Erst Heroin-Eklat, jetzt Liebesschloss-Ärger

Frankfurter Hauptschule: So tickt die irre Künstlergruppe

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Sie provozieren, wollen aufrütteln und nehmen sich offensichtlich selbst oft nicht ernst: Mitglieder der Frankfurter Hauptschule kuscheln.

Frankfurt – Sie schockten mit einer „Heroin-Performance“, fälschten Bayreuther Festspiel-Tickets und jetzt hatten sie die Liebesschlösser vom Eisernen Steg im Visier. Wer und was steckt hinter den Künstlern mit den völlig irren Aktionen?. Von Oliver Haas

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Sie wollen provozieren und schocken. Die Aktionskünstlergruppe „Frankfurter Hauptschule“ sorgte Ende 2015 bundesweit für Schlagzeilen. Sie kündigten damals an, dass sich eines ihrer Mitglieder öffentlich Heroin spritzt. Weil in diese Kunstaktion sogar Fördermittel geflossen wären, zog das Kulturamt und andere empört ihre Gelder zurück.

Die „Heroin Performance“ wurde abgesagt. Aber die Gruppe spritzte inoffiziell trotzdem. Ob wirklich Heroin oder Kochsalzlösung wollen sie bis heute nicht auflösen. So oder so: Die Provokation ging gnadenlos auf. Vergangene Woche dann die nächste Aktion, die bei vielen Empörung in der Mainmetropole auslöste: Sie riefen dazu auf, die Liebesschlösser, vom Eisernen Steg zu entfernen.

Anschlag kleinbürgerlicher Ästhetik

Denn laut Aktionsgruppe sind diese „ein Anschlag kleinbürgerlicher Ästhetik auf alle Einwohner und Besucher Frankfurts.“ Einen Euro gabs für jeden, der ein Schloss ablieferte. Ihre verrückte Videoankündigung dazu gibt’s auf www.extratipp.com. Am Donnerstag wurden dann laut der Gruppe 3000 Schlösser zu einer Zinkwanne eingeschmolzen. Ob dies der Wahrheit entspricht, dürfte allerdings bezweifelt werden. 

Irrer Trend: Stifte unter die Brust klemmen

Die Gruppe gründete sich 2013. Gleich die Premierenaktion hatte es in sich: „Wir wollten was zum Wagner-Jahr machen“, erklärt Sprecher Nicholas Warburg. Ihr Ziel sei gewesen, „auf den verharmlosenden Umgang mit Wagners Antisemitismus aufmerksam zu machen“. Also haben Mitglieder massenhaft gefälschte Eintrittskarten für den Premierentag der Festspiele an Bayreuther Haushalte verteilt. Die Rede war damals von 50.000 Stück. 

Netzwerk diverser deutscher Städte

„Die Dinger müssen weg!“ Ein Mitglied der Künstlergruppe am Eisernen Steg.

Die Gruppe hat laut Warburg in Frankfurt einen Kern von zwölf bis fünfzehn Leuten und darüber hinaus ein Netzwerk in diversen deutschen Städten. Die meisten würden Kunst studieren oder zumindest so tun. Von außen Mitglied zu werden sei aber schwierig bis unmöglich. „Wir haben einerseits große Sympathien und biographische Verflechtungen mit linksradikalen Krawalltouristen. 

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Andererseits hoffen wir auf einen Wahlsieg von Donald Trump in den USA, weil wir einen Faible für Weltuntergangsstimmung haben“, sagt Warburg. Was planen sie demnächst, um wieder Kopfschütteln bei vielen Frankfurtern auszulösen? „Das wird schockierend, richtig eklig“, kündigt er an. Mehr als das Stichwort „Schmerzen“ lässt er sich nicht entlocken. 

Nicht immer extrem provozieren

Wichtig sei der Gruppe aber , dass sie nicht mit jeder Aktion „extrem“ provozieren wollen. „Uns ist eine gewisse Taktung wichtig. Die Sache mit den Liebesschlössern sei schließlich auch harmloser gewesen als die „Heroin-Performance“.

Das ist die verrückte Ankündigung zur Liebesschloss-Aktion:

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