfurt Süd sowie Stadt und Kreis Offenbach. „Die Betroffenen empfinden das Eindringen Fremder in ihre Wohnung als Einbruch in die Seele. Das Sicherheitsgefühl ist weg.“ Huber rät Einbruchsopfern, sich professionelle Unterstützung, etwa beim Weißen Ring, dem Trauma- und Opferzentrum Frankfurt oder der Hanauer Hilfe zu holen. Sich im alten Zuhause wieder wohl zu fühlen, gelinge allerdings selten. „Fast alle Opfer, die wir beraten, ziehen nach dem Einbruch aus“, sagt Alfred Huber. Ob Benjamin Güldenpfennig und Freundin Andrea in der Mietswohnung wohnen bleiben, wollen sie in den nächsten Wochen entscheiden.

Bis dahin will Benjamin Güldenpfennig in Sachen Einbruchsschutz aufrüsten – und mit seiner Geschichte andere warnen. „Auch ich habe immer gedacht, dass passiert mir nicht. Die Gegend ist ja gut, die Nachbarn passen auf. Aber es kann jeden treffen. Und das Gefühl wünsche ich wirklich keinem.“

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