Frankfurterin muss aus Notunterkunft raus

Schwerbehinderte steht bald auf der Straße

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Alexandra Tatchikou-Nembot sitzt noch in ihrem kleinen Zimmer in der Notunterkunft. Am Donnerstag muss sie ausziehen. „Aber ich weiß nicht, wohin".

Frankfurt - Vor zwei Jahren ist die körperlich behinderte Alexandra Tatchikou-Nembot in eine Notunterkunft in Frankfurt gezogen. Seitdem sucht sie vergeblich nach einer kleinen Wohnung. Doch am Donnerstag muss sie aus ihrem Zimmer ausziehen. Von Janine Drusche

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Jeder hat ein Recht auf Wohnung

Seit ihrer frühen Kindheit hat Alexandra Tatchikou-Nembot mit ihrem Schicksal zu kämpfen: Sie ist schwerhörig, hat Depressionen und gilt als 90 Prozent schwerbehindert. „Ich hatte viele Probleme früher, auch mit meinem Ex-Mann. Deshalb bin ich vor zwei Jahren von ihm und Friedberg weg und hier in die Notunterkunft der Diakonie eingezogen“, sagt die 30-Jährige. Seitdem sucht Tatchikou-Nembot eine eigene Wohnung. „Da ich durch meine Behinderung und die psychischen Probleme arbeitsunfähig bin, zahlt das Jobcenter meine Miete. Wenn ein potentieller Vermieter das hört, will er mich nicht mehr drin haben“, klagt sie.

Dabei braucht die junge Frau dringend ein neues Zuhause, denn ihre Tage in der Frauen-Unterkunft des Diakonischen Werks sind gezählt: Am Donnerstag muss sie ihr Zimmer räumen, da die vom Sozialamt bezahlte Zeit abläuft. Die gebürtige Kasselerin habe weder Familie noch Freunde, die sie aufnehmen können. „Ich habe einfach bald kein Dach mehr über dem Kopf“, sagt Alexandra Tatchikou-Nembot. „Ich bin seit Juni 2015 beim Wohnungsamt Frankfurt registriert und habe noch nicht eine Rückmeldung bekommen.“ 

Keine Organisation habe ihr geholfen

Auch an die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas, mehrere Baugenossenschaften und das Bürgerbüro der Stadt Frankfurt habe sie sich schon gewendet, sagt die junge Frau. „Ich brauche doch nicht viel Platz – ein Zimmer ginge auch –, aber überall werde ich nur weitergeleitet oder es heißt, ich soll auf etwas Schriftliches warten. Doch es kommt einfach nichts“, sagt Tatchikou-Nembot, während ihr dicke Tränen übers Gesicht laufen: „Manchmal bin ich ganz kurz davor, aufzugeben. Ich weiß einfach nicht mehr weiter.“

Lange Wartelisten für Sozialwohnungen

Mark Gellert, Pressesprecher des Dezernats Planen und Bauen in Frankfurt, erklärt das Problem mit der Vielzahl an Bewerbern: „Die Vermittlung von Sozialwohnungen hat bei uns hohe Priorität, aber die Wartelisten sind sehr lang.“ In vielen Fällen scheitere die Vermittlung auch an den Ansprüchen der Suchenden. „Manche Wünsche machen eine Vermittlung unmöglich“, sagt Gellert. Das Sozialamt könne Wohnungen nur vorschlagen, so Manuela Skotnik vom Sozialdezernat Frankfurt: Die Entscheidung zu vermieten, treffen die Wohnungsgesellschaften. „Obdachlos wird aber so schnell niemand“.

Eine Sozialpädagogin der Diakonie-Notunterkunft, in der Tatchikou-Nembot noch wohnt, möchte mit Verweis auf die Schweigepflicht nicht namentlich genannt werden, sieht die Situation ähnlich: Der schlechte Wohnungsmarkt sei für die Schwierigkeiten verantwortlich. Es gäbe eben einfach nicht genug Wohnungen.

Alexandra Tatchikou-Nembot ist verzweifelt. Von den Behörden fühlt sie sich im Stich gelassen. Niemand erkenne an, wie lange sie sich mit der drohenden Wohnsitzlosigkeit beschäftige: „Alle Dokumente sind da, aber ich finde trotzdem nichts.“

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