Konkurrenzkampf der Krankenhäuser

Ohne Kompromisse: Kliniken in Rhein-Main führen Krieg

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Gutes Personal ist gefragt und wechselt bei besseren Angeboten schnell die Klinik.

Region Rhein-Main - Die medizinische Versorgung ist Aushängeschild der Rhein-Main-Region. Eigentlich, denn die Kliniken stehen sich mit ihren Angeboten gegenseitig auf den Füßen. Hinter den weißen Kitteln tobt ein Konkurrenzkampf. Von Dirk Beutel

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Es herrscht Konkurrenz um lukrative Patienten und um das beste Fachpersonal. „Besonders Fachärzte aus der Chirurgie, der inneren Medizin und aus der Psychiatrie sind sehr begehrt“, sagt Kerstin Mitternacht vom Mediziner-Berufsverband Marburger Bund. Da kommen Nachrichten wie der vor einigen Wochen bekannt gewordene Komplett-Wechsel der urologischen Abteilung des Frankfurter Universitätsklinikums zur Mainzer Unimedizin gar nicht mal so überraschend, selbst wenn ein Wechsel in dieser Größenordnung alles andere als alltäglich ist. Zur Erinnerung: Professor Axel Haferkamp, Chefarzt der Frankfurter Urologie, und elf Ober- und Assistenzärzte sowie fünf Mitarbeiter aus dem nichtärztlichen Bereich haben seit April das Universitätsklinikum Richtung Mainz verlassen – inklusive vieler Patienten.

Tatsächlich gibt es ein Überangebot an Krankenhäusern im Rhein-Main-Gebiet. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen die Häuser so effektiv wirtschaften wie möglich. Doch der damit ebenfalls verbundene Kostendruck macht vielen Einrichtungen zu schaffen. Krankenhäuser haben längst gewinnorientierte Ambitionen. Aktuelles Beispiel ist das Ende des kleinen St. Rochus-Krankenhauses in Dieburg, das vergangenes Jahr noch, gemeinsam mit dem Darmstädter Marienhospital, vom Klinikum Darmstadt aufgekauft wurde. Allerdings war der bereits angehäufte Schuldenberg offenbar höher als erwartet. Die Konsequenz: Am 1. Juli verliert Dieburg sein einziges Krankenhaus. Statt dessen soll dort nun ein ambulantes Operations-Zentrum entstehen. Wann ist noch unklar. 

Kliniken der Region: Das bieten die privaten Komfortstationen

Dabei befürworten viele Experten seit Jahren, dass sich die Kliniken untereinander besser abstimmen, wer welche medizinischen Leistungen anbietet. Besser noch: Die Klinken würden miteinander fusionieren: „Es würde die Konkurrenz-Situation definitiv entspannen, die Versorgung effizienter machen und anderen medizinischen Bereichen Platz machen. So kommt fast jedes Krankenhaus wie ein Gemischtwarenladen daher, in dem der Patient alles bekommt“, sagt Hans Ditzel, Sprecher der Hessischen Krankenhausgesellschaft mit Sitz in Eschborn. „Würden sich weitere Kliniken für eine Zusammenarbeit entschließen, könnte man etwa die Logistik- und Datenverwaltung zentral steuern. Auch teure medizinische Geräte oder die Krankenhauswäsche ließen sich effizienter verwalten und einsetzen. 

Kliniken sehen keine Notwendigkeit für eine Fusion

Doch manche Kliniken sehen offensichtlich momentan nicht die Notwendigkeit, sich über irgendwelche Fusionen Gedanken zu machen“, sagt Ditzel. Ein positives Beispiel sei etwa der Zusammenschluss des Klinikums Frankfurt-Höchst und des Main-Taunus-Kreises in Hofheim und in Bad Soden. Beide Einrichtungen schreiben seit langem rote Zahlen. Gemeinsam sollen vorhandene doppelte Strukturen abgebaut, etwa die Verwaltung- und Personalabteilungen zusammengefasst werden. 

Dem Beispiel sollen auch andere Kliniken folgen, fordert der Verband der Ersatzkassen in Hessen: „Solche Umstrukturierungsmaßnahmen führen nicht zu einer verschlechterten medizinischen Versorgung der Bevölkerung, sondern können durch den fehlenden Konkurrenzdruck zwischen den Häusern die Fokussierung auf den Patienten stärken“, heißt es. Bis andere nachziehen, könnte es noch dauern, fürchtet derweil Hans Ditzel. Denn letzten Endes sei es die hessische Landespolitik, die handeln müsse.

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