Offenbacherin lebt dank Niere eines Toten

Im letzten Moment: Organspende rettet junge Mutter

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Sanja Loncar mit ihrem Arzt Dr. Friedrich-Christian Burchardi. „Dank der Organspende kann ich ein normales Leben führen".

Offenbach - Sanja Loncars Leben war die Hölle. Diabetes zerstörte Niere und Bauchspeicheldrüse, nur die Dialyse hielt sie am Leben. Ihre letzte Rettung: Eine Organspende. Die junge Mutter hat Glück. Von Kristina Bräutigam

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Der erlösende Anruf kommt am 1. Juli 2015. Es ist ein Mittwoch, 11.50 Uhr, und auch in Sanja Loncars Leben ist es zehn vor zwölf. Ihre Nieren arbeiten nicht mehr, die Bauchspeicheldrüse ist schwer beschädigt, ihr Leben ist eine Tortur. „Eigentlich war ich mehr tot als lebendig. Nicht mal um meine Tochter konnte ich mich kümmern“, sagt Sanja Loncar, während ihr die Tränen die Wangen runterkullern.

Die gebürtige Kroatin ist zehn Jahre alt, als sie an Typ 1 Diabetes erkrankt, einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse. Die kaputten Nieren sind Spätschäden, ebenso wie der extrem hohe Blutdruck, Wassereinlagerungen in den Beinen, Luftnot. 

Im Oktober 2011, Töchterchen Antonela ist gerade anderthalb, versagen die Nieren. Sanja Loncar muss zur Dialyse ins KfH Nierenzentrum Offenbach. Dreimal pro Woche wird ihr Blut durch eine Maschine von giftigen Stoffen gereinigt. Quälend lange viereinhalb Stunden, nach denen die 37-Jährige völlig erschöpft ist, die trotzdem viel zu kurz sind. „Eine gesunde Niere arbeitet 24 Stunden, sieben Tage die Woche, um giftige Stoffwechselprodukte zu filtern, die mit dem Urin ausgeschieden werden“, erklärt Dr. Friedrich-Christian Burchardi , ärztlicher Leiter im KfH-Nierenzentrum Offenbach. 

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Sanja Loncar lässt drei Jahre keinen Urin. Trinken darf sie nur sehr wenig, keine Bananen oder Kirschen essen, weil diese zu viel Kalium enthalten, auch Fisch ist wegen des Phosphats tabu. „Die Dialyse ist eine lebenserhaltende Maßnahme. Trotzdem ist das Ziel, sofern der Patient geeignet ist, immer eine Transplantation“, sagt Dr. Burchardi. Auch Sanja Loncar steht auf der Warteliste, hofft, betet. Am 1. Juli 2015 sitzt sie in der Dialyse, als eine Ärztin in den Raum stürzt: „Frau Loncar, sie werden transplantiert.“ Sie weint, ruft ihren Mann an, die Tasche hatte sie schon lange gepackt in der Wohnung stehen, wenige Stunden später liegt sie in der Frankfurter Uni-Klinik.

Organe stammen von 32-jährigem Mann

Acht Stunden dauert die Operation, dann hat Sanja Loncar eine neue Niere und Bauspeicheldrüse. Von wem, erfährt sie nicht. Nur, dass es sich bei dem Spender um einen 32-jährigen Mann handelt, der gestorben ist und ihr nun die Chance auf ein neues Leben schenkt. Sanja Loncar schreibt der Familie einen Brief, den die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) weiterleitet. „Ich wollte meine Dankbarkeit zeigen. Und dass sie das Gefühl haben, dass sein Tod nicht völlig sinnlos war.“ 

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Die erste Zeit nach der OP ist kritisch, die Angst, ihr Körper könnte die fremden Organe abstoßen, riesig. Doch Sanja Loncar hat Glück. Heute ist der Diabetes weg, sie hat normale Blutdruck- und Blutzuckerwerte, isst Kirschen, fährt Fahrrad, sogar den Bieberer Berg schafft sie hoch. „Ich bin wie neu geboren. Das ist so ein großes Geschenk“, sagt die junge Mutter. Sie weiß, dass die Funktion der Organe irgendwann nachlässt und sie wieder neue brauchen könnte.

Mehr Menschen müssen spenden

Doch daran will Sanja Loncar vorerst nicht denken. Am 1. Juli feiert sie ihren neuen Geburtstag, danach fährt sie mit Lebensgefährten Jure und der sechsjährigen Tochter Antonela zur Fußball-EM nach Bordeaux. Mit ihrer Geschichte wolle sie erreichen, dass sich mehr Menschen für die Organspende entscheiden. Das wünscht sich auch Dr. Burchardi. „Es würde schon helfen, wenn die Menschen zu Lebzeiten eine Entscheidung treffen. Man muss mit den Angehörigen rechtzeitig darüber reden, ob man seine Organe spenden will und ihnen nicht in der Klinik die Entscheidung überlassen“, sagt der Internist.

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