Masern-Explosion: So viel Kranke, wie sonst in zehn Jahren

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Typisches Symptom der Masern: Roter Ausschlag, der den ganzen Körper bedecken.

Region Rhein-Main – In Frankfurt sind die Masern-Fälle in diesem Jahr explodiert. Während im Jahr 2010 insgesamt nur sieben Erkrankungen registriert wurden, hat sich die Zahl 2011 verzehnfacht. Aktuell herrscht zwar Ruhe, aber es könnte die Ruhe vor dem Sturm sein. Denn fast überall im Rhein-Main-Gebiet gehen die Zahlen urplötzlich nach oben. Von Christian Reinartz

68 gemeldete Masern-Fälle in Frankfurt. Mehr als in den vergangenen zehn Jahren zusammen. Eine Bilanz, die Ärzte und Fachleute mit großer Sorge betrachten. „Längst kann man nicht mehr verharmlosend von Kinderkrankheit sprechen“, sagt Dr. Oswald Bellinger, Abteilungsleiter Infektiologie im Frankfurter Gesundheitsamt: „Beim letzten Ausbruch waren 50 Prozent der Erkrankten über 18 Jahre alt.“

Die Masern sind zudem offenbar tödlicher als gedacht. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass die bisher vermutete Sterblichkeitsrate von 1:5000 wesentlich niedriger liegen könnte. Ein Risiko von unter 1:200 sei wahrscheinlich, heißt es beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Das Problem: Säuglinge können erst ab elf Monaten gegen die Masern geimpft werden. Davor sind sie den Viren schutzlos ausgeliefert, werden zumeist von Erwachsenen angesteckt. Das ist möglich, weil der Impfschutz in der Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen nicht ausreichend ist. Sie sind in einer Zeit geboren, in der die Masernimpfung nicht zum Standard gehörte. Deshalb wird geraten, den Kontakt zu Säuglingen zu meiden, wenn man sich nicht sicher ist, ausreichend gegen Masern geschützt zu sein.

Masern sind unberechenbar

Der einzige Schutz gegen Masern: Impfen.

„Besonders häufig beobachten wir Masernausbrüche bei Personengruppen, die aus Ländern kommen, wo noch häufiger Masern auftauchen“, erklärt Bellinger: „Innerhalb dieser Gruppe verbreitet sich das Virus dann auch schneller und wir haben einen solch großen Ausbruch wie in diesem Jahr.“ Aktuell gebe es aber keinen Grund zur Beunruhigung: „Wir konnten den Ausbruch eindämmen und haben aktuell keinen Fall.“
Doch das muss nichts heißen, denn die Masern sind laut Bellinger unberechenbar. Sie können jederzeit auftauchen, unabhängig von der Jahreszeit oder dem Wetter. Denn sie gehören zu den ansteckendsten Krankheiten überhaupt. Typisch ist ein dunkelroter Ausschlag, der vor allem Kinder befällt, aber auch Jugendliche und Erwachsene. Wie aggressiv der Erreger ist, zeigt folgendes Beispiel: Kommt das Virus beim Husten in Umlauf in einem Raum mit 100 Menschen, die nicht immun sind, werden 99 krank. So sieht es der der Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Ein Kranker in der U-Bahn langt also, um einen größeren Ausbruch zu verursachen.

„Wer nicht geimpft ist, sollte das nachholen“

Besonders tückisch: Die Masern können lebensgefährliche Spätfolgen haben. Die Gehirnentzündung SSPE ist so eine Folge. Sie wird durch Viren verursacht, und zerstört Nervenzellen, was in vielen Fällen zum Tod führt. Jahre nach der eigentlichen Infektion.

Einziger Schutz: „Wer nicht geimpft ist, sollte das schnell nachholen“, rät Bellinger: „Der Impfstoff ist sehr gut verträglich und seit 40 Jahren millionenfach getestet.“

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