Kommentar

Nach dem Brexit: Bisheriges Europa gibt es nicht mehr

Großbritannien hat sich für den Austritt aus der Europäischen Union entschieden. Das muss man respektieren. Auch wenn es rätselhaft bleibt, warum Großbritannien seine eigene Einheit aufs Spiel setzt. Ein Kommentar von Axel Grysczyk.

Schließlich wollen die Schotten in der EU bleiben, und eigentlich müsste es demnächst zwischen Nordirland und Irland eine internationale Grenze geben. Nicht ganz nachvollziehbar ist, warum sie Zölle akzeptieren, ihren Finanzmarkt in London destabilisieren und ihr Pfund und ihre Kreditwürdigkeit abwerten. 

Richtig ist, dass die EU ein langsames Bürokratie-Monster ist. Aber glaubt man in Großbritannien, dass man allein besser gegen die zukünftigen Wirtschaftsgiganten wie China oder Indien bestehen kann? Glauben die Briten, dass man allein bessere Möglichkeiten besitzt, wenn Russland in Europa immer mehr Einfluss geltend machen will? Und bei all den schweren Problemen, die auf uns in den kommenden Jahren zukommen wie die Migrationspolitik, wird es nicht einfacher, wenn man allein nach Lösungen suchen muss.

Besonders bitter ist, dass die EU nicht nur eine Wirtschaftsunion ist. Sie ist auch ein Versprechen, Europa nach Jahrhunderten der Kriege gemeinsam zu gestalten und an Überzeugungen zu arbeiten. Sie basiert auf gemeinsamen Werten und Visionen. Wenn sich ein prominentes Mitglied wie Großbritannien davon trennt, ist auch dieser Zusammenhalt erschüttert. 

Jahrzehntelang haben wir genau für diese EU-Idee gelebt und auch immer gekämpft. Seit Freitag ist es vorbei. Das bisherige Europa gibt’s nicht mehr. Das neue Versprechen muss lauten: Europa stärker und bürgernaher machen – dann eben ohne Großbritannien.

Lesen Sie dazu auch: EU will Großbritannien nun möglichst schnell loswerden

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